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Leser erinnern sich an Abenteuer in Leipzigs Straßenbahnen

Leipzig-Album Leser erinnern sich an Abenteuer in Leipzigs Straßenbahnen

Als die Bahnen in Leipzig noch keine Türverriegelung hatten, konnte man jederzeit auf- und abspringen - wenn der Schaffner nicht hinguckte. An solche und andere Abenteuergeschichten in Leipzigs Bimmeln erinnern sich die Leser beim Leipzig-Album.

Szenen aus Leipzigs bewegter Straßenbahngeschichte

Quelle: Scheinert, Bergmann, Schlegel

Leipzig. Als die elfenbeinfarbene Bahn bei der Alten Messe ankommt, drückt Steffen Schwanke auf den Auslöser. Bis heute zeigt sein Dia, wie Fahrgäste aus den geöffneten Mitteltüren der inzwischen längst ausgemusterten alten Bimmel aussteigen. Was man auf dem Bild nicht sieht: Bei dem in den 1960er Jahren noch fahrenden Typ 29 konnten Passagiere noch während der Fahrt die Türen öffnen. Beim Leipzig-Album im Internet haben sich die Leser lebhaft an ihre Abenteuer erinnert. „Das Beste waren diese Hechtwagen. Frische Luft in der Mitte“, erzählt Frank Schwarzbauer über eine Fahrt mit teilweise geöffneter Tür. „Und abspringen konnte man“, ergänzt Ingo Paul. Möglich wurde das mit den Türgriffen, die Michael Hänel beschreibt: „Da konnte man mit so einer Kugel auf halber Höhe die Tür auf und zumachen.“

Frühere Leipziger Straßenbahn mit Mitteleinstieg vor dem Alten Messegelände

Frühere Leipziger Straßenbahn mit Mitteleinstieg vor dem Alten Messegelände

Quelle: Steffen Schwanke

Dass die Bahn auf dem Bild Typ 29 hieß, weiß Gerhard Wirthgen. Er ist Vorsitzender des Vereins „Historische Nahverkehrsmittel Leipzig“, der das Straßenbahnmuseum in Möckern betreibt. Dort, im früheren Depot an der Georg-Schumann-Straße, kann man nahezu alle Arten von Straßenbahnen besichtigen, die in der Stadt unterwegs waren. Auf die Sammlung sind Wirthgen und sein Verein sehr stolz. „Wir haben eines der reichhaltigsten Straßenbahnmuseen in Deutschland. Von jedem wesentlichen Wagentyp, der zwischen 1896 und 1988 durch Leipzig gefahren ist, haben wir einen Vertreter“, sagt er.

Zur Museumsnacht am 23. April startet dieses Jahr das Straßenbahnmuseum in Möckern seine Besucher-Saison.

Zur Bildergalerie

Charakteristisch für den ab 1930 fahrenden Typ 29 waren unter anderem die beiden Türen in der Mitte. Sein Beiwagen, Typ 61, war einer der ersten Niederflurwagen in Deutschland. „Niederflur bedeutet, man kommt mit einem Schritt auf die Plattform. Es gibt keine zusätzliche Stufe“ erklärt Wirthgen. Abgetrennt vom Mitteleinstieg waren die beiden Abteile, eines für Raucher, eines für Nichtraucher. Dass es damals noch keine Türverriegelung gab, hatte Vorteile, wenn man keine Fahrkarte lösen wollte. „Durch die geöffnete Schiebetür in einer Kurve aufspringen und ehe der Schaffner kam in der nächsten wieder abspringen, das ging“, sagt der Straßenbahnexperte. Es gab allerdings auch ein gewisses Verletzungsrisiko. Wenn eine aufgeschobene Tür nicht richtig eingerastet war, jemand die Hand in den Spalt hielt und beim Anfahren die Tür dann zufiel wurden nicht selten Fahrgastfinger eingequetscht, erzählt Wirthgen. Das war wohl einer der Gründe, warum diese Bahnen ab Mitte der 60er nach und nach verschrottet wurden.

Nächtliches Treffen der Straßenbahnen am Leipziger Hauptbahnhof im Mai 1967

Nächtliches Treffen der Straßenbahnen am Leipziger Hauptbahnhof im Mai 1967

Quelle: Baldur Scheinert

Eine andere Straßenbahn, die durch viele alte Leipzig-Fotos fährt, sind die ab Anfang der 1960er eingeführten Gotha-Gelenkzüge. Leipzig-Album-Nutzer Tom Tomasius erinnert sich daran, dass er fünf war, als der die damals neue Bahn kennenlernte. „Diese neuen Bimmeln nannten wir wegen der leichten Rundungen die Weichen“, schreibt er. Und Conny Klimek erinnert sich: „Die haben in der Kurve immer ganz laut gequietscht.“ Das Museum hat auch einen Wagen diesen Typs aufgehoben, der mit seinen beiden Gelenken in der Mitte deutlich länger ist, als die später eingeführten Tatrabahnen. Innen gibt es nur eine Reihe Sitze an jeder Seite. „Das Fassungsvermögen sollte damals so groß wie möglich sein. Es fuhren ja alle mit der Bahn“, erzählt der Vorsitzende des Straßenbahnvereins. Erst Anfang der 1990er wurden die Gotha-Züge ausgemustert.

Wer das alte Leipzig nicht mehr kennt, lernt im Museum noch ein anderes interessantes Detail. Auf vielen alten Postkarten erscheinen Leipzigs Bimmeln in Gelb. Tatsächlich aber, das zeigen die Ausstellungsstücke, waren die meisten Bahnen Elfenbeinfarben mit einer blauen Binde.

Clemens Haug

Museum und Album

Haben Sie auch alte Fotos von Leipzig? Aktuell suchen wir Aufnahmen von Badetagen am Elsterstausee, am Auensee oder am Lößniger Silbersee. Mitmachen per Post an Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG, Vertrieb & Marketing, „Leipzig Album“, Peterssteinweg 19, D-04107 Leipzig oder per E-Mail an lesermarkt@lvz.de (Betreff: „Leipzig Album “). www.facebook.com/leipzigalbum

Im Rahmen der langen Nacht der Musseun ist auch das Straßenbahnmuseum in Möckern am 23. April geöffnet. Danach können Leipzigs historische Bimmeln zwischen Mai und September an jedem dritten Sonntag besichtigt werden. www.strassenbahnmuseum.de

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