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Lokales Leipzigs erstes autoarmes Neubauviertel
Leipzig Lokales Leipzigs erstes autoarmes Neubauviertel
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00:19 02.06.2017
Hier entsteht Leipzigs erstes autoarmes Neu- bauviertel (rot unterlegt). Quelle: Grafik: Patrick Moyé
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Leipzig


Richtwerte, wie viele Parkplätze ein Bauherr vorhalten muss, gibt die sächsische Bauordnung vor. Sie ermöglicht aber auch Abweichungen nach unten. Genau davon machen Stadt und Investor aus verkehrs- und umweltpolitischen Gründen Gebrauch. Statt ein bis zwei Stellflächen pro Wohnung braucht der Bauherr nur 0,7 Plätze zu schaffen. Statt mit fünf wird nur mit zwei Parkplätzen für zehn Studenten geplant. Für 4500 Quadratmeter Büro- und Praxisfläche sieht das Konzept lediglich 26 Stellplätze vor, normal wäre das Fünffache. Und auch für die beiden neuen Hotels mit zusammen 470 Betten sind mit 39 Stellflächen nur halb so viele wie sonst üblich vorgesehen.

„Die Stellplatzreduzierung ergibt sich nicht nur auf Grund des öffentlichen Nahverkehrs, sondern auch unter Berücksichtigung eines detailliert ausgearbeiteten Mobilitätskonzeptes mit Angeboten zu Carsharing“, begründete Michael Straub die niedrigen Stellplatzzahlen gegenüber dem Stadtrat, der jüngst dem Vorhaben seine Zustimmung gab. Er verwies aber auf das direkt neben dem Viertel entstehende Busterminal mit großem Parkhaus, „sodass später ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen“. In den Tiefgaragen sind zudem acht Stellplätze für Carsharing-Fahrzeuge vorgesehen. Diese, so heißt es im Mobilitätskonzept zum Bauprojekt, könnten 64 private Pkw ersetzen.

Kritik an dem Vorhaben kam vor allem von der CDU. Unter der Stellplatzreduzierung, kritisierte deren Stadtrat Ansbert Maciejewski, würde „die Lebens- und Aufenthaltsqualität im ganzen Quartier leiden“. Schon heute sei die Parkraumsituation im Umfeld des Neubauviertels angespannt, sagte er mit Verweis auf die Hofmeisterstraße. Bestehende Probleme würden weiter verschärft. Maciejewski: „Leidtragende sind die Bewohner und Anlieger im Umfeld. Diese bezahlen letztlich den Preis für die grüne Träumerei vom autoarmen Quartier.“ Denn eine Verpflichtung zum Verzicht auf ein eigenes Auto könne weder den künftigen Bewohnern noch den dort arbeitenden Menschen abverlangt werden.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Jochem Lunebach, teilt die dramatische Prognose jedoch nicht. „Je nach Quartier gibt es unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse“, sagte Lunebach. Soll heißen: In der Innenstadt bewegen sich die Menschen eben anders fort als am Stadtrand – Grund dafür sind die Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, zu Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) denkt, dass weniger Stellplätze auch zu günstigen Mieten führen. „Der Investor würde doch die Kosten für eine erhöhte Stellplatzzahl in einem zweiten Tiefgaragengeschoss auf die Mieten umlegen“, erklärte er. Deshalb sei die Entscheidung der Stadt, nur die minimalste Stellplatzzahl zu fordern, auch ein „Versuch, die Mietpreisentwicklung an der Stelle zu begrenzen“. Ob sich diese Hoffnung ausgerechnet in einer so zentralen Lage verwirklicht, bleibt abzuwarten.

Von Klaus Staeubert

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