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Lokales Lichtfest – 15.000 erinnern in Leipzig an den Herbst ’89
Leipzig Lokales Lichtfest – 15.000 erinnern in Leipzig an den Herbst ’89
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22:08 09.10.2018
Frauenpower beim Lichtfest: Das Freie Orchester Leipzig mit 24 Musikerinnen, die sich eigens für das Lichtfest zusammenschlossen, spielte auf der Bühne vor der Oper. Fünf Schauspielerinnen rezitierten kurze Texte rund um die Themen Teilhabe und Demokratie. Ein wesentlicher Aspekt war dabei das Frauenwahlrecht, das vor 100 Jahren eingeführt wurde. Quelle: Fotos: André Kempner (7)
Leipzig

Vom Beginn des Frauenwahlrechtes bis zur „Me too“-Kampagne: Beim Lichtfest auf dem Augustusplatz erinnerten nach Angaben von Veranstalter Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) am Dienstagabend mehr als 15 000 Menschen an die Friedliche Revolution. Das hauptsächlich von Musikerinnen und Schauspielerinnen gestaltete Programm rückte die Rolle der Frauen in der Bürgerbewegung sowie die Teilhabe in den Fokus. Wie in jedem Jahr gestalteten Menschen mit Kerzen gemeinsam eine leuchtende „89“. Sie würdigten den Mut der Demonstranten im Herbst vor 29 Jahren. Damals, am 9. Oktober, kam es zur bislang größten Massendemonstration mit mehr als 70 000 Teilnehmern, die von der Nikolaikirche und dem Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz) über den Ring zogen. „Wir haben die brutale Staatsmacht Stück für Stück zurückgedrängt“, sagte die frühere Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns in einer beeindruckenden Rede. „Das war ein innerer Triumph, eine heimliche Genugtuung und das Wunder des 9. Oktober 1989 hier in Leipzig.“ Damals wie heute gehe es um eine Vision: für ein offenes Land mit freien Menschen. „Wir müssen uns einmischen, wenn unsere Demokratie angegriffen und wenn die Menschenwürde verletzt wird“, betonte Oltmanns.

„Danke, dass Sie hier sind. Das ist ein wunderbares Zeichen“, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). „Ihr seid das Volk!“ Und nicht jene, die vorgeben, es zu sein.

Lichtfest: Ehepaar Honecker tanzt im Videomitschnitt Walzer

Nach den Reden begann das Bühnenprogramm. „Natürlich war man eingeschüchtert. Man wusste von Leuten, die plötzlich verschwanden. Von Kindern, die zwangsadoptiert wurden, weil deren Eltern in Haft kamen“, erinnerten die Darstellerinnen mit literarisierten „Wortfetzen“ an eine Zeit, in der die Mauer stand und viele Leute Angst vor der Staatssicherheit hatten. „Heute leiden die Menschen an Existenzangst. Doch ich bin noch immer fest davon überzeugt, dass Frauen selbst aktiv werden müssen, wenn sie etwas verändern wollen“, hieß es weiter.

Die Wortbeiträge wurden in von Frauen komponierte Musikstücke integriert, die das eigens gegründete Freie Orchester Leipzig darbot. Auf der Leinwand liefen Bilder und Videos, um Zeitabläufe zu zeigen. Vieles wirkte beklemmend und verstörend, etwa als das Ehepaar Honecker per Videomitschnitt Walzer tanzte. Viele fragten sich, was das solle. Und warum Bilder von den G 20-Krawallen in Hamburg in so eine Veranstaltung gehören. In den Zeitabläufen gab es Sprünge. Und vielen kam die Erinnerung an die dramatischen Tage um den 9. Oktober ’89 zu kurz.

Von Mathias Orbeck

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