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Lokales Leipzigs Suche nach Asylunterkünften - Tag der offenen Tür in Eutritzsch und Engelsdorf
Leipzig Lokales Leipzigs Suche nach Asylunterkünften - Tag der offenen Tür in Eutritzsch und Engelsdorf
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00:59 24.11.2014
Rundgang in der Zschortauer Straße 44: Bürgermeister Thomas Fabian und Sozialamtschefin Martina Kador-Probst (hinten rechts) zeigen das Flüchtlingshaus. Quelle: André Kempner

Damit werden der Stadt Leipzig vom Freistaat Sachsen 2014 insgesamt 1300 Personen zugewiesen - doppelt so viele wie 2013, weitaus mehr als vor Jahren.

"Wir haben händeringend nach Häusern gesucht", so Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst. Fündig wurde die Kommune in der Zschortauer Straße 44 in Eutritzsch, dem einstigen Signal-Iduna-Haus, und in der Riesaer Straße 100 in Engelsdorf, vis-à-vis vom Paunsdorf Center. Beide Adressen sind ausgediente Bürohäuser; sie wurden als Notunterkünfte für drei Jahre angemietet - und in beiden war am Sonnabend Tag der offenen Tür.

Nur gefühlte Sekunden nach Beginn um 10 Uhr in der Zschortauer Straße prasselten auf Kador-Probst Fragen dutzender Besucher ein: "Warum wird nicht das Hotel Astoria genutzt?" Dazu die Sozialamtschefin: "Aufgrund seines Gesamtzustandes wäre die Herrichtung nicht wirtschaftlich. Es kostet Millionen." Wieso kommen Asylbewerber aus Tschetschenien, der Russischen Förderation, dort ist es doch nicht so dramatisch wie in anderen Ländern? Kador-Probst: "Das hat nicht die Stadt Leipzig zu bewerten, sondern das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge." Warum in Massen, nicht Maßen? "Es ist unsere Pflichtaufgabe, nach Weisung des Freistaates Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei hat die Kommune kein Ermessen, kann nicht sagen: Wir nehmen auf oder nicht auf. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen. Es sind keine Luxus-Standorte." Eine Anwohnerin widersprach: "In einigen Schulen sind die Toiletten so schlimm, dass sich Kinder ekeln."

Es ging zudem um die Sicherheit (ein Wachschutz ist hier wie auch in der Riesaer Straße rund um die Uhr im Einsatz), um Kosten, Sozialarbeit, Integration. Thomas Farken, Geschäftsführer des Soziokulturellen Zentrums Geyserhaus, dachte laut nach: "Wir könnten Kindern Musikangebote unterbreiten. Vielleicht entwickelt sich ja eine Gruppe." Die Studenten Max (21) und Milan (23) von der parteiunabhängigen Gruppe Prisma planen noch: "Wir wollen Nachbarschaftsarbeit machen." Sonja Brogiato, Sprecherin des Flüchtlingsrates, bot dem Kreis von etwa 100 Besuchern die Übernahme von Patenschaften an: "Sie bringen Normalität in das Leben von Menschen, die Schlimmes hinter sich haben, den Krieg in Syrien." In der ersten Dezemberwoche ziehen die ersten von 200 Personen ein. Ivonne Linke, unterwegs mit Eva (6) und Karl (bald 2): "Ich möchte, dass meine Kinder begreifen, dass es Menschen gibt, die flüchten müssen."

Etwas weniger Besucher schauten sich ab 13 Uhr in der Riesaer Straße 100 um: Ähnlich die Fragen, teils hitziger die Debatten. "Das Thema wird in Leipzig immer sehr differenziert betrachtet. Es gibt kritische Fragen, wir stellen aber immer mehr Unterstützungsbereitschaft fest", meinte Sozialbürgermeister Thomas Fa- bian (SPD). Im Gebäude werden in der zweiten Dezemberwoche zunächst 60 Personen erwartet, weitere ab Februar. Flüchtlingsunterkünfte bestehen bereits in der Torgauer, Lilienstein-, Riebeck-, Markranstädter, Pittler-, Eyth-, Georg-Schumann- und Georg-Schwarz-Straße. Im Jahr 2015 kommen Blücher-, Stöckel- und Bornaische Straße hinzu. "Wir unternehmen alles, um keine Zelte oder Container aufzustellen", so Fabian. Zur Johannisgasse laufen noch Verhandlungen, die Entscheidung fällt Anfang 2015.

Wer helfen möchte, kann sich an den Flüchtlingsrat Leipzig wenden: Tel. (0341) 961 38 72; E-Mail: fr@fluechtlingsrat-lpz.org

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.11.2014

Sabine Kreuz

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