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Lokales Lene-Voigt-Gesellschaft will jünger werden und Heimstatt für das Sächsische sein
Leipzig Lokales Lene-Voigt-Gesellschaft will jünger werden und Heimstatt für das Sächsische sein
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00:17 29.10.2016
Judith Bürkle und Klaus Petermann von der Lene-Voigt-Gesellschaft unterhielten das Publikum mit ihren Vorträgen. Quelle: Foto: Dirk Knofe,
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Leipzig

„Solange mir Leibzcher nich schtärm aus, wärd unsre Mundart bleim!“ Das mag so sein, wie es die unverwüstliche Leipziger Mundart-Dichterin Lene Voigt beschrieben hat. Die Frage ist nur: Bleibt das Sächsische allein im Volksmund auf der Straße erhalten – oder behält es auch eine feste Heimstatt, in der es gepflegt wird?

Darum bemüht sich die Lene-Voigt-Gesellschaft, die vor 21 Jahren gegründet wurde. In den ersten 20 Jahren konnten die Aktivisten viele Details zu Lene Voigts Leben erforschen, bislang unbekannte Texte aufspüren und viele Bücher und Broschüren veröffentlichen. Nun, da die Forschungsarbeit abgeschlossen ist – und viele Mitglieder zudem im höheren Lebensalter angekommen sind – geht es um eine Neuausrichtung hin zur Mundart-Pflege.

Unterhaltungskünstler Klaus Petermann (54) übernahm im vergangenen Jahr den Vorsitz der Gesellschaft und versucht seither, neue und jüngere Mitstreiter zu gewinnen. Der traditionelle Vorlesewettbewerb um die ,Gaffeeganne“, an dem sich oftmals die gleichen Leute beteiligten, wurde 2016 erst einmal ausgesetzt und durch eine neue Vortragsform, die „Sächsische Lesebühne“ ersetzt. „Wir haben fünf Lesebühnen in verschiedenen Stadtteilen veranstaltet und sind damit näher zu den Leuten hingegangen“, so Petermann.

Das Finale fand am Dienstagabend im Kabarett Sanftwut statt, mit zehn Vorträgen, aber ohne Wettbewerb. Vom Lene-Voigt-Gedicht über selbst verfasste Texte bis zur sächsischen Büttenrede wurden alle Beiträge heiter, unterhaltsam und mit Leidenschaft dargeboten. Am Ende wurde sogar gemeinsam „De Säk´sche Lorelei“ gesungen, und das nahezu von allen auswendig. Doch es zeigte sich auch, dass die Verjüngungskur noch nicht gegriffen hat – die Jüngste auf der Bühne war Mitte 40, die Mehrzahl bereits im Rentenalter. „Uns geht es wie anderen Vereinen auch, der Nachwuchs fehlt“, sagt Petermann. Bei Facebook gebe es viele Leute, die sich mit dem Sächsischen befassen. Die Frage sei, wie man an sie herankommt und sich als Anlaufstelle bekannt macht.

Weiterführen will die Lene-Voigt-Gesellschaft 2017 auf jeden Fall den Nachwuchswettbewerb um das „Gaggaudebbchen“, der im Mai wieder stattfindet. Die Sächsische Lesebühne soll ebenfalls weitergehen, um neuen Talenten die Möglichkeit zu geben, sich auf der Bühne auszuprobieren. Das Finale im kommenden Oktober soll dann auch wieder mit einer Art „Gaffeeganne“ verbunden werden.

Zu denen, die am Dienstagabend mit eigenen Texten auf der Bühne glänzten, gehörte Judith Bürkle. Die 45-Jährige arbeitet in der Verwaltung eines Pflegedienstes, ist gebürtige Leipzigerin, „muss den ganzen Tag quatschen, auch am Telefon“, und hat Spaß daran, in ihrer Freizeit auf der Bühne oder vor der Familie etwas vorzutragen. Ihre eigenen Texte schreibt sie überwiegend auf Hochdeutsch, überträgt sie später ins Sächsische: „Die Wortspielerei macht mir wahnsinnig Spaß.“

Rüdiger Tauer vom Grünauer Garnevals Glub forderte die rund 60 Zuschauer mit seiner Büttenrede immer wieder zum Antworten heraus. Er zog über die Sachsen, Berliner und Bayern her, genauso wie über Trabi, Mercedes und den Karneval an sich. Der ehemalige Journalistik-Professor Karl-Heinz Röhr (81) hatte einen zweiseitigen Text zu aktuellen Themen auf Sächsisch verfasst. Er handelt davon, dass der liebe Gott die Sachsen zusammenstaucht, weil sie abweisend gegenüber Flüchtlingen sind oder den falschen Parteien hinterher laufen. Röhr spickte seinen Vortrag mit 45 echt sächsischen Wörtern wie „Däbs machen“, „diggschn“, „ummodeln“, „eindidschen“, „Daddrich“ oder „Dämlack“.

Und Röhr ließ den lieben Gott zum Schluss an die Sachsen appellieren, dass sie die gute alte Lene Voigt nicht vergessen sollen.

Von Kerstin Decker

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