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Lokales Lustlos auf dem Spielplatz: Uni Leipzig Studie enthüllt Depression bei Vorschulkindern
Leipzig Lokales Lustlos auf dem Spielplatz: Uni Leipzig Studie enthüllt Depression bei Vorschulkindern
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13:11 25.04.2014
Buntes Kita-Leben - aber auch kleine Kinder können schon unter Depression leiden. (Archivbild) Quelle: dpa
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Leipzig

 Zwölf Prozent in einem Kindergartenjahrgang weisen bei der Studie Symptome von Depression und Ängstlichkeit auf.

„Psychische Krankheiten sind in der Gesellschaft heute anerkannter als früher“, teilte Psychotherapie-Forscher Kai von Klitzing mit. „Dennoch glauben viele, die Kindheit sei sorgenfrei. Das ist aber eine Illusion.“ Wenig Interesse, dauerhaft Traurigkeit und Lustlosigkeit sind mögliche Zeichen der Krankheit bei jungen Kindern, so der Psychotherapeut.

Symptome „ganz konkret“ beim Spielen zu sehen

Dabei sollten Eltern genau auf das Verhalten des Kindes achten. „In dem Alter ist das Spielen so wichtig“, erklärt von Klitzing. „Dabei kann man die Symptome ganz konkret sehen.“ Wenn sich das Kind stets auf negative Themen konzentriert, und dieses Verhalten über einige Monate hinauszieht, könnten dies Hinweise auf eine Kinderdepression sein. 

Ein wichtiger Unterschied sollte allerdings zwischen temporären Phasen wie Trennungsängsten in den ersten paar Schulwochen und längeren Stimmungseinschränkungen gemacht werden. „Wenn ein Kind zum Beispiel Angst vor Hunden hat, ist diese Phobie nicht unbedingt einschränkend“, erklärt von Klitzing. „Wenn es deswegen das Haus überhaupt nicht verlassen will, weil irgendwo draußen ein Hund sein könnte, ist das Verhalten lebenseinschränkend.“

Besonders betroffen waren Kinder mit depressiven Eltern. Negative Erfahrungen in der frühen kindheit wie Misshandlung, trennungen und Leistungsdruck hatten auch starken Einfluss auf die Gesundheit des Kindes. Vor allem seien Kinder mit Depressiv- und Angstphasen anfälliger, darunter auch als Erwachsene zu leiden, so das Uni Forscherteam. Deshalb sei die Früherkennung so wichtig: Bei Erwachsenen leiden 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter Depression.

Bei der Untersuchung wurden die Eltern von 1740 Kindern im Kindergartenalter nach dem Verhalten ihren Nachkommen befragt. Demnach wiesen über 200 bzw. zwölf Prozent der untersuchten Kinder erhöhte Ängstlichkeit und depressive Verstimmtheit auf. Diese Kinder und ihre Eltern wurden dann zu einer vertieften Diagnostik in die Klinik eingeladen, um einen genaueren Blick auf  ihre Symptome zu schaffen. Das Ergebnis: Bei etwa der Hälfte waren die Verstimmungen sogar stark ausgeprägt.

Erfolg in Kurzzeittherapie mit Rollenspiel 

Kurzzeittherapie sollte den Kindern mit solchen Verstimmungen helfen, um die tiefliegenden Probleme herauszuarbeiten. In einer zweiten Studie des Forscherteams wurden 30 Kinder über 25 Therapie-Sitzungen untersucht, mit „erstaunlichem Erfolg“: Bei allen Kindern verminderten sich die Symptome und mehr als die Hälfte war am Ende völlig störungsfrei.

Innerhalb den Therapie-Sitzungen wurden teils Rollenspiele durchgeführt, damit die Kinder ihre bestimmten Schwerpunkte abbilden könnten. Die Eltern waren in 20 der Sitzungen dabei, um gemeinsam mit den Therapeuten die möglichen Auslöser festzustellen.

Das Forscherteam arbeitet seit sieben Jahren zum Thema Depression im Kindesalter. Mit der Studie will von Klitzing die Früherkennung einer Krankheit ermöglichen, die später nicht nur für die Betroffenen eine Belastung darstellt: Allein die depressionsbedingten Frühverrentungen kosten dem Staat rund 1,5 Milliarden Euro jährlich. Zudem melden sich nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit 300.000 Personen im Jahr wegen ihrer Depression als arbeitsunfähig.

Krysta Brown

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