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Linker Flügel gibt in der Leipziger SPD den Takt vor - Landtagskandidaten aufgestellt

Linker Flügel gibt in der Leipziger SPD den Takt vor - Landtagskandidaten aufgestellt

Dier Leipziger Sozialdemokraten haben am Sonnabend ihre sieben Direktkandidaten zur Landtagswahl 2014 aufgestellt. Für die Parteilinke wurde der Nominierungsmarathon zur Machtprobe.

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Leipzigs SPD-Stadtverbandschef Michael Clobes (r.) mit den Direktkandidaten zur Landtagswahl: Guido Machowski, Sebastian Walther, Eva Brackelmann, Dirk Panther, Holger Mann, Maximilian Rinck und Irena Rudolph-Kokot (v.l.).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Sieben Wahlkreise, zehn Bewerber, drei Kampfkandidaturen: Mit mehr als 270 Teilnehmern ist das Interesse der Parteibasis riesengroß. Viele finden nicht mal einen Sitzplatz im Jugend-Technologiezentrum Garage. Vor allem die Bewerberlage im Wahlkreis 32 elektrisiert die Basis. Dort treten Holger Mann (34), Hochschulexperte der SPD-Landtagsfraktion, und der Lindenthaler Bäckermeister und Vorsitzende des Stadtelternrates, Andreas Geisler (47), gegeneinander an (die LVZ berichtete). Doch spätestens von dem Moment an, als Mann seine Bewerbungsrede für eine neue Kandidatur beendet und tosender, anhaltender Applaus einsetzt, ist allen im Saal klar: Der linke Parteiflügel mit den Jusos gibt in der Leipziger SPD den Takt vor. Die Parteilinke entscheidet, wer die Kampfabstimmungen gewinnt.

"Wissenschaft schafft Arbeit", sagt Mann. Die Mehrheit derer, die nach Leipzig ziehen, kämen aus dem akademischen Bereich. Für Geisler sind die Pole klar definiert: "Der eine steht für Schulen, der andere für Hochschulen." Es wird auf dieser Vollversammlung noch viel über Solidarität und Chancengleichheit, über Frauenquote, Wissenschaft, prekäre Beschäftigung, Leiharbeit und Mindestlöhne gesprochen, wenig dagegen über Finanzpolitik, über Generationengerechtigkeit, Eigenverantwortung und Wirtschaft. "Ich kann keine zehn, 15 Euro Mindestlohn zahlen", räumt Geisler ein, der nach eigenen Worten selbst zehn, zwölf Stunden am Tag in seiner Backstube steht. Aber so etwas wollen im Saal die Wenigsten hören. Mit 106 zu 163 Stimmen verliert er haushoch die Abstimmung gegen Mann. Der sagt am Ende versöhnlich: "Bei vielen Themen - Bildung, Hochschulen oder Lehrermangel - liegen wir doch gar nicht so weit auseinander." Das deutliche Ergebnis sieht er als "Bestätigung für meine Arbeit und gibt mir Rückenwind".

Im Wahlkreis 29 werben der Vorsitzende der SPD-Selbstständigen, André Soudah (37), und Guido Machowski (40), Betriebsratschef beim Autozulieferer Schnellecke, um die Gunst der Stimmen. Soudah unterliegt klar. Ähnlich ergeht es im Wahlkreis 33 Hassan Soilihi Mzé, der sich für eine größere gesellschaftliche Wertschätzung von beruflicher Bildung und nichtakademischen Ausbildungsbiografien einsetzt. Der 31-jährige Promovend aus dem konservativen Parteiflügel verliert gegen Irena Rudolph-Kokot (40), Personalrätin im Städtischen Eigenbetrieb Behindertenhilfe.

Sie freue sich, sagt die gerade als Bundestagsabgeordnete wiedergewählte Daniela Kolbe (33) gegenüber der LVZ, dass immer mehr Betriebsräte den Weg zur SPD fänden und nicht zur Linken gingen. Gebracht hat es der SPD jedoch nichts. "Im Stammland der Sozialdemokratie krepeln wir seit Jahren bei zehn Prozent rum", legt Eva Brackelmann (46), die sich für Familien, Frauen und Stadtteilentwicklung engagiert, den Finger in die offene Parteiwunde. Die SPD werde nur dann wieder gewählt, "wenn die Menschen das Gefühl haben, dass wir ihre Lebensverhältnisse verändern wollen und nicht sie." Brackelmann (Wahlkreis 30) ist ohne Gegenkandidat, ebenso wie der 25-jährige Stadtrat Sebastian Walther (Wahlkreis 27) und der 37-jährige Physiker Maximilian Rinck (Wahlkreis 28). Sie werden alle drei nominiert.

Konkurrenzlos geht auch der Generalsekretär der Sachsen-SPD, Dirk Panter (Wahlkreis 31), ins Rennen und holt mit 80 Prozent das beste Ergebnis. "Mit dieser Mannschaft", sagt der 39-jährige frühere Investmentbanker, "decken wir das gesamte Spektrum der SPD ab". Seine Partei verkaufe sich in Sachsen noch immer unter Wert, während die CDU nur von ihrer Vergangenheit zehre. Panter: "Unser Anspruch ist es, aus dem Zehn-Prozent-Tal herauszukommen." Das einzige Mal holte die Leipziger SPD 2004 mit Gunther Hatzsch ein Landtagsdirektmandat. Sonst gingen sie allein an CDU und Linke, Sozialdemokraten zogen nur über die Landeslisten ins Parlament ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.11.2013

Klaus Staeubert

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