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Lokales Luxemburgerin öffnet „Kuschel-Kiste“ Leipzig
Leipzig Lokales Luxemburgerin öffnet „Kuschel-Kiste“ Leipzig
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11:00 20.11.2017
Elisa Meyer ist davon überzeugt, dass Kuscheln therapeutische Qualitäten hat. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

„Ich bin neugierig auf Menschen und freue mich darauf, den Osten zu bekuscheln“, sagt Elisa Meyer. Erst seit knapp zwei Wochen wohnt die junge Frau in Leipzig. „Ich habe in Wien einen Kuschel-Service gegründet, den ersten in Österreich. Nun bin ich nach Leipzig gezogen und mit mir die Kuschel-Kiste.“

Auch manche Kitas nennen sich Kuschel-Kiste. Doch die von Elisa befindet sich in ihrer kleinen Schleußiger Dachwohnung. Perfekt sei diese natürlich noch nicht eingerichtet. Das Wichtigste aber ist schon vorhanden: Eine Gesprächsecke und ein Sofa für mehr Nähe. Alles umrahmt von vielen Büchern. Ebenfalls nicht zu übersehen: zahlreiche Kuscheltiere. Weniger als Ersatz für Körperkontakt – vielmehr erinnern sie an die guten Gefühle, die man als Kind damit hatte: Geborgenheit, Liebe, Zuwendung. Auch Elisa geht es nicht um Lust, Erotik, sexuelle Stimulation. Ihre sanften Streicheleinheiten sollen beruhigen und entspannen: „Kuscheln ist Therapie. Körperkontakt mit anderen ein menschliches Grundbedürfnis. Denn dadurch wird das Glücks-Hormon Oxytocin ausgeschüttet und Cortisol gesenkt. Man gelangt in einen entspannten Schwebezustand, in dem sich der Körper regenerieren kann.“ Die Selbstheilung werde gefördert. Natürlich sei dafür Vertrauen notwendig. „Kuscheln ist intimer als nur Sex.“ Ein offenes Herz gehöre dazu. Das spürt, wer Elisa näherkommt. Denn die 31-jährige Profikuschlerin besitzt die richtigen Eigenschaften: Sie kann zuhören, hat Humor, Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Auch Letzteres ist es, was sie nach Leipzig führte.

„Ich bin unter anderem wegen Martin Grunwald – dem Berührungsexperten schlechthin – nach Leipzig gezogen. Gemeinsam kämpfen wir für den oft unterschätzten Tastsinn. Fühlen und tasten sei viel wichtiger für unser Überleben als sehen, hören, riechen und schmecken“, weiß Grunwald. Der Psychologe forscht im Haptik-Labor am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, wie der menschliche Tastsinn wirkt. Wer ständig schlechte Laune hat, sei vielleicht einfach nur unterkuschelt, vermutet der international renommierte Pionier der Haptik-Forschung.

Und warum hat Elisa das Kuscheln zu ihrem Beruf gemacht? Eigentlich studierte die gebürtige Luxemburgerin ja Germanistik und Philosophie in Freiburg, schrieb ihre Doktorarbeit. „Doch das Studium war mir oft zu kopflastig. Dennoch würde ich gern zum Tastsinn in der Literatur forschen. Mit einem Psychologen als Vater habe ich schon als Kind gelernt, hinter die Oberfläche der Menschen zu schauen. Später recherchierte ich, suchte nach alternativen Therapieformen: Wo sitzt das Ich? Im Gehirn, im Körper oder in der Seele. Als ich einen Artikel über professionelle Kuschler in Amerika las, war die Idee da.“ Gemeinsam mit Freunden und Bekannten aus Österreich und Deutschland bietet Elisa Meyer an, professionell mit Menschen zu kuscheln. „Kuschel-Abende sind ein sicherer Raum. Schließlich ist es nur an wenigen Orten in der Gesellschaft erlaubt oder gern gesehen, Menschen zu streicheln und zu umarmen. Meine Spezialität: Full-body-Kontakt, Reden beim Kuscheln, Kuschel-Raufen.“

Wer sind die Menschen, die zu Elisa kommen? Oft seien es Männer und Frauen, die eine feste Beziehung vermissen. „Auch Frauen mit Missbrauchserfahrung, die sonst keine Berührung aushalten, lernen, diese wieder zu akzeptieren. Und selbst Paare, bei denen sich die immer gleichen automatischen Abläufe verfestigt haben, erkunden sich neu. Bevor wir uns körperlich nahekommen, taste ich mich langsam heran: Spreche mit jedem Kunden, um die Motivation zu erfahren, aber auch um Grenzen abzustecken. Und natürlich, um die Wünsche zu hören, von all jenen die sich nach Berührung sehnen.“

www.cuddlers.net
E-Mail: cuddlerslisi@gmail.com

Von Ingrid Hildebrandt

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