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Lokales Lichtfest erinnert an ’89: Kretschmer sieht den Ruf „Wir sind das Volk“ diskreditiert
Leipzig Lokales Lichtfest erinnert an ’89: Kretschmer sieht den Ruf „Wir sind das Volk“ diskreditiert
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08:13 10.10.2018
Lichtfest Leipzig 2018 auf dem Augustusplattz in Leipzig. Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Mit dem traditionellen Lichtfest auf dem Augustusplatz hat Leipzig am Dienstagabend an die entscheidende Demonstration zum Umsturz des SED-Regimes 1989 erinnert. Unter dem Motto „ich. die. wir.“ stellten die Veranstalter in unterschiedlichen Formen Werte wie Teilhabe und Demokratie in den Vordergrund. Das Programm wurde in diesem Jahr ausschließlich von Frauen gestaltet, die die Einführung des Frauenwahlrechtes vor 100 Jahren ebenso thematisierten wie die „Me too“-Debatte.

Politische Prominenz ist vor Ort

Neben der Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns hielten auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kurze Ansprachen. Am 9. Oktober 1989 hatten in Leipzig mehr als 70 000 Menschen bei der bis dahin größten Massendemonstration gegen das SED-Regime protestiert.

Fokus Frau: Das zehnte Leipziger Lichtfest auf dem Augustusplatz lag fast vollständig in weiblichen Händen. So stammten die gespielten Stücke bis auf eine Ausnahme von Komponistinnen. Auch auf der Bühne standen nur Frauen.

In jedem Jahr erinnert daran nach dem traditionellen Friedensgebet in der Nikolaikirche die „Rede zur Demokratie“, die gestern die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) hielt. Sie bezeichnete es als Ehre, diese Rede, die es seit 2001 gibt, als erste Frau halten zu dürfen.

„Ich gehörte damals zu der Minderheit, die anmahnte, dem Respekt vor der Lebensleistung der Menschen in der DDR mehr Ausdruck im Einigungsvertrag und in einer Verfassung für das gemeinsame Deutschland zu verleihen“, sagte sie und würdigte die Erfolge im vereinten Deutschland, die überall spürbar und sichtbar seien.

„Hohes Maß an Unzufriedenheit“ bereitet Sorge

Dennoch müsse „das hohe Maß an Unzufriedenheit“, gerade in den ostdeutschen Ländern, Sorge machen. So hätten sich die Bürgerrechtler mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ und „keine Gewalt“ gegen Unfreiheit, gegen Einschüchterung und Unterdrückung der Menschenrechte durch das DDR-Regime gewehrt. „Die Aufmärsche heute hetzen indes gegen alle, die sie als nicht zu ihnen gehörig ansehen wollen“, sagte Däubler-Gmelin.

Markus Meckel (SPD), der letzte Außenminister der DDR, sagte während des Friedengebets: „Gott hat uns nicht als Marionetten geschaffen, sondern als freie Wesen, die Verantwortung tragen.“ Er rief dazu auf, die Würde des Menschen als unantastbar zu achten.

Das gelte auch für Menschen, die Schutz suchen. Er schäme sich, wenn er sehen muss, wie sie gejagt werden, nur weil sie anders sind, oder wenn diskutiert wird, ob und wer Flüchtlinge auf dem Mittelmeer retten darf. Es reiche Deutschland nicht zur Ehre, wenn das Asylrecht immer mehr ausgehöhlt werde.

Zehn Thesen durch Initiative „Sichtweisen“ vorgestellt

Zuvor präsentierte die Initiative „Sichtweisen“, die sich für ein besseres Miteinander in Leipzig stark macht, zehn Thesen. „Die Friedliche Revolution hat gezeigt, dass Gewaltlosigkeit am Ende siegreich sein kann“, sagte Eric Buchmann, einer der Initiatoren.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer sieht Botschaften der DDR-Wende wie den Ruf „Wir sind das Volk“ durch populistische Strömungen diskreditiert. „Mit großem Mut und Zivilcourage haben die Menschen so den entscheidenden Impuls für den Zusammenbruch des DDR-Regimes gegeben. Heute müssen wir umso mehr denjenigen entschieden entgegentreten, die den Ruf von 1989 missbrauchen“, sagte er.

Im Anschluss wurde der Friedlichen Revolution auf dem Augustusplatz gedacht.

Stimmen vom Lichtfest – Burkhard Jung

„Danke, dass Ihr hier seid. Das ist ein gutes Zeichen für Freiheit und Demokratie. Ihr seid das Volk, nicht die, die vorgeben, es zu sein.“ – Burkhard Jung (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Stimmen vom Lichtfest – Michael Kretschmer

„Es ist großartig, dass Sie über so viele Jahre die Erinnerung wachhalten. Es ist das beste Deutschland, das wir je hatten. Lassen Sie uns verteidigen, was hier in 28 Jahren entstanden ist. Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit.“ – Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

Stimmen vom Lichtfest – Gesine Oltmanns

„Es geht damals wie heute um eine Vision: für ein offenes Land mit freien Menschen.“ – Ex-Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns

Von Mathias Orbeck

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