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Lokales Leipzigs Straßenbahnen fahren jetzt komplett mit Ökostrom
Leipzig Lokales Leipzigs Straßenbahnen fahren jetzt komplett mit Ökostrom
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00:21 11.01.2018
Weil die Zahl der Fahrgäste rasant steigt, fahren Leipzigs Straßenbahnen immer öfter – aber jetzt ausschließlich mit Strom aus Wasserkraft.   Quelle: André Kempner
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Leipzig

Leipzigs Straßenbahnen fahren jetzt zu 100 Prozent mit Ökostrom. Die Verkehrsbetriebe haben davon jeweils 60 Gigawattstunden für die Jahre 2018 und 2019 geordert. Der Strom wird ausschließlich mit Wasserkraft erzeugt – hauptsächlich in Norwegen. Die CO2-frei erzeugte Energie fließt nicht nur in die Straßenbahnen, sondern auch in die Liegenschaften des Unternehmens und in den ersten Elektrobus, der aktuell auf der Linie 89 unterwegs ist. Perspektivisch könnte auch eine ganze Flotte aus Elektrobussen mit dem Ökostrom angetrieben werden, heißt es im Unternehmen.

Der zweijährige Liefervertrag kam mit Hilfe der Stadtwerke Leipzig zustande, die in ihrem Handelsraum in der Eutritzscher Straße 14b vorzugsweise ökologischen Strom einkauft. Die Stromhändler haben sich dort für den Anbieter Klimainvest Green Concepts entschieden, der den Verkehrsbetrieben garantiert, dass ausschließlich Ökostrom geliefert wird. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) vermeiden dadurch jetzt jährlich die Freisetzung von 39.862 Tonnen CO2 – also von insgesamt rund 80.000 Tonnen. Das entspricht dem jährlichen CO2-Pro-Kopf-Ausstoß von mehr als 12.000 Leipzigern beziehungsweise rund 6,6 Prozent aller Kohlendioxidemissionen im Leipziger Verkehr.

Keine Fahrpreisänderung durch Ökostrom

Im Unternehmen wird betont, dass der Ökostrombezug sich nicht auf die Fahrscheinpreise auswirken wird. Die Stromhändler der Stadtwerke hätten so gut gearbeitet, dass die Differenz aus dem Einkaufspreis des Ökostroms und dem normalen Strom nicht im Ticketpreis abbildbar sei, heißt es. Dies sei möglich geworden, weil relativ große Mengen Ökostrom geordert wurden. „Wenn die Energiewende gelingen soll, muss auch die öffentliche Mobilität emissionsfrei und klimafreundlich angeboten werden“, begründet Norbert Menke, Chef der Stadtholding LVV, den Schritt.

Wie berichtet, untersuchen die Stadtverwaltung und der Stadtkonzern außerdem den Ausbau der Elektromobilität in der Busflotte der LVB. Gestützt auf Fördermittel aus dem Projekt Green City Masterplan und eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme wird ausgelotet, ob und wie in den Jahren 2019 bis 2024 Elektrobusse angeschafft werden können. Denn in dieser Zeitspanne steht der Ersatz von bis zu hundert Diesel-Omnibussen unterschiedlichster Größe an. „Wir wollen in der zweiten Jahreshälfte dazu eine Grundsatzentscheidung treffen“, kündigte Konzernchef Menke an. Die Untersuchungen würden aber „technologieoffen“ geführt, es kämen also nicht ausschließlich Batteriesysteme infrage. „Wir brauchen keine Sonderlösungen, die exorbitant teuer werden oder technische Risiken bergen“, so Menke. „Wir brauchen ein System das funktioniert und sich problemlos in unsere Betriebsabläufe integrieren lässt.“

Prototyp wird mehrschichtig eingesetzt

Bei dem Prototyp, der dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme gehört und auf der Linie 89 zwischen der Südvorstadt und dem Stadtzentrum pendelt, war dies lange Zeit nicht so: Dieser Bus stand wegen verschiedenster technischer Defekte länger als er fuhr. Mittlerweile sollen die technischen Kinderkrankheiten aber abgestellt worden sein. „Die Leipziger werden dieses Fahrzeug jetzt deutlich öfter sehen“, kündigte LVB-Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs an. Das Fahrzeug werde auch nicht mehr einschichtig, sondern mehrschichtig eingesetzt.

Juhrs betonte auch, dass es offen sei, welche Busse von welchem Hersteller bezogen werden. „Wir haben einen sehr guten Marktüberblick“, sagte er. Viele deutsche Hersteller hätten inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt und würden an interessanten Lösungen arbeiten. Brennstoffzellenfahrzeuge stünden allerdings weniger im Fokus. „Im Moment gibt es dazu keine marktreife Anwendung in Europa“, sagte er. Entscheidend für den Aufbau einer Elektrobusflotte in Leipzig wird auch die Verfügbarkeit von Fördermitteln sein. „Wir brauchen für diese neue Technologie öffentliche Fördermittel, das ist eine Grundvoraussetzung“, so der Geschäftsführer.

Von Andreas Tappert

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