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Lokales Leipzigs Stadtkonzern nur im Mittelfeld
Leipzig Lokales Leipzigs Stadtkonzern nur im Mittelfeld
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00:34 06.04.2018
Boden gut gemacht, aber trotzdem nur stabiles Mittelfeld: Leipzigs stadteigene LVV-Holding (gelb) rangiert im Gesamtranking der größten Stadtkonzerne nur auf Platz 4.
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Leipzig

Im Vergleich der zehn größten deutschen Stadtkonzerne rangiert Leipzigs LVV-Holding auf Platz 4. Dies geht aus einem internen Ranking hervor, in dem die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) Kriterien wie Ertragskraft, Gewinnrate, Verschuldung und Wirtschaftlichkeit unter die Lupe genommen hat. Den besten Stadtkonzern hat danach Dresden, gefolgt von Erfurt und Köln. Hinter Leipzig rangieren die stadteigenen Firmenverbünde von Halle, Duisburg, Nürnberg, Frankfurt, Dortmund und Hannover. Zur LVV gehören Leipzigs Verkehrsbetriebe, Wasserwerke und Stadtwerke nebst ihrer diversen Tochterunternehmen.

Wenig Wertschöpfung je Mitarbeiter

Im Ranking fällt Leipzig durch zwei „Besonderheiten“ auf: Gemessen an der Wertschöpfung je Mitarbeiter und Kapitalproduktivität rangiert die LVV auf dem letzten Platz aller zehn verglichenen Stadtkonzerne. Die LVV müsse deshalb jetzt dringend ihre Wertschöpfungstiefe auf den Prüfstand stellen, heißt es dazu intern.

Auch die Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs nimmt im Vergleich zu den meisten anderen deutschen Stadtkonzernen in Leipzig mit 22 Prozent einen vergleichsweise hohen Anteil am Gesamtvermögen ein. In Dresden sind es nur 13 Prozent, in Erfurt nur 14 Prozent. Für Leipzig müsse es deshalb jetzt darum gehen, diese enorm teure Infrastruktur weiter auszulasten und dadurch ihren Beitrag zum Gesamtergebnis auszubauen, wird intern diskutiert.

Auch andere Defizite schlagen im Ranking besonders schmerzhaft zu Buche. So landet Leipzigs Stadtkonzern mit seiner Ertragskraft – der sogenannten Rohmarge – nur auf Platz 7 der zehn verglichenen Städte. Der Spitzenreiter Dresden erwirtschaftet stattliche 16 Prozent mehr. Noch größer ist der Abstand bei der sogenannten Kapitalrückflussquote, die die betrieblichen Rückflüsse aus dem Gesamtvermögen misst. Hier landet Leipzig zwar auf Platz 5 des Vergleichs – der Abstand zu Erfurt, dem Besten in diesem Teilsegment, beträgt aber stattliche 30 Prozent.

4,9 Prozent Rendite

Augenfällig ist in dem Vergleich auch die Rendite mit Blick auf das eingesetzte Kapital: Hier landet Leipzigs Stadtkonzern ebenfalls nur auf Platz 7 und hat zum Spitzenreiter Köln einen Abstand von 28 Prozent. Köln erwirtschaftete im Jahr 2016 mit seinem stadteigenen Kapital eine Rendite von 6,8 Prozent, gefolgt von Nürnberg (6,7 Prozent), Erfurt (5,7 Prozent), Dresden (5,6 Prozent), Frankfurt (5,2 Prozent), Halle (5,0 Prozent) – Leipzig kam nur auf 4,9 Prozent. Schlechter waren nur noch Duisburg (4,5 Prozent), Dortmund (4,4 Prozent) und Hannover (2,9 Prozent).

Untersucht wird in dem Vergleich auch, warum andere Stadtkonzerne erfolgreicher wirtschaften als der Leipziger. Dabei stellte sich heraus, dass Dresden vor allem mit seiner hoch effizienten regionalen Expansionsstrategie punktet. Die Landeshauptstadt habe den regionalen Energieversorger Enso mit dem expliziten Ziel erworben, Synergien zu heben, heißt es. Leipzig hat dagegen vor einigen Jahren einen Fernwärmeunternehmen im polnischen Danzig gekauft – Synergieeffekte halten sich durch die Entfernung naturgemäß in Grenzen.

Dresden hat auch das besonders lukrative Fernwärmegeschäft über Jahrzehnte kontinuierlich stärker ausgebaut als die Leipziger Stadtwerke. Trotz der etwas geringeren Einwohnerzahl ist dadurch heute in Elbflorenz der Fernwärmeabsatz um rund 20 Prozent höher als in Leipzig.

Dresden ist enteilt

Auch im Stromgeschäft haben die Dresdner die Nase vorn: In ihrer Bilanz stehen rund 100 000 Endkunden mehr als bei den Leipziger Stadtwerken. Und der öffentliche Nahverkehr ist in Dresden nicht nur attraktiver als in Leipzig (die LVZ berichtete) – sondern auch effizienter. In der Landeshauptstadt erwirtschaftet er einen Kostendeckungsgrad von 80 Prozent – in Leipzig sind es 73,5 Prozent. Auch bei der Zusammenlegung zu einer gemeinsamen Abrechnungsgesellschaft sind Dresdens Stadtfirmen den Leipziger enteilt und auch dadurch effizienter.

Erfurt hat seine Stadtfirmen ebenfalls unter dem Motto „klein aber fein“ aufgestellt – alle Aktivitäten sind auf den Heimatmarkt Erfurt ausgerichtet, die Firmen haben außerdem von der Stadt eine exzellente Eigenkapitalausstattung erhalten. Die sogenannte Finanzschuldenquote ist deshalb 36 Prozent besser als in Leipzig.

Die Stadt Köln konzentriert sich nicht nur auf den lokalen Heimatmarkt, sondern treibt auch mit viel Geschick eine regionale Kooperationsstrategie voran – und bietet so allen Bürgern eine besonders breite Dienstleistungspalette an.

Hoffnung auf Bevölkerungswachstum

Aus dem Ranking geht auch hervor, dass Leipzigs stadteigenes Firmenreich in den vergangenen Jahren besser geworden ist. So rangierte der LVV-Konzern im Jahr 2010 noch auf Platz 8 der Vergleichliste, erreichte 2012 und 2013 den vierten Rang, kletterte 2014 und 2015 sogar auf Rang drei – um 2016, dem letzten komplett abgerechneten Jahr – wieder von Köln auf Platz 4 verwiesen zu werden (siehe Skizze). Aufgrund des starken Leipziger Bevölkerungswachstums könnten sich die Kennzahlen der städtischen Firmen auch in Zukunft weiter verbessern, heißt es in der LVV. Wenn es gelingen sollte, mit dem zusätzlichen Geschäft auch zusätzliche Gewinne zu erzielen.

Von Andreas Tappert

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