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Leipzigs Schulbaustellen - "lieber ein wenig Bauverzug als ein überhastetes Ende"

Leipzigs Schulbaustellen - "lieber ein wenig Bauverzug als ein überhastetes Ende"

In der Werner-Heisenberg-Gymnasium in der Renftstraße wurde Hausschwamm in der Decke entdeckt – daher ist die Tragkonstruktion in Teilen reif für eine Erneuerung. Die Folge: höhere Kosten für die Stadt Leipzig sowie ein weiteres Jahr im Interim Diderotstraße für Gymnasiasten.

Baustelle Gymnasium Telemannstraße: Die Bodenplatte liegt, die ersten Wände stehen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Holzbalken können grausam sein. Besonders, wenn sie als „tragende Säulen“ in alten Schulgebäuden stecken, die um die Jahrhundertwende gebaut wurden. Das mussten jetzt die Bauleute im Werner-Heisenberg-Gymnasium in der Renftstraße erfahren. Wie berichtet, wurde dort Hausschwamm in der Decke entdeckt – daher ist die Tragkonstruktion in Teilen reif für eine Erneuerung. Die Folge: höhere Kosten für die Stadt Leipzig sowie ein weiteres Jahr im Interim Diderotstraße für etliche Gymnasiasten. Das Heisenberg-Gebäude wird für etwas mehr als 7,1 Millionen Euro bei laufendem Betrieb saniert und soll ab dem Schuljahr 2016/17 wieder voll nutzbar sein.
Baufreiheit haben hingegen die Firmen in Schönefeld, die aus den ehemaligen Schulhäusern Gorkistraße 15 und 25 ein modernes Gymnasium entwickeln wollen. Im einstigen Sportraum wird beispielsweise vielen tragenden Wänden der Garaus gemacht, um Platz für die Mensa zu schaffen. Decken sind von Säulen gestützt – viele müssen versetzt werden, um die vorgeschriebene Barrierefreiheit auf den Fußböden zu ermöglichen. Der Anbau für die Fachkabinette steht bereits im Rohbau. Ein Problem gibt es allerdings: In einem der vier Gebäude hat sich der Hausschwamm so sehr ausgebreitet, dass Holzbalken ersetzt werden müssen. Das wurde bemerkt, nachdem die Balken angebohrt worden waren. Mehrkosten und Bauverzug sind nun auch hier die Folge. „Wir stehen unter Termindruck. Ob sich dadurch die geplante Eröffnung verzögert, kann derzeit niemand sagen“, sagt Raimund Krell, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement im Technischen Rathaus. „Wir bemühen uns aber um eine Lösung.“ Eine Teil-Eröffnung des Gymnasiums, dessen untere Klassen derzeit im alten Plattenbau Löbauer Straße unterrichtet werden, steht nicht zur Debatte. Eins aber ist mittlerweile klar: Der geschlossene, geschwungene Gang über den Friedhofsweg, der die Häuser miteinander verbinden wird, kommt. Um jene „Schulbrücke“, die die Landesdenkmalpflege verhindern wollte, war im Vorjahr ein heftiger Streit entbrannt (die LVZ berichtete).
Die Sache mit dem Friedhof
Die Baustelle ist noch aus einem anderen Grund keine leichte. Sie befindet sich unmittelbarer Nähe des Schönefelder Friedhofs. Wenn Beerdigungen stattfinden, so die Absprache mit der Evangelisch-Lutherischen Matthäuskirchgemeinde, darf weder Putz an der Fassade abgeschlagen noch laut gebohrt oder gehämmert werden. Die Handwerker arbeiten dann im Inneren. Die Einschränkungen betreffen 200 Tage im Jahr. Nach derzeitigem Zeitplan soll der Gebäudekomplex, der für mindestens 17 Millionen Euro ausgebaut wird, zum Schuljahr 2017/18 fertig sein – falls der Hausschwamm „mitspielt“.
Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD): „Lieber ein wenig Bauverzug, der zwar nicht schön ist, als ein überhastetes Ende. Wir bauen unsere Schulen schließlich für die Zukunft.“ Noch nicht begonnen wurde mit der geplanten Sporthalle, da die Grundstücksfrage noch nicht restlos geklärt ist.

Die Sache mit dem Schwimmbad

Einen dreimonatigen Bauverzug aufgeholt hat die ehemalige „Riwa“ in der Karl-Vogel-Straße, die ab kommendem Schuljahr als Domizil der Sprachheilschule „Käthe Kollwitz“ dienen soll. Auch dort haben Balken Mehrkosten verursacht, eine Rohbaufirma war pleite gegangen, ein Hamburger Unternehmen erst gar nicht angereist, um seinen Auftrag zu erledigen. Die Bausubstanz des Gebäudes, das annähernd zehn Jahre leerstand, ist aber solide. Für den Einbau eines Aufzuges ist bereits alles vorbereitet. „Ein spannendes Projekt. Als Brandschutztüren benutzen wir Glaselemente“, sagt Falco Bormann vom Weimarer Büro Junk & Reich Architekten. Bauleiter Thomas Müller: „Mit der Denkmalpflege haben wir einen gesunden Kompromiss gefunden.“ Nicht saniert wird das kleine Schwimmbad im Keller. Das käme zwar den Förderschülern zugute, sei aber zu teuer. Es könne jedoch jederzeit mittels Sponsoren nachgerüstet werden, heißt es.
Als ein schwieriger Fall stellte sich auch der Baugrund fürs neue Gymnasium in der Telemannstraße heraus. Obwohl auf dem Areal früher eine Plattenbauschule stand, war eine völlig neue Pfahlgründung nötig. Mittlerweile liegt die Bodenplatte fest verankert, die ersten Wände werden hochgezogen.

Im Plan ist auch der Umbau der Weiße-Schule in Stötteritz. Bis zum Sommer müssen das eine Gebäude und der Erweiterungsbau fertig sein, dann kommt das andere Haus dran. Erfüllt wird auch ein Wunsch der Eltern: Die Schule bekommt ihre Aula, die Bauleute haben alles vorbereitet. „Die großen Baustellen sind sichtbare Zeichen, dass wir mit dem Schulbau in Leipzig vorankommen“, betont Bürgermeister Fabian. Das Investitionsprogramm müsse dennoch in den nächsten Jahren deutlich erweitert werden. „Wir müssen jetzt die Planungen auf den Weg bringen, um ab 2017 zusätzliche Schulbaumaßnahmen umsetzen zu können.“ Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hatte im LVZ-Sommerinterview angekündigt, dass bis 2024 rund 250 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Schulen notwendig seien.

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