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Lokales Löwenapotheke Leipzig: Stadt will Wandbild erhalten – Einigung ist aber nicht in Sicht
Leipzig Lokales Löwenapotheke Leipzig: Stadt will Wandbild erhalten – Einigung ist aber nicht in Sicht
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00:17 04.08.2016
Das denkmalgeschütze Gebäude in der Grimmaischen Straße, das bis 2015 die Löwen-Apotheke beherbergte, bleibt erhalten. Quelle: LVZ
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Leipzig

Es dürften einige hunderttausend Menschen gewesen sein, die die Göttin der Getreideblüte im Haus in der Grimmaischen Straße 19 bewundert haben. Vor einem Jahr zog die Löwen-Apotheke aus den Räumen aus. Nach monatelangen Verhandlungen ist nun klar: Als Zeitzeuge der DDR-Architektur bleibt das markante Eckhaus stehen, die Zukunft des Wandgemäldes „Flora in der Waage“ im Erdgeschoss jedoch ist ungewiss.

„Das Haus wird nicht abgerissen“, sagt Projektkoordinator Alexander Folz auf Anfrage der LVZ. „Das Fassadenbild wird in Abstimmung mit der Stadt aufgearbeitet.“ Das heißt: Der Gebäudekern, das Stahlskelett, bleibt erhalten und ebenso der durch verspiegelte Fenster erzeugte Stil der Fassade. Zum Gemälde kann er sich nicht äußern. Wie ein lokaler Verwalter des vorwiegend in den USA und Kanada engagierten Eigentümers Rumpf Highstreets versicherte, sei das Kunstwerk zum Schutz vor Schäden mit einem Vorhang abgedeckt worden, es werde nach einer Lösung gesucht.

Zentrale Figur des Gemäldes ist Flora, in der römischen Mythologie Göttin der Getreideblüte und Sinnbild für Schönheit. Sie hält in ihrer rechten Hand eine Waage. Umgeben von allegorischen Symbolen führt sie dem Betrachter die Vergänglichkeit des Seins vor Augen.

Das vier mal neun Meter große Bild wurde von dem heute in Weida im Vogtland lebenden Künstler-Ehepaar Hans-Peter Müller (74) und Alexandra Müller-Jontschewa (68) geschaffen. Sie gehören zur zweiten Generation der Leipziger Schule, lernten ihr Handwerk bei Altmeister Werner Tübke. Die Flora war ihr erstes großes Wandbild. Surrealistische und mystische Motive durchziehen ihr künstlerisches Schaffen bis heute. Von Mai bis Juli 1983 verwirklichten sie das Gemälde im Auftrag des damaligen Rates des Bezirkes in der Löwen-Apotheke. Sie hoffen, dass ihre Flora auch künftige Generationen noch inspirieren kann. In Jena-Göschwitz hatten sie für Carl Zeiss ein 133 Quadratmeter großes Wandgemälde realisiert. An ihm können sich Besucher einer mittlerweile öffentlichen Kantine noch immer erfreuen. Vor einigen Jahren besserte Müller-Jontschewa einige Kratzer sogar noch selbst aus. Dazu wäre sie auch in Leipzig bereit. 2008 sah sie das Werk letztmalig bei einem Besuch in der Messestadt. „Es ist doch traurig, wenn die Bilder uns nicht mal überleben“, sagt sie.

Das Haus in der Grimmaischen Straße, für das – als es noch der Treuhandliegenschaftsgesellschaft gehörte – schon mal eine Abrissgenehmigung erteilt worden war (nur die Fassade sollte bleiben), steht heute unter Denkmalschutz. Änderungen an dem Bauwerk beantragte der jetzige Eigentümer im vorigen Jahr, was ihm auch genehmigt wurde. Im Mai 2016 sei dann ein Bauantrag gestellt worden, welcher aber noch nicht beschieden ist, beschreibt Kathrin Rödiger, amtierende Leiterin des Bauordnungsamtes, den Verfahrensstand.

Warum steht das von 1975 bis 1983 errichtete Gebäude überhaupt auf die Landesdenkmalliste des Freistaates? Rödiger: „Im Innenstadtbereich von Leipzig ist das Objekt eines der letzten städtebaulichen Zeugnisse der späten DDR-Architektur mit einer prägenden Wirkung in den öffentlichen Raum. Das Gebäude ist ein architektonisches Beispiel der Moderne in der DDR und wurde in Stahlskelettbauweise mit Vorhangfassade ausgeführt.“ Die Fassade aus Glas, Aluprofilen und Kottaer Sandstein weise klare Symmetrielinien auf. Das Erdgeschoss ist mit Beuchaer Granitporphyr verkleidet.

Ungewiss ist, ob der Denkmalsstatus auch das Wandbild umfasst. Im Rathaus ist man zumindest davon überzeugt: „Das Wandbild ,Flora in der Wage’ gehört zur gebäudegebundenen Ausstattung des Baudenkmals“, erläutert Rödiger. Ziel sei, es „möglichst am authentischen Ort zu behalten“.

Von Klaus Staeubert

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