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Lokales Live-Schalte zu Soldaten nach Mali
Leipzig Lokales Live-Schalte zu Soldaten nach Mali
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12:03 29.10.2018
Live-Schalte nach Mali im Neuen Rathaus: Oberbürgermeister Burkhard Jung und die Angehörigen von Soldaten im fernen Bundeswehr-Einsatz. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Dass Carmen und Uwe M. den Beruf ihrer Tochter als „ganz gewöhnlichen Job“ bezeichnen, mag in mancherlei Ohren seltsam klingen. Schließlich bestreitet Ariane M. für die Bundeswehr aktuell ihren dritten Auslandseinsatz. Der hat sie am 3. Oktober nach Mali geführt, wo derzeit mehr als 1000 weitere Bundeswehrsoldaten im Einsatz sind.

Rund 70 Angehörige dieser Soldaten – darunter Carmen und Uwe M. – kamen am Samstag zum monatlichen Familienbetreuungstag der Bundeswehr zusammen, der nach längerer Zeit wieder im Leipziger Rathaus stattfand. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) schickte zu Beginn „Grüße nach Mali“: Per Videokonferenz wurde in das westafrikanische Land geschaltet; von dort informierten Oberst Frank Wachter, Ariane M. und weitere Offiziere über die Lage.

943 Bundeswehrsoldaten sind dort derzeit an der UN-Mission Minusma beteiligt, kümmern sich um strategische Aufklärung und, so Wachter, um die „Schaffung eines sicheren Umfeldes“. Das Einsatzlager in Goa liegt im instabilen Norden des Landes, der seit 2012 von Konflikten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Islamisten gezeichnet ist.

Die Lage in der ehemaligen französischen Kolonie spielte an diesem Nachmittag aber eine eher kleine Rolle. Der eigentliche Zweck der Familienbetreuungstage ist die Zusammenführung der Angehörigen, der Austausch von Erfahrungen und Neuigkeiten. So luden die Stadt, die Bundeswehr und der Freundeskreis der Bundeswehr Leipzig e.V. im Anschluss zu Kaffee und Kuchen bei Musik und Gesprächen sowie zur Führung durch das Rathaus ein. OBM Jung griff da auch schon mal selbst zur Klampfe und stimmte „Let It Be“ an.

Eine weitere Besucherin: die 48-jährige Anke T., Ehefrau des Einsatzoffiziers Jan T., samt ihrer Kinder Rosa (28) und Oskar (12). Der Vater sei inzwischen das achte Mal im Auslandseinsatz – mehrere Monate Abwesenheit sind für die Familie also nicht mehr ungewöhnlich. Leichter werde es auch dadurch, dass die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Heimat und Ausland inzwischen so viel besser seien: „1995 musste ich noch extra in die Kaserne fahren, um ihn von dort aus im Einsatz anzurufen“, sagt Anke T.; heute könne sie einfach via Skype oder Whats-app durchklingeln.

Die Familienbetreuung der Bundeswehr versteht sich als „Mischung aus Unterhaltung, Information und Betreuung, aber nicht Bevormundung“, so Bundeswehrsprecher Eric Gusenburger. Eine Hotline rund um die Uhr helfe bei alltäglichen wie akuten Problemen, es werden Treffen und Ausflüge organisiert, kürzlich beispielsweise zum Flughafen Leipzig/Halle. Mehr Einsätze und mehr Verpflichtungen hätten ab 1994 eine intensivere Betreuung der Angehörigen nötig gemacht, so Gusenburger. Auch bei scheinbar einfachen Fragen wie der, was man den Soldaten zu Weihnachten schicke, wird geholfen. Soldat Thomas S., zugleich ehrenamtlicher Helfer bei der Familienbetreuung, kennt die Antwort: „Das klingt jetzt simpel, aber ich habe mich immer über Salami und Plätzchen gefreut. Das hat mich an zu Hause erinnert.“

So fungieren die Familienbetreuung wie auch der unterstützende Freundeskreis der Bundeswehr Leipzig als Schnittstelle zwischen Soldaten, Daheimgebliebenen und Armee. Das sei auch wichtig, um bei möglichen Vorfällen Gerüchten und Panik unter den Angehörigen vorzubeugen und zu wissen, dass man mit seinen Sorgen nicht allein sei, sagt der 57-jährige Uwe M. „Wie sitzen alle im selben Boot.“

Viele der derzeit in Gao stationierten Soldatinnen und Soldaten werden dort bis zu ihrer Ablösung im Frühjahr 2019 bleiben. Vor wenigen Monaten erst hat der Bundestag den Einsatz in Mali mit großer Mehrheit bis Mai 2019 verlängert. Laut Oberst Wachter bräuchte es in Mali einen „relativ langen Atem“, bis die Konflikte im Norden des Landes beigelegt seien. Anke T. blickt einer baldigen Rückkehr ihres Mannes dennoch optimistisch entgegen. Im April übrigens steht die Silberne Hochzeit des Ehepaars an. Allerdings wird die – anders als vor 25 Jahren – wohl nicht im Rathaus gefeiert werden.

Von Christian Neffe

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