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Lokales Leipzigs „autoarme Innenstadt“ soll wachsen
Leipzig Lokales Leipzigs „autoarme Innenstadt“ soll wachsen
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07:00 09.07.2017
Der Wind der Veränderung weht immer stärker – im Neuen Rathaus wird über neue Verkehrskonzepte für die erweiterte Innenstadt nachgedacht. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Als internationale Verkehrsexperten im vergangenen Herbst vorschlugen, den Autoverkehr auf dem Leipziger Innenstadtring zu reduzieren, war der Aufschrei groß. Denn der Promenadenring schien für Leipzigs Verkehrsnetz unverzichtbar. Doch spätestens seit der Diskussion um die Neugestaltung des Hauptbahnhofsvorplatzes ist klar: Der Verkehrsraum reicht nicht mehr für alle Verkehrsarten – Leipzig muss völlig neu über die Verkehrsbeziehungen in der City und den angrenzenden Stadtgebieten nachdenken.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit haben Leipzigs Verkehrsplaner jetzt begonnen, diese Diskussion in professionelle Bahnen zu lenken. Verkehrsamtsleiter Michael Jana hat im vergangenen Monat alle Ratsfraktionen angeschrieben und sie informiert, dass im nächsten Jahr die Diskussion über „ein neues Verkehrskonzept für die erweiterte Innenstadt“ starten wird. Dabei werde geprüft, „inwieweit das für den Bereich innerhalb des Promenadenrings geltende und bewährte Verkehrskonzept ,Autoarme Innenstadt’ größer gedacht werden muss“. Im Klartext: Die Stadtverwaltung erwägt, größere Teile der an die City grenzenden Stadtgebiete ebenfalls autoarm zu gestalten. Der Grund: Wenn es gelänge, diese Gebiete – und natürlich auch den Promenadenring – deutlich von Autoverkehr zu befreien, würde die City erheblich besser mit den Gebieten außerhalb des Promenadenrings verbunden werden können. Das käme einer Vergrößerung der Leipzig City gleich und würde enorme Potenziale für die Stadtentwicklung freisetzen. Denn dass eine Stadt wie Leipzig im Jahr 2030 mit mehr als 700 000 Einwohnern eine deutlich größere City benötigt, ist unter Stadtplanern unstrittig.

In welchen Etappen dieser Erweiterungsprozess am besten ablaufen sollte, will die Stadtverwaltung jetzt ab dem nächsten Jahr auch mit öffentlichen Diskussionen ausloten. Damit dies professionell gelingt, sollen zwei neue Gremien geschaffen werden, die die notwendige Modifizierung des Leipziger Verkehrskonzeptes begleiten. Vorgesehen ist die Bildung eines Projektbeirats, der für einen Zeitraum von drei Jahren einberufen werden soll. In ihm sollen neben Stadtpolitikern auch Verbände und Vereine Platz und Stimme bekommen. Die erste Sitzung des Projektbeirates wurde bereits für den 25. Oktober anberaumt.

Neben diesem halbjährlich tagenden Projektbeirat will die Stadt zur Unterstützung des Meinungsfindungsprozesses auch jährlich einen wissenschaftlichen Beirat einberufen. Dessen Auftakttreffen soll ebenfalls im Oktober stattfinden.

Wie berichtet, wächst der Handlungsdruck auch durch mehrere große Bauvorhaben an den Rändern der City. Sie wird dadurch nach Norden über den Ring mindestens bis zu den Brachen an der Westseite des Hauptbahnhofes wachsen, wo ein neues Wohngebiet entsteht. Im Süden ist die Ausdehnung ins neue Markhallenviertel auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz absehbar und nach Westen in die Gottschedstraße – all das funktioniert aber nur, wenn die Fahrspuren des Innenstadtrings durchlässiger werden. „Die Reduzierung des Autoverkehrs auf dem Ring ist ein Thema für die Zukunft“, erklärte Jana erst unlängst und betonte: „Aber das kann nicht ohne Betrachtung des gesamten Verkehrsnetzes geschehen.“

Der Amtsleiter denkt dabei vor allem an Leipzigs Tangentenviereck. Er will es leistungsfähiger machen, damit der Autoverkehr vom Promenadenring dorthin ausweichen kann. In einem ersten Schritt soll unter anderem die Kreuzung Wundt-/Kurt-Eisner-Straße/Schleußiger Weg ausgebaut werden – sodass dort alle Straßenbeziehungen möglich werden.

Auch die Notwendigkeit, den LVB-Haltestellenkomplex vor dem Hauptbahnhof auszubauen, erfordert ein völlig neues Herangehen, das den Promenadenring von Verkehr entlastet. „Während der Fußball-WM 2006 und Leipzigs Olympiabewerbung war ja schon einmal angedacht, durch die Untertunnelung der Gerberstraße im Zuge der Berliner Straße/Parthenstraße den Bereich vor dem Hauptbahnhof zu entlasten“, hat der Amtsleiter in die Diskussion geworfen. Damals sollten die Autoströme vom Hauptbahnhofsvorplatz auf die Gerberstraße und von dort über die Berliner, Rackwitzer sowie Brandenburger Straße wieder auf den Georgiring geleitet werden. Dann könnte der von Autos frei werdende Platz vor dem Hauptbahnhof für die Erweiterung des dortigen LVB-Haltestellenkomplexes genutzt werden.

Von Andreas Tappert

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