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Lokales Leipzigs Oberster Denkmalschützer geht in Rente
Leipzig Lokales Leipzigs Oberster Denkmalschützer geht in Rente
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00:17 13.02.2018
Norbert Baron leitete viele Jahre den Bereich Denkmalpflege im Leipziger Rathaus. In seiner Zeit wurde der größte, zusammenhängende Gürtel von Historismus-Bauten in Deutschland fast vollständig saniert. Auch das Capa-Haus (im Hintergrund), zu dessen Rettung er sogar einer Bürgerinitiative beigetreten war.   Quelle: André Kempner
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Beim Saal der erst jüngst geretteten Kongreßhalle plädierte er anfangs dafür, ihn in einer Fassung aus den frühen DDR-Jahren zu sanieren. Dann wären die historischen Giraffen und Palmen aus der Jugendstil-Zeit eher nicht zurückgekehrt. Doch „Herr Dr. Baron“, wie er stets hochachtungsvoll selbst von Leuten genannt wurde, die sich sonst wenig um akademische Titel kümmern, trat nie eitel oder besserwisserisch auf. Er ließ sich umstimmen, wenn es bessere Argumente gab.

Mit Oskar Lafontaine studiert

Wenn nicht, konnte der 65-Jährige, der vor Kurzem ganz leise in den Ruhestand gewechselt ist, im Dienste der Sache stur sein. Vor allem in der schwierigen Zeit um die Jahrtausendwende, als Leipzigs Einwohnerzahl extrem schrumpfte, konnte er damit zahllose denkmalgeschützte Bauten vor dem Abriss bewahren. Nicht überliefert ist, ob er das Kämpferische von einem Kommilitonen aus Studienzeiten übernommen hat. In seiner ersten Heimatstadt Saarbrücken debattierte der angehende Kunsthistoriker Baron in den Studentenkneipen gern mit einem gewissen Oskar Lafontaine, welcher sich gerade zum Diplom-Physiker ausbilden ließ.

Schätze hinter ruinierten Fassaden

Nach der Grenzöffnung war der Denkmalpfleger so von Leipzig fasziniert, dass er 1995 aus Münster ins hiesige Rathaus wechselte. „Noch an den ruinierten Fassaden sah man überall, dass Leipzig einst zu den vier reichsten Städten Deutschlands gehörte. So viel Architekturgeschichte in dieser Dichte ist sehr selten.“

1999 übernahm er die Leitung des zunächst noch selbstständigen Amtes und späteren Bereichs für Denkmalpflege. Ob ein kleines, vorgründerzeitliches Wohnhaus im Peterssteinweg, das Feinkost-Areal samt Löffelfamilie, das Glashaus im Clara-Zetkin-Park, Historismus-Gebäude, Villen, Ex-Fabriken oder das 1965 eröffnete „Möbelhaus modern“ – endlos ist die Liste der Objekte, an deren Erhalt der Fachmann fortan beteiligt war. Besonders stolz sei er auf drei Fälle, weil sie anfangs aussichtslos erschienen: ein altes Kaufhaus-Ensemble in der Eisenbahnstraße 39-43, das „Gastmahl des Meeres“ in der Pfaffendorfer Straße und natürlich das Capa-Haus in Lindenau. Die Ehre will Baron freilich nie für sich allein beanspruchen. Bei 15 000 Baudenkmalen in Leipzig habe es immer Verbündete gebraucht – nicht zuletzt die Investoren. Der Schlüssel zum Erfolg sei, eine moderne Nutzung für die historische Substanz zu finden. Im Zoo, den Baron ebenfalls betreute, sei das zum Beispiel mit dem Drachen-Kinderspielplatz in der Bärenburg gut gelungen.

Mehr Zeit für die Frau

Wenn Baron Gäste durch seine neue Heimat führt, zeigt er zuerst die City mit ihrem „einzigartigen Passagen-System“ und auch zwei Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert, die „wie durch ein Wunder“ im Barfußgässchen und im Garten des Bach-Hotels am Thomaskirchhof stehen blieben. In Zukunft hofft er, mehr Zeit für seine Frau – die als Professorin in Berlin tätig ist – und für ein nicht alltägliches Hobby zu haben: Er baut Modellflugzeuge, am liebsten größere Segelflieger.

Von Jens Rometsch

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