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Leipzigs Uni war schon immer eine Protest-Hochschule

Leipzigs Uni war schon immer eine Protest-Hochschule

"Die Universität Leipzig ist eine Protesthochschule", sagt der Leiter des Universitätsarchivs, Jens Blecher, und verweist auf die Ursprünge der Alma mater Lipsiensis.

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Studenten-Protest gegen die Abwicklung von Studiengängen 1990.

Quelle: Uni-Archiv

Als König Wenzel IV. Anfang des 15. Jahrhunderts mit einem Dekret die Machtverhältnisse an der Karls-Universität in Prag zu Ungunsten der deutschen Nationen geändert hatte, zogen deutschsprachige Studenten und Lehrende in kleineren Grüppchen gen Leipzig. Dies war der Ausgangspunkt für die am 2. Dezember 1409 eröffnete Universität Leipzig. Für das erste Semester sind 369 Studierende verbrieft.

Der Auszug oder die Androhung eines Auszugs waren damals ein oft praktiziertes Druckmittel, um Forderungen an der Universität durchzusetzen. Letztmals wandten Studenten dieses Mittel 1860 an, als sie nach einem Streit mit der Kommunalgarde nach Wahren und Möckern marschierten.

Doch auch in anderen Jahrhunderten begehrten die Studenten gegen die Hochschulleitung auf. Als der Rektor der Uni Leipzig 1482 forderte, dass die für damalige Verhältnisse vermögenden Studenten im Alter von 15 bis 19 Jahren zur traditionellen mönchischen Tracht zurückkehren, kam es zu gewaltsamen Konflikten. Die jungen Burschen, die mit der Mode gehen wollten und es mittlerweile gewohnt waren, bunte Hosen oder Hüte mit Federbüschen zu tragen, begehrten dagegen auf. Vor dem Haus des Rektors kam es zu Tumulten, die in Schlägereien und Messerstechereien endeten. "Gehen Sie mal zu einem Fußballspiel von Lok Leipzig, dann können Sie sich vorstellen, wie die Stimmung damals in der Stadt war", sagt Archivar Blecher.

Lange hielten diese Tumulte nicht an; nach einer Nacht im Karzer - dem Gefängnis der Universität, die damals ihre eigene Gerichtsbarkeit besaß - oder einem Brief an die Eltern kehrte schnell wieder Ruhe ein.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit: Die größte Protestaktion fand in den Jahren 1990/1991 statt. Peer Pasternack, Gründungsmitglied des Studentenrates, der ersten demokratisch legitimierten Studierendenvertretung, erinnert sich genau: "Es gab massive soziale Verunsicherungen nach dem Ende der DDR: Mieten im Studentenwohnheim stiegen, die in der DDR verteilten Stipendien standen in Frage, und durch die Abwicklungen bestimmter Studiengänge hatten manche Studenten Angst, die letzte Zeit umsonst studiert zu haben."

Die ersten Proteste gab es im Mai 1990. Das Hauptgebäude am Augustusplatz, in dem das Rektorat saß, wurde blockiert, Lehrveranstaltungen durch Protestgruppen gestört. Etwa 500 der damals 13 000 Studenten demonstrierten in der Stadt. Zum Jahreswechsel 1990/91 folgte ein Hungerstreik. Pasternack arbeitet heute als Direktor des Institutes für Hochschulforschung in Wittenberg. Er hält fest: "Alle vier bis fünf Jahre finden seither an der Leipziger Universität Proteste statt. Diese konzentrieren sich aber mittlerweile eher auf Spezialprobleme."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2013

Timtschenko, Maria

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