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Leuschnerplatz – Auf Leipzigs letzter großer City-Brachfläche geht es endlich voran

Weg für neue Bauten frei Leuschnerplatz – Auf Leipzigs letzter großer City-Brachfläche geht es endlich voran

Auf dem fünf Hektar großen Wilhelm-Leuschner-Platz am Rande der Leipziger City sind jetzt endlich Baumaschinen angerückt. Eine Teilfläche vor der Stadtbibliothek wird in den nächsten Wochen für Veranstaltungen fit gemacht. Zur künftigen Bebauung hat die Rathaus-Spitze soeben eine wegweisende Entscheidung gefällt.

Eine Teilfläche des Leuschnerplatzes wird jetzt durch die Baufirma Strabag für Veranstaltungen fit gemacht. So sollen bereits im Advent Theater-Dinner-Shows in einem Spiegelzelt des Varietés Krystallpalast stattfinden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Denkwürdige Bilder sind jetzt am Wilhelm-Leuschner-Platz zu sehen. Auf Leipzigs größter City-Brachfläche, die 1943 durch Bomben planiert wurde, wirbeln Bagger und Laster der Baufirma Strabag umher. In den nächsten Wochen werden die Arbeiter den Westteil des Fünf-Hektar-Areals als Ort für Veranstaltungen herrichten. Schon im Advent soll vor der Stadtbibliothek das Spiegelzelt vom Krystallpalast Varieté stehen und zur Weihnachts-Dinner-Show einladen.

Dafür werden nun Flächen begradigt, zum Teil neues Pflaster verlegt, Fahrrad-Bügel aufgestellt und Medienanschlüsse (wie Strom und Wasser) geschaffen. Nach Auskunft des Kulturamtes wurde die neue Open-Air-Arena bereits für Veranstaltungen zum Deutschen Katholikentag 2016 und Evangelischen Kirchentag 2017 gebucht. Gespräche liefen zudem über eine Nutzung als Eislauffläche und für Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft im nächsten Sommer. Schon bestehende Veranstaltungen wie der „Herbstsalon“ könnten erhalten bleiben.

Nach LVZ-Informationen traf die Verwaltungsspitze im Rathaus zudem soeben eine Entscheidung, die den Weg für eine baldige Neubebauung der Ostseite des Leuschnerplatzes (von der Grünewald- bis zur Markthallenstraße) freimachen soll. In der Dienstberatung des Oberbürgermeisters wurde dazu am Dienstag eine Vorlage bestätigt. Demnach wollen die Stadtplaner an einem alten Bebauungsplan-Vorentwurf, der vor drei Jahren mit breiter Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde, vom Grundsatz her festhalten. Bekanntlich sieht dieser Entwurf der Architekturprofessoren Petr Pelcák aus Brno sowie Ingo Andreas Wolf aus Leipzig drei Baufelder samt einer wieder auferstandenen Markthalle in der Mitte vor. Dort sind die Keller des 1943 zerstörten Gebäudes noch gut erhalten.

Wie berichtet, gab es nach dem Scheitern des Projekts für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Leuschnerplatz intensive Debatten, ob der Entwurf der beiden Professoren noch zeitgemäß sei. Namhafte Architekten kritisierten unter anderem die Ausmaße der geplanten Freifläche im Ostteil des Geländes – ein solches „Zeppelinfeld“ passe nicht ins Herz einer stark wachsenden Metropole, blockiere auch die urbane Verbindung zwischen Südvorstadt und City.

Das Baudezernat lud daraufhin Vertreter der Stadtratsfraktionen zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der die verschiedenen Ansätze präsentiert wurden. Im Ergebnis signalisierte eine Ratsmehrheit aus CDU, Linken und Grünen vor fünf Monaten, am Entwurf der beiden Professoren grundsätzlich festhalten zu wollen. Zugleich gaben sie der Verwaltung aber etliche, teilweise sehr widersprüchliche Änderungswünsche mit auf den Weg, so dass bis zu dieser Woche unklar blieb, ob die Stadtspitze das alte Verfahren unter solchen Vorzeichen fortsetzt oder lieber ein Neues startet. Letzteres würde jedoch mehrere Jahre dauern.

Das Baudezernat von Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) blieb letztlich auf dem deutlich schnelleren Weg. Laut dem am Dienstag beschlossenen Papier soll nun der Vorentwurf von Pelcák/Wolf weiter als Grundlage für den Bebauungsplan dienen, jedoch um acht „Leitlinien“ für die weitere Ausarbeitung ergänzt werden. So steigt der Mindestwohnanteil für ein Quartier an der Windmühlenstraße auf 40 Prozent, die Zahl der Autostellplätze wird (da S-Bahn und Straßenbahn gleich nebenan sind) auf ein Mindestmaß begrenzt. Ein Supermarkt im Erdgeschoss der neuen Markthalle darf nicht mehr als 1500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche zählen. Das Gebäude selbst – anfangs als flacher Bau konzipiert – muss nun 18 bis 21 Meter in der Höhe erreichen. Für jedes neue Haus sollen separate „architektonische Qualifizierungsverfahren“ stattfinden. Für die große Freifläche ist später ein Gestaltungswettbewerb vorgesehen, in den die Erfahrungen aus der bald startenden Zeit der Zwischennutzung einfließen sollen.

Falls Leipzigs Stadtrat die neue Vorlage akzeptiert, könnte im nächsten Jahr der lang ersehnte Bau einer Markthalle durch einen privaten Investor beginnen.

Von Jens Rometsch

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