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Letzter Atom-Versuch in Haigerloch - Uni Leipzig blickt zurück

Letzter Atom-Versuch in Haigerloch - Uni Leipzig blickt zurück

75 Jahre nach der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann Mitte Dezember 1938 in Berlin ist an der Leipziger Uni am Mittwochabend auf ein spannendes Atomphysik-Kapitel zurückgeblickt worden: Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Rahmen des Studiums universale stand das Wirken des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg (1901-1976), der 1927 als Professor an die Alma mater kam und sie zu einer Hochburg der Kernforschung machte.

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Klaus Eberhard

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Voller Hörsaal zu abendlicher Stunde am Campus Augustusplatz: Das Thema "Der Uranverein - Heisenberg und die Atombombe" ist zugkräftig und der Referent ein prominenter Leipziger. Denn Klaus Eberhard ist nicht nur Inhaber des Galerie-Hotels, sondern auch Liebhaber der Leipziger Malerschule und Autor. "Zu Gast bei Mattheuer und Rauch: Tagebuch eines Leipziger Kunstsammlers", brachte er 2012 heraus. Weniger bekannt hingegen ist seine wissenschaftliche Vergangenheit. Er wirkte als Kernphysikprofessor in München, lernte als Student Heisenberg persönlich kennen und recherchierte nach seiner Emeritierung ausgiebig zur Nuklearphysik im Dritten Reich, aber auch zum amerikanisch-britischen Atombomben-Programm während des Zweiten Weltkrieges.

Heisenberg habe sich an der Uni für seine jüdischen Kollegen eingesetzt, sei in einer SS-Publikation als "weißer Jude" beschimpft worden, auch weil er weiter Albert Einsteins Relativitätstheorie verfocht, die die Nazis verdammten, berichtete Eberhard. Das Potenzial der Entdeckung von Hahn und Straßmann Ende 1938 sei Heisenberg sofort bewusst gewesen. Schon kurz nach der Einberufung des unter seiner Leitung stehenden und vom Heereswaffenamt instruierten Uranvereins habe Heisenberg konzeptionell beschrieben, wie sich die Kernspaltung mit dem Uran-Isotop U-235 zur Energie-Erzeugung und als gewaltiger Explosivstoff nutzen lasse. Eberhard: "Das waren schon sehr genaue Vorstellungen." Zusammen mit Professor Robert Döpel entwarf Heisenberg dann die mit Uranmetall und schwerem Wasser als Neutronenbremser bestückte Leipziger Uranmaschine. In der kam weltweit erstmals eine spürbare Neutronenvermehrung in Gang, bevor sie am 23. Juni 1942 ausgaste und explodierte.

Heisenberg übernahm wenig später das Direktorat des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physik in Berlin und stellte dort weitere Reaktorversuche an, doch eine selbsttragende Kettenreaktion kam nicht zustande. Anders in den USA, wo unter der Ägide von Enrico Fermi am 2. Dezember 1942 in Chicago der erste provisorische Uran-Meiler kritisch wurde und kurzzeitig Strom erzeugte. "Während die Amerikaner dann beim Manhattan-Projekt für die A-Bombe powerten, wurden bei den Deutschen die Ressourcen immer knapper", schilderte Eberhard vor den rund 200 Zuhörern das damalige Geschehen.

Ein schwerer Schlag sei beispielsweise die Zerstörung einer Produktionsstätte für schweres Wasser (Deuterium) in Norwegen durch alliierte Bomber gewesen. "Mit den wenigen verbliebenen Reserven an Uran und Deuterium experimentierte Heisenberg bis kurz vor Kriegsende noch erfolglos in einem Felsenkeller in Haigerloch in Baden-Württemberg, wohin sein Berliner Reaktor verlagert worden war", so Eberhard. "Nach der Einnahme Haigerlochs durch US-Truppen ist der dortige Kernbrennstoff nach Amerika geschafft und mit für die Hiroshima-Bombe verwendet worden." Heisenberg wurde festgesetzt und in ein Internierungslager in England gebracht.

Eberhard verwies noch auf einen weiteren interessanten Aspekt. Mehrere der Schüler Heisenbergs in Leipzig emigrierten in den 1930er Jahren in die Vereinigten Staaten und arbeiteten dort am Manhattan-Projekt mit. Darunter Edward Teller (1908-2003), der 1930 bei Heisenberg mit einer Arbeit über ionisierte Wasserstoffmoleküle promovierte - und später das Design der amerikanischen Wasserstoffbombe entwarf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.12.2013

Mario Beck

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