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Lokales Lokführer wollen am Abend S-Bahn-Netz um Leipzig lahmlegen – Bahn organisiert Busse
Leipzig Lokales Lokführer wollen am Abend S-Bahn-Netz um Leipzig lahmlegen – Bahn organisiert Busse
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15:05 01.09.2014
Das mitteldeutsche S-Bahn-Netz soll am Abend bestreikt werden. Betroffen ist davon auch der Verkehr im Leipziger City-Tunnel. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig/Berlin

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) rief neben Zugführern des Regional- und Fernverkehrs auch ihre Mitglieder bei der S-Bahn-Mitteldeutschland auf, von 18 bis 21 Uhr die Arbeit niederzulegen, wie der Landesbezirksvorsitzende Frank Nachtigall am Montag sagte. Die Gewerkschaft wolle „volle Breitseite“ geben. Betroffen ist davon auch der Verkehr im City-Tunnel.

Hintergrund ist ein seit Monaten andauernder Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn. Der Ausstand am Montag betreffe bundesweit alle Verkehrsgesellschaften, auch den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr, sagte GDL-Streikleiter Thomas Gelling in Frankfurt. „Wir rechnen mit ganz erheblichen Ausfällen.“ Regionale Schwerpunkte gebe es nicht. Hauptstoßrichtung des Warnstreiks sei aber der Güterverkehr.

Bahn kann um Leipzig keinen Ersatzverkehr garantieren

Die Bahn warf der Gewerkschaft vage und widersprüchliche Informationen über das Ausmaß des Arbeitskampfes vor. Wie viele Bahn-Mitarbeiter sich beteiligen, war bis zum Mittag unklar. „Wir können deshalb nicht abschätzen, wie stark die Auswirkungen sein werden“, sagte der für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen zuständige Bahnsprecher Jörg Bönisch gegenüber LVZ-Online. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die Folgen des Streiks den ganzen Abend zu spüren sein werden. Welche Strecken rund um Leipzig betroffen sind, könne erst sehr kurzfristig gesagt werden.

Die Vorbereitung von Ersatzmaßnahmen läuft seit der Streikankündigung am Vormittag auf Hochtouren. „Wir bemühen uns, Busse zu bestellen. In der Kürze der Zeit kann man aber flächendeckend keinen Ersatzverkehr organisieren“, schränkte Bönisch ein. Zumindest an den größeren Bahnhöfen sollen Fahrzeuge bereitstehen, sagte er. Zur Hilfe für die Reisenden will die Bahn zudem ihr Servicepersonal mit hunderten zusätzlichen Mitarbeitern aufstocken.

Kostenlose Ticket-Erstattung möglich

Erst kurzfristig entscheidet sich, wie viele S-Bahnen am Abend rund um Leipzig ausfallen. Quelle: Ralf Kranert

Betroffenen Kunden bietet die Bahn an, Fahrkarten und Reservierungen kostenlos erstatten zu  lassen. Alternativ könnten Reisende den nächsten – auch höherwertigen – Zug nutzen, hieß es in einer Mitteilung. Bei zuggebundenen Angeboten werde die Zugbindung aufgehoben. Aktuelle Informationen über Ausfälle und Verspätungen erhalten Reisende unter der Servicenummer 0180 / 6 99 66 33, unter www.bahn.de/aktuell oder unter m.bahn.de.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wies den Gewerkschaftsvorwurf zurück, er blockiere die Tarifverhandlungen. „Wir werden in der Sache nicht vorankommen, wenn wir uns über die Medien unterhalten statt miteinander am Verhandlungstisch zu sitzen“, sagte er nach Bahnangaben in Köln.  

Die Bahn forderte die GDL dazu auf, ihren Warnstreik-Aufruf zurückzunehmen. Man habe am Morgen ein neues Tarifangebot vorgelegt. Es enthalte die Bereitschaft, über alle Tarifforderungen der GDL für Lokomotivführer zu verhandeln. „Darauf hat die GDL zu reagieren. Ich gehe davon aus, dass sie reagiert“, sagte Weber.

GDL fordert fünf Prozent mehr Gehalt

Die GDL hatte jedoch nicht nur für die rund 20.000 Lokführer, sondern auch für 17.000 andere Beschäftigte des Zugpersonals Forderungen erhoben, für die bisher die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelte. Die GDL verlangt für sie alle fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Die bislang letzte Verhandlungsrunde mit den Lokführern ging am 20. August ergebnislos zu Ende, ohne dass ein neuer Termin vereinbart wurde.

GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn vor, den Warnstreik provoziert zu haben, indem sie seine Gewerkschaft in eine Kooperation mit der EVG drängen wolle. „Wir werden darum die bereits eingeleiteten Warnstreiks nicht nur wie geplant durchführen, sondern noch weitere folgen lassen, wenn der Arbeitgeber seine Position nicht verändert“, teilte Weselsky mit.

Robert Nößler / dpa

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