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Löwenausbruch im Zoo Leipzig erfolgte über Wassergraben – Umbau geplant

Neue Erkenntnisse Löwenausbruch im Zoo Leipzig erfolgte über Wassergraben – Umbau geplant

Es galt als unvorstellbar, am Donnerstagmorgen ist es im Zoo Leipzig trotzdem passiert. Die beiden ausgebrochenen Löwen konnten ihr Gehege über den 6,60 Meter breiten Wassergraben hin zum Publikumsschaufenster verlassen.

"Niemand kann nachvollziehen, wie es ist, wenn man zwei Löwen gegenübersteht und eine Entscheidung treffen muss", sagte Jörg Junhold am Freitag.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die beiden am Donnerstag ausgebrochenen Löwen im Zoo Leipzig haben offenbar tatsächlich den Wassergraben in Richtung Publikumsschaufenster überwunden. Das erkärte Zoo-Chef Jörg Junhold am Freitag auf einer Pressekonferenz im Tierpark. Ob die beiden Raubkatzen die Hürde übersprungen oder durchschwommen haben, ist noch unklar. „Den Ausbruch selbst hat niemand beobachten können“, sagte Junhold. Man gehe aber davon aus, dass die beiden Löwen gesprungen seien.

Laut des Zoo-Chefs sei es bisher nicht vorstellbar gewesen, dass Löwen den Graben überhaupt überwinden könnten. So etwas habe es bisher noch nicht gegeben. Der Graben am Freigehege sei 6,60 Meter breit – gut einen halben Meter breiter, als es die offiziellen Vorgaben für Löwengehege vorsehen. Zudem sei dort auch ein zusätzlicher Sicherheitsbereich mit Stromzaun von zwei Metern vorhanden. „Wir dachten bis gestern, unsere Anlage sei sicher. Bis auf den Wassergraben konnte auch keine weitere Funktionsstörung festgestellt werden“, erklärte Junhold. In den kommenden Wochen will der Tierpark die Außenanlage des Leipziger Löwengeheges nun gründlich überarbeiten. „Es werden bauliche Anpassungen vorgenommen, bis dahin wird es keine Tiere auf der Außenanlage geben“, so Junhold weiter.

Aufregung im Zoo Leipzig: Die beiden Etosha-Löwen Majo und Motshegetsi sind am Donnerstagmorgen aus ihrem Gehege ausgebrochen.

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Löwe Majo soll nicht allein bleiben

Wie es mit dem verbliebenen Löwen Majo weitergeht, ließ der Zoo-Chef noch offen. „Es geht hier immer noch um eine bedrohte Tierart, der Zoo Leipzig verfolgt weiter das Ziel, eine eigene Population aufzubauen“, sagte Junhold in Richtung der Kritiker, die am Donnerstag ein Ende der Wildtierhaltung gefordert hatten. Es sei bereits Kontakt mit dem Zoo in Basel aufgenommen worden, aus dem auch die beiden am Donnerstag geflüchteten Löwen in die Messestadt gekommen waren. „Klar ist, man kann einen Löwen nicht allein lassen. Wir werden wohl überlegt entscheiden, in welcher Konstellation Majo bei uns weiterleben wird“, sagte Junhold.

Der Zoo-Chef beschrieb zudem etwas detaillierter, wie der Tierpark am Donnerstag nach Bekanntwerden des Löwenausbruchs reagiert habe. Nach einem klar festgelegten Notfallplan seien um den Aufenthaltsort der beiden Tiere zwei Sicherheitskreise errichtet worden. „Das hat professionell funktioniert, ich habe den Einsatz selbst aus der zweiten Reihe koordiniert“, sagte Junhold. Der eine der beiden etwa 15 Monate alten Löwen - Majo - konnte von den 40 beteiligten Mitarbeitern mit Bauzäunen zurück in die Löwenanlage gedrängt werden.

Motshegetsi durchbrach Sicherheitskreis und wurde erschossen

Das sei bei Motshegetsi leider nicht gelungen. Zuerst habe man deshalb versucht, eine Narkose zu setzen und der zweite Löwe wurde nachweislich auch von drei Narkosepfeilen getroffen. "Beim Anfluten der Narkose durchbrach Motshegetsi dann aber den inneren Sicherheitskreis und wollte den zweiten auch durchbrechen. Es musste deshalb die schwere, unausweichliche Entscheidung getroffen werden, um die menschliche Unversehrtheit zu schützen“, erklärte der Zoo-Chef weiter. Die getötete Raubkatze wird danach in die pathologische Abteilung der Universität Leipzig gebracht und soll dort näher untersucht werden.

Junhold bedankte sich am Freitag bei allen Mitarbeitern des Zoos, die vor Ort um die Sicherheit gekämpft hätten. Viele seien dabei über die Belastungsgrenze hinaus gegangen. Der Zoo habe viel Lob und Unterstützung erfahren, sei allerdings auch zum Teil hart kritisiert worden. "Niemand kann nachvollziehen, wie es ist, wenn man zwei Löwen gegenübersteht und eine Entscheidung treffen muss", sagte der Tierpark-Chef. Keiner der Mitarbeiter habe leichtfertig oder unüberlegt gehandelt. "Der Verlust von Motshegetsi macht uns alle im Zoo traurig und betroffen, wir verwahren uns aber gegen die unsachgemäße Kritik. Jeder Einzelne von uns liebt und schützt Tiere, das ist unsere Herzensangelegenheit. Die Entscheidung und der Verlust wiegen für uns selbst und den Schutz der bedrohten Art am schwersten", hieß es.

Matthias Puppe

Die ganze Pressekonferenz im Video: www.facebook.com/lvzonline

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