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Leipzigs Wasserwerke planen Investitionsoffensive

Trinkwasserpreis bleibt stabil Leipzigs Wasserwerke planen Investitionsoffensive

Seit der Wende haben Leipzigs Wasserwerke enorme Summen investiert. Jetzt soll noch einmal richtig geklotzt werden. Welche Auswirkungen hat das auf die Trink- und Abwasserpreise?

Die KWL-Zentrale in der Leipziger Johannisgasse 7/9.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzigs Wasserwerke setzen zu einem großen Sprung an: Sie wollen ihre Systeme fit für 720 000 Leipziger machen. Die LVZ sprach darüber mit dem technischen Geschäftsführer Ulrich Meyer und seinem kaufmännischen Kollegen Michael Theis.

Frage: Es heißt, Sie planen Großes: Das Klärwerk Rosental soll deutlich leistungsfähiger werden, Ihre hundert Jahre alten Wasserleitungen sollen bald alle erneuert sein und die Stabilität der Versorgung deutlich besser werden. Sind Sie auf eine Goldader gestoßen, dass sie sich so viel leisten können?

Ulrich Meyer: Ver- und Entsorgungsstabilität ist für uns nicht neu, sondern seit jeher eine wesentliche Komponente in unserer Arbeit. Um dies auch künftig zu sichern, haben wir in den vergangenen Jahren langfristige Konzepte erarbeitet, die jetzt alle in unsere Investitionsplanung einfließen. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit etwa 35 Millionen Euro im Jahr investiert, das steigern wir jetzt auf 65 bis 70 Millionen Euro. Da fließen einige von den Themen rein, die Sie angesprochen haben.

Wie wollen Sie das bezahlen?

Michael Theis: Solche Projekte werden langfristig finanziert. Wir haben Einnahmen von unseren Kunden, Abschreibungen auf unsere Anlagen und Kredite von unseren Gesellschaftern. Und wir verbessern uns bei internen Prozessen immer weiter und sparen so Betriebskosten ein.

Ulrich Meyer: Seit der Wende ist viel passiert: Der Schwerpunkt lag zunächst in der Erweiterung unserer Anlagen und Netze. In den nächsten Jahren geht es darum, den noch bestehenden Bedarf bei der Netzsanierung abzuarbeiten. Und Leipzigs rasantes Bevölkerungswachstum macht ebenfalls erhebliche Investitionen erforderlich.

Michael Theis: Ende 2016 hatten wir eine Netto-Finanzverschuldung von 175 Millionen Euro. Bei einer Milliarde Euro Bilanzsumme entspricht das einer Netto-Verschuldung von 17,5 Prozent. Das ist relativ moderat. Denn mit unseren Anlagen haben wir einen goldenen Schatz im Boden liegen, er erheblich mehr wert ist. Das ist unsere Goldader.

Wie hoch wird denn die Verschuldung steigen?

Michael Theis: Wenn wir uns die nächsten fünf Jahre ansehen, könnten wir aufgrund der anstehenden notwendigen Investitionen bis zu 400 Millionen Euro Netto-Finanzschulden erreichen. Natürlich müssen unsere zuständigen Gremien immer erst den jeweiligen Investitionsvorschlägen zustimmen.

Wie hoch wollen Sie die Wasser- und Abwasserpreise anheben, um diese Kredite wieder abzuzahlen?

Michael Theis: Wir werden im Trinkwasserbereich unsere Preisstabilität fortsetzen. Dort halten wir ja seit 2012 die Preise konstant. Im Abwasserbereich wird es dagegen sanft nach oben gehen, weil wir dort die meisten Investitionen tätigen. Unter dem Strich kann der durchschnittliche Leipziger unsere Leistungen für noch nicht einmal 65 Cent am Tag nutzen. Das entspricht dem Preis von zwei Brötchen.

Was haben Sie im Klärwerk Rosental vor?

Ulrich Meyer: Die Anlage ist aktuell komplett ausgelastet. Mit unserem gestaffelten Ausbau wollen wir sicherstellen, dass die Abwässer von 720 000 Einwohnern, die für Leipzig im Jahr 2030 prognostiziert sind, behandelt werden können. In einem ersten Schritt erweitern wir unsere biologische Behandlungskapazität um 30 Prozent. Mit einer zweiten großen Investition errichten wir eine neue mechanische Reinigungsstufe mit ebenfalls größerer Kapazität. Je nach Bevölkerungsentwicklung haben wir dann die Möglichkeit, noch einmal 30 000 Kubikmeter biologisches Behandlungsvolumen zu schaffen.

Wann soll das Bauen im Rosental losgehen?

Ulrich Meyer: Im Moment laufen sehr aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfungen. Konkret prüfen wir alle mit der Baumaßnahme verbundenen Schutzgüter. Flora, Fauna, Schall, Licht, Klima, Optik – um nur ein paar zu nennen. Auch die Gewässer werden dabei betrachtet. Wir haben beispielsweise eine Gewässermodellierung bis nach Sachsen-Anhalt hinein erstellt, um die Auswirkungen unserer Ausbaukonzepte aufzuzeigen. Diese Vorbereitungen werden uns noch bis Mitte 2018 in Anspruch nehmen.

Warum halten Sie an Ihrem alten Klärwerksstandort im Rosental fest? Er liegt doch mitten im Auwald, der ökologisch höchst sensibel ist?

Ulrich Meyer: Wir haben natürlich Alternativen untersucht und festgestellt, dass es keine andere wirtschaftlich sinnvolle und machbare Lösung gibt. Unser gesamtes Netz ist historisch auf diesen Standort zugeschnitten. Wenn wir auf innovative Lösungen setzen, können wir unser Ausbaukonzept dort auf den vorhandenen Flächen umweltverträglich umsetzen.

Die Stadt wächst schon seit einigen Jahren. Merken Sie das bei Ihrem Wasserabsatz und den Abwassermengen?

Michael Theis: Sehr deutlich. Weil immer mehr Menschen nach Leipzig kommen, werden unsere Systeme besser ausgelastet. Das hilft uns, die Preise stabil zu halten. Wir haben ja 80 Prozent fixe Kosten und nur 20 Prozenten variable. Unsere insgesamt abgesetzte Trinkwassermenge ist in den vergangenen drei Jahren von 33 Millionen Kubikmeter auf aktuell über 35 Millionen Kubikmeter in die Höhe gegangen. Im Übrigen nutzt auch der einzelne Leipziger wieder mehr Wasser. Waren das im Jahr 2011 noch 86 Liter pro Kopf und Tag, so sind es jetzt 92 Liter.

Wie viel Geld wollen Sie in die Sanierung Ihres Abwassernetzes investieren?

Ulrich Meyer: Allein für das Abwassernetz planen wir 31 Millionen Euro ein, was fast die Hälfte unserer geplanten Gesamtinvestition in diesem Jahr ausmacht. Ein wichtiges Projekt ist dabei unser Kanalsanierungsprogramm, für das wir rund 18 Millionen Euro jährlich vorsehen – und zwar für die nächsten zehn bis 15 Jahre.

Und im Trinkwassernetz?

Ulrich Meyer: Dort haben wir in diesem Jahr 15,5 Millionen Euro geplant.

Unter der Bundesstraße 2 haben Sie dicht am Schleußiger Weg eine bemannte Bohrmaschine eingesetzt. Um dieses spektakuläre Bauvorhaben ist es ziemlich still geworden. Wie läuft es dort?

Ulrich Meyer: Zwei der drei dort geplanten Bauetappen sind fertig – der Stauraumkanal und die Sanierung der Düker. Wir arbeiten aktuell am neuen Entlastungsbauwerk. Wegen der jüngsten Starkregen werden wir die Maßnahme voraussichtlich nicht bis Ende des Jahres schaffen, sondern ins neue Jahr rutschen.

Leipzig hat kurz nach der Wende Anteile des Unternehmens Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz gekauft und sich damit den Zugriff auf wichtige Trinkwasserreserven gesichert. Bislang haben Sie diese kaum gebraucht – oder?

Michael Theis: Wir beziehen aktuell etwa 25 Prozent unseres Trinkwassers aus den Elbauen. Das ist nicht wenig und die Bedeutung der Fernwasserversorgung wird eher zunehmen, wenn Leipzig weiter wächst. Für uns ist es aus Gesichtspunkten der Versorgungssicherheit zudem wichtig, dass wir neben unseren eigenen beiden Wasserwerksstandorten in Naunhof und Canitz/Thallwitz auf ein drittes unabhängiges Wasserdargebot zurückgreifen können.

Dann zahlt sich der umstrittene Kauf der Fernwasser-Ostharz GmbH in den 90er Jahren ja doch noch aus. Es hieß jahrelang, dass diese Investition falsch war.

Michael Theis: Heute zeigt sich, dass der Kauf eine weise Entscheidung war. Ähnlich wie die Entscheidung unserer Vorfahren, vor 120 Jahren unsere Wasser- und Abwassernetze zu errichten. Was sie damals aufgebaut haben, davon zehren wir noch heute.

Um Leipzig zieht sich ein Ring aus Wasserleitungen, der erst zu 80 Prozent geschlossen ist. Wenn er komplett wäre, wäre die Versorgung stabiler – oder?

Ulrich Meyer: Im Südwesten fehlt ein fünf bis sechs Kilometer langes Teilstück, das in den nächsten zehn Jahren entstehen soll. Dadurch erhöhen wir unsere Krisenfestigkeit, weil wir Fernwasser und auch Eigenwasser aus allen Richtungen in die Stadt einspeisen können. Auch Reparatur- und Sanierungsarbeiten werden am geschlossenen Ring technisch einfacher.

Mit welchen Trink- und Abwassermengen rechnen Sie im Jahr 2030, wenn Leipzig über 720 000 Einwohner hat?

Michael Theis: Wir stellen heute rund 35 Millionen Kubikmeter Trinkwasser jährlich in unserem Geschäftsgebiet bereit. Das kann gemessen an der Bevölkerungsvorschau für die Stadt Leipzig und den zu versorgenden Einwohnern aus den angrenzenden Gemeinden durchaus in Richtung der 40 Millionen gehen. Beim Abwasser ist die Entwicklung ähnlich.

Interview: Andreas Tappert

Von Andreas Tappert

Leipzig, Johannisgasse 7/9 51.3376 12.3836
Leipzig, Johannisgasse 7/9
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