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Leipzigs Volkssolidarität 2015 in Feierlaune - Wohlfahrtsorganisation existiert seit 70 Jahren

Leipzigs Volkssolidarität 2015 in Feierlaune - Wohlfahrtsorganisation existiert seit 70 Jahren

Leipzigs Volkssolidarität (VS) ist zum Feiern aufgelegt: 2015 besteht die Ost-Wohlfahrtsorganisation 70 Jahre. Viele öffentliche Veranstaltungen gibt es bis zum Festakt im Oktober, dem eigentlichen VS-Geburtsmonat.

Leipzig. Den Auftakt an der Pleiße macht die frühere Chefredakteurin der Zeitschrift "Das Magazin", Martina Rellin, mit einer Lesung aus ihrem Buch "Klar bin ich eine Ost-Frau!" am 26. Februar in der Stadtbibliothek.

Leipzig. Leipzigs Volkssolidarität (VS) ist zum Feiern aufgelegt: 2015 besteht die Ost-Wohlfahrtsorganisation 70 Jahre. Viele öffentliche Veranstaltungen gibt es bis zum Festakt im Oktober, dem eigentlichen VS-Geburtsmonat. Den Auftakt an der Pleiße macht die frühere Chefredakteurin der Zeitschrift "Das Magazin", Martina Rellin, mit einer Lesung aus ihrem Buch "Klar bin ich eine Ost-Frau!" am 26. Februar in der Stadtbibliothek.

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"Genau genommen ist es für uns ein Doppelgeburtstag", sagt Leipzigs VS-Vorsitzender Olaf Wenzel. Denn der Stadtverband selbst blickt 2015 auch auf 25 Jahre Bestehen seit seiner Neugründung am 5. April 1990 zurück. Zumindest als Verein. Zu DDR-Zeiten allerorts präsent - vor allem in der Altenbetreuung - musste man sich nach der politischen Wende neben weiteren, sich etablierenden Sozialverbänden neu profilieren.

Leicht war's nicht. Eine gewisse "Organisationsmüdigkeit" fiel nach 1990 auch auf die VS zurück. "Als die DDR noch existierte, waren 16 000 Leipziger bei uns Mitglied, heute sind es noch 4000", sagt Wenzel. Was ihn und seine Mitstreiter allerdings trotzdem freut: "Fast 50 Prozent sind unter 40 Jahre alt - um den Nachwuchs ist uns daher nicht bange." 14 Kindertagesstätten betreibt die VS aktuell in der Stadt. Viele der jungen Eltern hätten sich inzwischen für das Anliegen der VS (Motto "Miteinander - Füreinander") erwärmen können und unterstützten den Verband letztlich durch ihren Beitritt, erklärt Wenzel.

"Täglich betreuen wir heute rund 2220 Kita-Kinder. Wir betreiben das Kinderheim Tabaluga sowie ein Pflegeheim und in Bälde auch noch ein zweites. Wir unterhalten eine Sozialstation, eine weitere ist im Bau. In vier Seniorenbüros nebst Seniorenbegegnungsstätte wird professionell Hilfe angeboten", sagt Wenzel und ist mit der Aufzählung längst nicht am Ende: "Sechs Wohnanlagen für Senioren haben wir überdies unter unseren Fittichen, bieten nach wie vor ,Essen auf Rädern' an und leisten so einiges für unsere Leipziger im Hauswirtschaftsbereich, in der Pflege, in der Betreuung Demenzerkrankter und ihrer Angehörigen." Wenzels Fazit: "Eigentlich sind wir ein ganz schön großer Arbeitgeber in der Stadt. Das alles wird immerhin mit gut 700 Mitarbeitern und einigen Freiwilligendienstlern gestemmt."

Jenseits davon gestemmt wird heutzutage bei Leipzigs VS aber auch sehr viel ehrenamtlich. Etwa in den 70 Ortsgruppen, die stadtweit - bis auf den Leipziger Südosten - mit viel Ideen, Liebe und Mühe nicht zuletzt "gegen die Einsamkeit im Alter" ankämpfen. Mit Veranstaltungen. Mit Kaffee- und Hobbynachmittagen, sozialen Beratungsangeboten und auch etwas Alltagshilfe. "Es gibt Gruppen mit 20 Leuten und welche mit 200", sagt Wenzel. "Aber gleich wie - für all die zumeist betagten Leute dort ist das Teilnehmen am gesellschaftlichen Leben enorm wichtig." Es schmerze, sagt er, dass gerade in dem Bereich in den zurückliegenden Jahren Abstriche gemacht werden mussten. Den 70 Ortsgruppen stünden heute nur noch die vier Seniorenbüros sowie eine Seniorenbegegnungsstätte als Anlaufstellen zur Verfügung. Von ehemals 17 solch offener Einrichtungen! "Wir konnten die Kosten einfach nicht mehr aufbringen", so der VS-Chef. "Wir versuchen schon noch, soviel wie möglich an Angeboten aufrechtzuerhalten. Zumal sich in den Seniorenbüros und der Begegnungsstätte auch viele andere soziale Initiativen oder Selbsthilfegruppen treffen, die einfach Raum benötigen. Die Örtlichkeiten werden über Fördermittel der Stadt, Spenden und in der Einrichtung jeweils selbst erwirtschaftete Mittel finanziert. Und, wie erwähnt, mit viel Ehrenamt betrieben. Ich denke aber, allein mit letzterem ist es nicht mehr getan. Eine höhere öffentliche, finanzielle Unterstützung wäre mehr als nötig, da die auflaufenden Personal- und Sachkosten - auch bei der Erbringung eines Eigenanteils - nicht gedeckt werden", meint Wenzel.

Für die Zukunft wünscht sich Leipzigs VS-Spitze in ihrem Jubiläumsjahr vor allem eines: noch mehr Mitglieder. "Um den Verband zu stabilisieren", wie Wenzel sagt. Inhaltlich wolle man sich verstärkt der Flüchtlingsarbeit öffnen. "1946, unmittelbar nach der Gründung der Volkssolidarität, war Deutschland auch voll von Flüchtlingen und es zählte damals zu den allerersten Aufgaben unseres Verbandes, sich um diese zu kümmern. Eine Aufgabe, vor der wir aktuell ja auch gerade wieder stehen", gibt der VS-Chef zu bedenken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.02.2015

Angelika Raulien

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