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Lokales Leipzigs Wirtschaft will mehr Straßen
Leipzig Lokales Leipzigs Wirtschaft will mehr Straßen
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22:00 22.03.2017
In Leipzig brummt die Wirtschaft und der Wirtschaftsverkehr wird im Stadtgebiet immer stärker. Nicht nur Ladengeschäfte – wie hier in der Grimmaischen Straße – müssen beliefert werden, sondern auch unzählige Büros und Gewerbegebiete. Immer mehr Unternehmen fordern deshalb ein leistungsfähigeres Straßennetz. Quelle: Foto: LVZ-Archiv/Wolfgang Zeyen
Leipzig

Leipzigs Straßennetz muss zwingend ausgebaut werden, wenn das Bevölkerungswachstum weiter anhält. Zu diesem Fazit kommt eine Untersuchung der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK), die die Entwicklung des Wirtschaftsverkehrs beleuchtet. Damit widerspricht die Studie dem Leipziger Verkehrskonzept, das keine größeren Straßenneubauten vorsieht und die wachsenden Verkehrsströme vor allem mit dem öffentlichen Nahverkehr abwickeln will.

Mit dem Papier reagiert die Wirtschaft auf den umstrittenen Stadtentwicklungsplan Verkehr (Step), der 2015 vom Stadtrat verabschiedet wurde. Damals hatten IHK und Handwerksammer die verarbeiteten Verkehrsdaten angezweifelt, die teilweise aus dem Jahr 2008 stammten und die rasante Bevölkerungsentwicklung kaum abbildeten. Auch die Pendlerströme und die Güter-Verkehrsströme waren nach Ansicht der Kammern nur unzureichend berücksichtigt.

Deshalb haben sie im Juni 2016 an Leipzigs Haupteinfallstraßen eine groß angelegte viertägige Befragung von Autofahrern durchführen lassen, bei der 20 547 Fahrzeuglenker interviewt wurden. Parallel liefen Befragungen in 775 Leipziger Unternehmen. Die Ergebnisse: Der reine Wirtschaftsverkehr macht mit 31 Prozent knapp ein Drittel des Leipziger Autoverkehrs aus, weitere 28 Prozent des Kfz-Verkehrsaufkommens besteht aus Berufspendlern. „Damit haben knapp 60 Prozent aller Kfz-Fahrten im Stadtgebiet einen wirtschaftlichen Hintergrund“, sagt IHK-Präsident Kristian Kirpal. „Das stützt unsere Forderung, dass der Wirtschaftsverkehr im Verkehrskonzept der Stadt deutlich stärker gewichtet werden muss.“

In der Unternehmensbefragung wurde auch die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes kritisiert. 15 Prozent der Befragten geben an, „sehr große“ Probleme zu haben, weil die Leistungsfähigkeit zu gering sei. 42 Prozent stufen dieses Problem als „groß“ ein. „Das sind insgesamt
57 Prozent der Unternehmen“, betont Kirpal. Beim Be- und Entladen ist es ähnlich. 15 Prozent der Befragten meinen, dass die dabei im Leipziger Straßenraum auftretenden Probleme „sehr groß“ seien,
32 Prozent nennen sie „groß“ – in der Summe 47 Prozent.

In der Kategorie „Konflikte mit anderen Verkehrsarten“ gaben neun Prozent „sehr große“ Probleme an, 26 sprachen von „großen Problemen“ – mehr als jeder Dritte. Auch die Ausbaubreite der Straßen wird bemängelt. 12 Prozent stufen zu schmale Straße als „sehr großes“ Problem ein, 28 Prozent als „großes“ – deutlich mehr als jeder dritte Befragte.

Die von den Planern erstellten Entwicklungsszenarien für Leipzig prophezeien noch größere Diskrepanzen: Wenn die Einwohnerzahl im Jahr 2030 auf 722 000 anwächst, werde es in Leipzig rund 405 000 Arbeitsplätze geben, rechnen die Experten vor. Das seien rund 81 900 mehr als im Jahr 2014. „Das Einwohnerwachstum und das Arbeitsplatzwachstum werden sich aber in der Stadt unterschiedlich verteilen“, so IHK-Abteilungsleiter Gert Ziener. Während sich die Neu-Leipziger privat verstärkt in den zentralen Stadtbereichen ansiedeln, würden die meisten Arbeitsplätze in der Peripherie im Norden und Süden der Stadt entstehen, weil arbeitsplatzintensive Industrieansiedlungen in der Regel in Autobahnnähe stattfinden. „Dieser Gegensatz wir noch mehr Wirtschaftsverkehr erzeugen, insbesondere Berufsverkehr“, so Ziener.

Bei der aktuellen Aufteilung der Verkehrsarten würde der Pkw-Verkehr bis 2030 um 34 Prozent steigen, der Laster-Verkehr um 32 Prozent. Wenn künftig zehn Prozent der Leipziger mehr in Bus und Bahn einsteigen, würden die Anstiege immer noch 12 beziehungsweise 32 Prozent betragen, heißt es. Der Laster-Verkehr lasse sich nun mal nicht in Straßenbahnen und S-Bahnen verlagern. „Dadurch werden die Verkehrsmengen im Hauptstraßennetz deutlich zunehmen und das innerstädtische Netz wird völlig überlastet, wenn Leipzig sein Straßennetz nicht ausbaut“, warnt Kirpal. Daran könnten auch Zwangsmaßnahmen wie eine City-Maut oder autofreie Tage nichts ändern, die die Wirtschaft ablehnt. „Die Notwendigkeit zum Ausbau des Straßennetzes ergibt sich auch unabhängig von der Verkehrsaufteilung“, betont der Präsident.

Von Andreas Tappert

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