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Lokales Lindenauer Markt: Mehr Platz für Fußgänger
Leipzig Lokales Lindenauer Markt: Mehr Platz für Fußgänger
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18:18 04.04.2018
Wie es auf der Nordseite des Lindenauer Marktes ohne Autoverkehr zugeht, können Passanten in diesen Tagen sehen: Weil an der Einmündung Kuhturmstraße gebaut wird, kommen von dort keine Fahrzeuge mehr zum Markt. Auch die Straßenbahnen und Busse der Leipziger Verkehrsbetriebe verkehren derzeit nicht. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

In Altlindenau bahnen sich gravierende Veränderungen im Straßenverkehr an: Die Nordseite des Lindenauer Marktes soll in eine Fußgängerzone umgewandelt und gleichzeitig die Vorbeifahrt am Café Olea für den Autoverkehr gesperrt werden. Auch neue Tempo-20-Zonen und Tempo-30-Areale wird es geben. Die erste Geschwindigkeitsbegrenzung könnte noch in diesem Jahr vorgenommen werden, heißt es. Die Einrichtung der neuen Fußgängerzone ist für die Jahre 2017/18 avisiert.

Offiziell ist dies alles noch nicht. Denn die Stadtverwaltung will erst Ende September ihren Umbauvorschlag vorlegen. Doch in der jüngsten Ratssitzung am
22. Juni haben die Planer der Stadt bereits Bereitschaft signalisiert, die Umbauvorschläge von Stadträten aus Lindenau mitzutragen. Wie berichtet, hat sich im Rat eine großen Koalition aus SPD, Grünen, Linken und CDU gebildet, die auf Verbesserungen drängen.

Noch gravierender ist, dass die vier federführenden Abgeordneten – Christian Schulze (SPD), Naomi-Pia Witte (Linke), Daniel von der Heide (Grüne) und Michael Weickert (CDU) – im Stadtteil viele Unterstützer haben und außerdem noch ein umfangreiches fachliches Gutachten besitzen, das Handlungsoptionen herausgearbeitet hat. Diese Vorschläge wurden in zwei Bürgerworkshops vor Ort diskutiert – und haben große Zustimmung bei den anwesenden Lindenauern gefunden. „Auf der Nordseite gibt es viele Geschäfte und viele Fahrgäste, die auf Straßenbahnen und Busse warten“, berichtet Fritjof Mothes vom Leipziger Planungsbüro Stadtlabor, das das Gebiet im Auftrag des Rathauses mehrere Monate lang untersucht hat. „Auch der Anlieferverkehr hat wegen der falsch parkenden Autos Probleme.“

Nach den Berechnungen der Planer müsste die Sperrung der Nordseite des Lindenauer Marktes für den Autoverkehr ohne große Verwerfungen in den anderen Straßen von Altlindenau zu bewerkstelligen sein. Verkehrs-
zählungen haben ergeben, dass dort täglich 1400 Autos stadtauswärts und 3700 stadteinwärts unterwegs sind. „Die 1400 Autos können sich problemlos auf die Angerstraße und die Lützner Straße verteilen“, sagt Mothes. „Diese Mehrbelastung ist dort vertretbar.“ Und stadteinwärts könne der Verkehr ja weiter wie bislang rollen – der Lindenauer Markt bleibe so auch für Kraftfahrer erreichbar.

Große Vorteile hat diese Lösung für die seit Jahren wachsende Zahl von Bahn- und Bus-Kunden. Bereits 2014 zählten die Leipziger Verkehrsbetriebe am Linde-nauer Markt täglich mehr als 8000 Einsteiger – im Eröffnungsjahr von Kaufland (2011) waren es noch 6350. Auf dem Abschnitt, der zur Fußgängerzone werden soll, dominieren die Passanten schon jetzt: Zählungen haben ergeben, dass in der Nachmittagsstunde zwischen 16 und 17 Uhr dort 650 Fußgänger, aber nur 139 Autos und 108 Radler unterwegs sind. Hier sind also schon heute viermal so viele Fußgänger wie Autos anzutreffen.

Im Neuen Rathaus wird derzeit vor allem überlegt, wie die Kosten für die Umgestaltung der Nordseite aufgebracht werden können. Nach LVZ-Informationen ist geplant, dafür Fördermittel vom Amt für Stadterneuerung einzusetzen. Die Krux: Diese Mittel stehen wohl erst im Jahr 2018 zur Verfügung – die Neuerung müsste deshalb so lange warten. Stadträte wie Christian Schulze denken aber, dass vielleicht schon 2017 mit ersten Arbeiten begonnen werden könnte.

Noch deutlich früher sollen kleinere Veränderungen wie Tempo-Reduzierungen vorgenommen werden. Das Anbringen der dafür notwendigen Schilder sei mit dem vorhandenen Budget möglich, heißt es. Sobald Ende September der offizielle Umbauplan der Stadt fertig ist, soll deshalb in einem ersten Schritt auf dem Lindenauer Markt Tempo 20 ausgeschildert werden.

Außerdem ist perspektivisch vorgesehen, mehrere Straßen im Umfeld zu Tempo-30-Zonen zu erklären. Geplant ist dies in der Enders- und Henriettenstraße. Auch in allen Seitenstraße links und rechts der Merseburger und der Georg-Schwarz-Straße ist Tempo 30 vorgesehen. „Wir wollen damit erreichen, dass die Verkehrssicherheit erhöht und der Lärmpegel gesenkt wird“, so Mothes.

Weil mit der Einwohnerzahl in Lindenau auch die Zahl der Autos wächst, suchen die Planer auch dafür Lösungen. Sie versuchen, das derzeit nicht ausgelastete Kaufland-Parkhaus für Besucher des ­Ärztehauses im Westbad oder der Musikalischen Komödie zu öffnen. Für Anlieger gebe es darüber hinaus zwei weitere ungenutzte Parkhäuser – unter dem geschlossenen Kaufhaus Held und in der Gemeindeamtsstraße. „Es laufen Gespräche, um sie für alle Autofahrer zu öffnen“, erläutert Mothes.

Weitere Veränderungen sind erst einmal nicht vorgesehen. Die Planer wollen zunächst die Auswirkungen der jetzt vorgesehenen Neuerungen aufmerksam beobachten. Es werde sehr behutsam vorgegangen, heißt es. Stück für Stück – und nicht mit der Brechstange.

Von Andreas Tappert

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