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Lokales Lob und Kritik für neue Verkehrspolitik
Leipzig Lokales Lob und Kritik für neue Verkehrspolitik
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06:00 12.09.2017
Diese beiden Ringsysteme sollen geschlossen werden, um den Verkehr flüssiger zu machen. An zwei Stellen (gestrichelt) gibt’s Widerstand. Quelle: Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

„Die Leipziger FDP begrüßt den Sinneswandel der Stadt in der Verkehrspolitik“, erklärte am Montag FDP-Kreisvorsitzender Friedrich Vosberg. Dieser sei längst überfällig. „Ich freue mich, dass die Stadtverwaltung den FDP-Vorschlag zum Ausbau der Nordtangente aufgegriffen hat. Hoffentlich ist das aber nicht nur die Meinung eines Amtsleiters. Es wird Zeit, dass der Oberbürgermeister endlich Farbe bekennt“, so Vosberg. Es müsse endlich die für die Versorgung der Einwohner und der Wirtschaft mit Verkehrsdienstleistungen erforderliche Infrastruktur gebaut werden, findet der Liberale. Die von der Kommune jetzt aufgegriffenen Brennpunkte, insbesondere die Nordtangente und die Schließung des Mittleren Rings im nördlichen Teil, hätten schon vor Jahren in Angriff genommen werden können. „Es wurde wertvolle Zeit mit ideologischen Grabenkämpfen zur Reglementierung des Individualverkehrs vertan“, beklagte Vosberg. Wegen der langen Planungs- und Bauzeiten und der stetig steigenden Baukosten sollte die Stadt die zur Planung vorgesehenen Vorhaben „frühzeitig in Angriff nehmen und zügig umsetzen“.

Gleichzeitig spricht sich der FDP-Kreisvorsitzende dafür aus, sich von der Idee einer Auwald-Querung des Mittleren Rings im Südwesten zu verabschieden. Die Autobahn 38 habe in diesem Bereich zu veränderten Verkehrsströmen geführt. „Dieses Beispiel zeigt“, so Vosberg, „dass der Bau leistungsfähiger Verkehrsadern dafür sorgen kann, dass an anderen Stellen der Verkehr abnimmt.“

Trasse durch Parkanlagen?

Die Bürgerinitiative „Mittlerer Ring Ost/Südost – contra Bahnvariante“ kritisiert hingegen die Entwicklung – insbesondere den Plan, die Bahnvariante des Mittleren Rings Südost zu untersuchen. „Der Leipziger Südosten hat das geringste Stadtgrün pro Kopf“, konstatierte Michael Kerreit, Mitglied des Sprecherrates der Initiative. Der vorhandene Grüngürtel entlang der Bahnvariante sei ein wichtiger ökologischer Faktor in der Stadt und dürfe nicht für den Bau einer neuen Schnellstraße geopfert werden. Diese Trasse würde „nahezu ausschließlich durch Stadtgrün führen – durch Parkanlagen in Stötteritz und Stünz, Kleingartenanlagen, grüne Damm- und Einschnittbereiche sowie aktuell genutzte separate Fahrradtrassen“. Kerreit: „Das heraufbeschworene Verkehrsproblem ist doch vorrangig das des ruhenden Individualverkehrs, der zu kollabieren droht, und eines der vielen Baustellen zur Sanierung der bestehenden Verkehrswege. Da schaffen aber auch keine neuen Straßen Abhilfe, ganz im Gegenteil.“

Der Bürgerverein Sellerhausen-Stünz zweifelt die Prognosen der Verkehrswissenschaftler an, nach denen Leipzigs Lkw-Verkehr bis zum Jahr 2030 um reichlich 30 Prozent wachsen wird. Das avisierte Wachstum der Bevölkerung liege im selben Zeitraum nur bei rund 20 Prozent, betonten die Vorstandsmitglieder Axel Kalteich, Martin Handke und Michael Scharlott. Zudem würden auch Städte wie München, Stuttgart oder Hannover in Staus ersticken, obwohl sie gelungene Ringsysteme besitzen, wie sie jetzt in Leipzig vollendet werden sollen. Der Verein fürchtet, dass mit dem Neubau einer Nord-Süd-Querung der Transitverkehr durch die Stadt zunehmen wird, um Maut-Kilometer zu sparen. Auch in Leipzig seien die Flächen für Wohn- und Parkraum endlich.

Von Andreas Tappert

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