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Leuschnerplatz in Leipzig – wird jetzt alles ganz anders?

Stadtrat entscheidet am Mittwoch Leuschnerplatz in Leipzig – wird jetzt alles ganz anders?

Es ist erstaunlich, wie kurz in Leipzig Stadtratsbeschlüsse gelten. Erst am 16. Dezember 2015 hatte die Ratsversammlung Leitlinien für die künftige Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes verbindlich festgelegt. Nun wird vielleicht doch alles ganz anders.

Seit Jahrzehnten wird in Leipzig über eine neue Bebauung für den Wilhelm-Leuschner-Platz diskutiert. Nun könnten die Pläne ganz kurzfristig noch mal umgestoßen werden, weil dem Freistaat Sachsen sonst Baufördermittel verloren gehen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Einerseits handelt es sich um einen Vorschlag des Wirtschaftsdezernates. Die Stadt Leipzig soll demnach schnellstmöglichst alle Grundstücke für das südliche der drei Baufelder an den Freistaat Sachsen verkaufen. Wie berichtet, plant das Land dort einen Neubau für das bisher in Paunsdorf ansässige Leibnizinstitut für Länderkunde (IfL) sowie eventuell noch für weitere Forschungseinrichtungen.

Das Problem dabei: Bisher war nicht das südliche, sondern das nördliche Baufeld am Roßplatz für Institute vorgesehen. Zumal dort auch ein 50 Meter hoher Büroturm geplant ist. Der südliche Teil an der Windmühlenstraße galt stets als idealer Wohnstandort. Dort herrscht wenig Autoverkehr, stehen viele Büsche und Bäume.

Die Leitlinien schreiben für das südliche Baufeld folglich einen Mindestwohnanteil von 40 Prozent aller Geschossflächen vor. Dem Freistaat sei es aber „nicht möglich, auf dieser Fläche Wohnungen zu errichten“, erklärt dazu das Wirtschaftsdezernat. Daher bleibe zu prüfen, ob die 40 Prozent Wohnungen vielleicht noch in die beiden anderen Baufelder passen.

Verkaufen will das Dezernat die 4000 Quadratmeter (für 1,7 Millionen Euro) aber in jedem Fall. Begründung: Für den IfL-Neubau habe das Land schon Fördermittel erhalten, die maximal bis 2017 verlängert werden könnten. Nach LVZ-Informationen hatte der Freistaat zunächst als IfL-Standort eine Freifläche südlich der neuen Propsteikirche im Visier. Nachdem das scheiterte, drängt nun die Zeit. Nur im südlichen Baufeld könne schon 2017 mit Arbeiten begonnen werden, heißt es dazu in der Vorlage. Auf allen anderen Flächen des Leuschnerplatzes sei ein Start erst möglich, wenn ein gültiger Bebauungsplan vorliegt. Der Termin dafür: frühestens 2018. Um den Wohnanteil zu retten, haben am Dienstag die Fraktionen der Linken und Grünen beantragt, dem Freistaat nur 60 Prozent der Flächen zu verkaufen, sofern er nicht selbst Wohnungen schafft. Ob das eine Mehrheit findet, ist ungewiss. Für das nördliche Baufeld am Roßplatz schreiben die Leitlinien mindestens 20 Prozent Wohnen vor. Auch das dürfte eng werden, falls der Rat am Mittwoch noch einem SPD-Antrag zustimmt. Demnach soll geprüft werden, ob auf dem Leuschnerplatz ein „Verwaltungs- und Bürgerzentrum von Stadtverwaltung und kommunalen Unternehmen – Neues Stadthaus“ entstehen kann. Die Verwaltung hat dazu schon mal durchgerechnet, dass im nördlichen Baufeld ein Stadthaus für 970 Mitarbeiter möglich wäre. Kosten: 84 Millionen Euro. Dies zu investieren, sei eventuell bis zum Jahr 2029 sinnvoll, weil dann der Mietvertrag für das Technische Rathaus in der Prager Straße endet. Die 1350 dortigen Beschäftigten könnten dann in zwei Neubauten – auf dem Leuschnerplatz und im Matthäikirchhof – umziehen.

Da die Hälfte der riesigen City-Brache eine öffentliche Platzfläche werden soll, bliebe für Wohnungen fast nur noch das mittlere Baufeld. Dort ist jedoch bereits die Markhalle gesetzt, könnte nur eine recht geringe Anzahl in den Obergeschossen am Rande der Halle entstehen.

„Wenn die Kommune so mit den eigenen Filetgrundstücken umgeht, kann sie ihr wohnungspolitisches Konzept beerdigen“, sagt Roman Grabolle vom Bündnis Stadt für alle. „Wie will man dann noch Investoren erklären, dass sie auf ihren privaten Flächen viel günstigen Wohnraum zu schaffen haben?“ Falls es wirklich so dringend ist, ließen sich für das IfL Alternativen finden, glaubt Ronald Wanderer von der Initiative Leipziger Architekten: „Zum Beispiel auf der Alten Messe.“ Ohne einen erheblichen Wohnanteil werde es auf dem Leuschnerplatz-Areal weder eine kleinteilige Bebauung noch ein lebendiges Viertel geben.

Von Jens Rometsch

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