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Löwenausbruch im Zoo Leipzig – Motshegetsi musste getötet werden

Tragischer Zwischenfall Löwenausbruch im Zoo Leipzig – Motshegetsi musste getötet werden

Die beiden neuen Löwen im Leipziger Zoo waren am Donnerstagmorgen aus ihrem Gehege ausgebrochen. Einer der beiden konnte wieder eingefangen werden, der zweite wurde erschossen.

Majo (rechts vorn) und Motshegetsi waren am Donnerstag aus ihrem Gehege entkommen. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nach der Flucht von zwei Löwen am Donnerstagmorgen aus ihrem Gehege im Leipziger Zoo konnte inzwischen Entwarnung gegeben werden. Wie Zoo-Direktor Jörg Junhold gegen Mittag auf einer Pressekonferenz erklärte, wurde eine der beiden Großkatzen von den Mitarbeitern des Tierparks um 11.30 Uhr wieder zurück ins Freigehege gedrängt. Der andere entlaufene Löwe musste indes durch einen Schuss getötet werden, hieß es. Zuvor hatte eine Narkose bei ihm offenbar nicht angeschlagen.

Der Ausbruch der beiden 15 Monate alten Etoscha-Löwen Majo und Motshegetsi ereignete sich um 8.40 Uhr aus dem Freigehege – noch vor der Öffnung des Tierparks für das Publikum, sagte Junhold. „Danach hat unsere Rettungskette lückenlos gegriffen, die Löwen konnten in einem begrenzten Gebiet gesichert werden.“ Die Tiere hätten sich nur etwa 20 Meter von der Löwenanlage des Tierparks wegbewegt und sich dann verängstigt wieder zurückgezogen. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Besucher, niemand wurde verletzt“, versicherte der Leipziger Zoo-Chef.

Löwen-Narkose unwirksam: Zoo-Mitarbeiter in Gefahr

Etwa 40 Mitarbeiter und mehrere Fahrzeuge des Tierparks kreisten die Tiere am Vormittag im Zoo ein. „Wir haben die Polizei auch gebeten, aufgrund eines bestehenden Restrisikos das Rosental abzusichern. Alles hat funktioniert“, erklärte Junhold. Die Zoomitarbeiter hätten danach Löwe Majo mit Hilfe eines Gitters in sein Gehege zurückdrängen können.

Motshegetsi musste am Donnerstag von Zoo-Mitarbeitern getötet werden.

Quelle:

Bei Motshegetsi gestaltete sich das Einfangen schwieriger. Erst kam ein Narkoseschuss zur Anwendung und es sah so aus, als könnte die Großkatze damit außer Gefecht gesetzt werden. Wie Junhold dann aber selbst während der Pressekonferenz von Mitarbeitern erfuhr, schlug die Narkose nicht wie gewünscht an, der Löwe durchbrach die Absperrung und musste zum Schutz von Menschenleben mit einem Schuss getötet werden, hieß es.

„Nachdem Majo eingefangen und Motshegetsi mit Narkosepfeilen getroffen worden war, hatten wir die Hoffnung, dass der Ausbruch ohne Verluste zu Ende geht. Die plötzliche Wendung hat uns alle schockiert, der Verlust macht uns extrem traurig, aber die Entscheidung war unausweichlich“, erklärte Junhold.

Wie es überhaupt zum Ausbruch der beiden Raubtiere kommen konnte, ist bisher noch unklar. Erste Vermutungen deuten darauf hin, dass die Tiere einen Wassergraben übersprungen haben könnten. Der Zoo-Chef wies darauf hin, dass das Gehege in seiner aktuellen Form seit 15 Jahren benutzt wird und es bisher keine Probleme gegeben habe. „Wir gingen davon aus, dass das Gehege sicher ist“, so Junhold. Experten sollen in den kommenden Tagen nun die technischen Umstände des Löwen-Ausbruchs klären und die Sicherheitsstandards im Zoo überprüfen. Junhold zeigte sich am Donnerstag auch erleichtert, dass sich die Flucht der Tiere noch vor der offiziellen Publikumsöffnung ereignet hatte und dass anschließend alle Notfallmaßnahmen perfekt funktioniert hätten.

Aufregung im Zoo Leipzig: Die beiden Etosha-Löwen Majo und Motshegetsi sind am Donnerstagmorgen aus ihrem Gehege ausgebrochen.

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Vor dem Zoo bildeten sich am Donnerstag Menschentrauben, darunter auch viele Schulklassen, die eigentlich einen Besuch geplant hatten. Die Wartenden wurden über den Zwischenfall informiert, hofften auf späteren Einlauss. Jene Besucher, die am Morgen direkt ins Gondwanaland gegangenen waren, konnten die Tropenhalle über Zugänge zur Straße verlassen.

Katzen erst seit August in Leipzig - Löwenjagd anno 1913

Majo und Motshegetsi waren beide noch Neulinge in der Messestadt, sollten die nächste Attraktion des Tierparks werden. Die 15 Monate jungen Tiere waren erst am 13. August aus dem Zoo in Basel als Ersatz für Kater Matadi nach Leipzig gekommen. Der 15 Jahre alte Matadi war nach dem Tod seiner langjährigen Weggefährtin nach Niedersachsen gebracht worden. Nach kurzer Eingewöhnungszeit waren die beiden neuen Leipziger Junglöwen seit gut einer Woche auch für Besucher auf dem Freigehege des Tierparks zu sehen.

Wie Junhold noch im August erklärt hatte, sollte mit Majo und Motshegetsi eine ganze afrikanische Löwenpopulation aufgebaut werden. Das entsprechende Zuchtbuch wurde in Leipzig angelegt. Der Zoo habe ohnehin seit jeher einen Ruf als „Löwenzoo“. Es sei ein „Herzensanliegen, das Wappentier der Stadt weiterhin zu halten“, so der Zoo-Chef damals.

Der Ausbruch am Donnerstag war nicht die erste Löwenflucht in der Messestadt. Die berühmteste ereignete sich im Oktober 1913, als sechs Großkatzen aus der Obhut einer privaten Tierschau entkommen waren. Die Löwen weilten damals für Feierlichkeiten zum hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht in Leipzig und könnten nach ihrem Auftritt auf einem Festplatz entkommen. Bei der anschließend als "Leipziger Löwenjagd" bekannten Suche nach den Tieren wurden alle sechs Flüchtigen getötet und für eine Woche lang im Zoo ausgestellt.

Tierrechtler: Wildtiere nicht in Zoos halten

Angesichts der Tragödie in Leipzig übte die Tierrechtsorganisation Peta am Donnerstag erneut scharfe Kritik an der Wildtierhaltung in Zoos. „Löwen haben einen natürlichen Freiheitsdrang. Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen in Zoos und Parks nutzen die Großkatzen jede sich bietende Gelegenheit, ihrem Gefängnis zu entkommen“, erklärte Sprecher Peter Höffken. Weitere Ausbrüche und tödliche Unfälle könnten nur verhindert werden, wenn Wildtiere nicht mehr eingesperrt würden. „Bestimmte Arten wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen leiden immens unter der Gefangenschaft und stellen eine permanente Gefahr für Besucher und Zoopersonal dar“, so Höffken. Nach Angaben von Peta können in Gefangenschaft geborene Großkatzen nicht ausgewildert werden und tragen daher ohnehin nicht zu deren Artenschutz bei.

Matthias Puppe

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