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Leipzigs Sozialbürgermeister zu Kita-Plätzen: "Bis Ende 2014 schaffen wir Riesensprung"

Leipzigs Sozialbürgermeister zu Kita-Plätzen: "Bis Ende 2014 schaffen wir Riesensprung"

Viele Familien suchen händeringend nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind. Dieses Jahr will die Stadt um die 2500 Plätze zusätzlich anbieten. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) äußert sich im Interview, wie es vorangeht.

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Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD)

Quelle: André Kempner

Frage:

Leipzig. Sie haben in diesem Jahr bei bisher vier Grundsteinlegungen für neue Kindertagesstätten mit Hand angelegt. Wie kommt die Kommune mit dem Ausbau des Krippen- und Kita-Netzes voran?

Thomas Fabian:

Gut. In den vergangenen sechs Jahren haben wir 55 Neubauten, Ersatzneubauten und Erweiterungen von Kitas umgesetzt. Für dieses und nächstes Jahr haben wir uns sehr viel vorgenommen. Wahrscheinlich verzögern sich in diesem Jahr einige Maßnahmen. Aber wir haben so viele Projekte in Planung, etliche sind im Bau, für viele liegen bereits Baugenehmigungen vor - die Situation wird sich spätestens im nächsten Jahr deutlich entspannen.

Eltern, die jetzt einen Platz suchen, tröstet das wenig. Viele fühlen sich von der Verwaltung auf den Gang nach Canossa geschickt. Wie funktioniert die Platzvergabe denn nun eigentlich?

Die Eltern wenden sich an die jeweiligen Einrichtungen und schließen dort die Verträge ab. Wenn sie vier bis sechs Wochen vor Aufnahme der Arbeit noch keinen Platz haben, können sie sich an das Amt für Jugend, Familie und Bildung wenden, das dann bei der Platzsuche unterstützt. Jedes Jahr werden in Leipzig mehr als 4000 Plätze neu vergeben. Das tröstet diejenigen, die auf der Suche sind, natürlich wenig. Deshalb unternehmen wir ja so große Anstrengungen, um die Nachfrage ausreichend bedienen zu können. Und da sage ich ganz offen: der Rechtsanspruch hilft uns, um in der Haushaltsplanung die notwendigen Prioritäten setzen zu können.

Wer bekommt denn nun den freien Krippenplatz?

Wenn Eltern berufstätig sind, sich in Ausbildung befinden oder ein besonderer Entwicklungsbedarf vorliegt, besteht der Anspruch auf einen Platz für Kinder unter drei Jahren schon heute. Eine solche Dringlichkeit ist bei städtischen Kitas, aber auch bei freien Trägern, bereits mit ausschlaggebend bei der Platzvergabe. Ab 1. August haben dann alle Familien diesen Rechtsanspruch. Reichen die Kapazitäten bis dahin nicht aus, achten wir darauf, dass die genannten Prioritäten gelten.

Also ist die Internetplattform www.meinkitaplatz-leipzig.de überflüssig?

Nein, auf der Internetplattform kann man sich gut über das vielfältige Angebot in Leipzig informieren, und sie bietet auch die Möglichkeit, Plätze zu reservieren, wenn welche frei verfügbar sind.

Das frustriert viele Eltern ja gerade. Sie haben das Gefühl, einen Platz über das Portal zu reservieren, ist ohnehin vergeblich, da die Seite benutzerunfreundlich ist. Wann ändert sich das?

Aufgrund knapper Kapazitäten ist es derzeit selten möglich, einen Platz zu reservieren. Was die Benutzerfreundlichkeit betrifft: das Portal wird kontinuierlich überarbeitet. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv damit befasst. Die Software wird weiterentwickelt, was auch eine Forderung von Stadträten ist. Dennoch bleibt es dabei, dass der Vertrag immer in der jeweiligen Einrichtung abgeschlossen wird.

Eine direkte Buchung wird also nicht möglich sein?

Nein, nur eine Reservierung. Jeder Träger behält sich vor, im Gespräch mit den Familien zu klären, ob das pädagogische Profil geeignet für das jeweilige Kind ist. Es hat ja keinen Sinn, jemandem ein Angebot für einen Waldkindergarten zu machen, wenn das Kind nicht den ganzen Tag draußen sein soll.

Eltern kritisieren, dass sie zwar einen Platz reservieren konnten - doch der war dann bereits vergeben. Also gibt es doch noch Defizite?

Wir haben mehrere Schulungen für Mitarbeiter bei den freien Trägern und der Stadt durchgeführt. Dass dennoch ab und an Missgeschicke passieren, ist bedauerlich. Wenn jedoch künftig ausreichend Plätze vorhanden sind, ist dies weniger ärgerlich. Denn allein mit der Weiterentwicklung der Internetplattform lösen wir das Problem für die Eltern nicht. Mehr Plätze schaffen - das ist für mich die einzige Lösung.

Sie haben eingeräumt, dass es auch 2013 Verzögerungen beim Bau von Kitas gibt. Was heißt das genau?

Es werden wohl acht neue Kitas erst im ersten Halbjahr 2014 fertig. Das heißt aber nicht, dass in der gleichen Größenordnung Plätze fehlen. Zahlreiche zusätzliche Plätze entstehen über Erweiterungen im Bestand. Und wir prüfen derzeit intensiv die Möglichkeit, in angemieteten Räumen einen provisorischen Ausgleich zu schaffen. Das funktioniert aber nur, wenn wir auch dort gute Rahmenbedingungen und die notwendigen Freiflächen anbieten können.

Also eine Containerlösung?

Nein. Zum Beispiel leerstehende Räume in Verwaltungsgebäuden, die wir anmieten. Die gibt es durchaus. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir nicht in einen ungesteuerten Aktionismus verfallen.

Was meinen Sie damit?

Teure Containerlösungen sind dauerhaft nicht sinnvoll. Viele neue Einrichtungen werden in absehbarer Zeit fertig. Deshalb sollten wir nicht überall, wo es möglich ist, eine Kita bauen. Sonst haben wir bald Kitas an der falschen Stelle und muten Eltern unnötig weite Wege zu. Die Herausforderung ist also, strategisch zu planen. Denn derzeit werden uns auch Grundstücke in Gegenden angeboten, in denen die Nachfrage nicht groß ist.

Lohnt sich denn eine Zwischennutzung für einige Monate?

Ja. Ab 1. August besteht ja der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ein- bis dreijährige Kinder. Darauf müssen wir reagieren. Eine zweite Herausforderung ist es, langfristig sinnvolle Standorte zu entwickeln.

Absehbar ist, dass einige Eltern zunächst leer ausgehen. Der Stadt könnte dann eine Klagewelle drohen. Sind Sie darauf vorbereitet?

Mit einer Klagewelle rechnen wir nicht. Für mich ist das Entscheidende, das kann ich nur immer wieder betonen, dass wir so rasch wie möglich viele zusätzliche Plätze in Kitas und Tagespflege schaffen. Ich höre aber auch schon Unkenrufe, dass wir aufpassen sollen, keine Überkapazitäten zu schaffen. In jedem Fall dürfen wir nicht nur auf Quantität setzen, sondern müssen auch die Qualität im Auge behalten. Bis Ende 2014 werden wir einen riesigen Sprung machen und das Platzangebot deutlich erweitern. Daran arbeiten wir mit ganzer Kraft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Interview: Felix Kretz/Mathias Orbeck

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