Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales MDV-Chef: „Wir können nicht auf Preissteigerungen verzichten“
Leipzig Lokales MDV-Chef: „Wir können nicht auf Preissteigerungen verzichten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:01 30.08.2018
MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann will die Mobilität in der Region verbessern und braucht dafür Geld. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Die Ticketpreise im Nahverkehr werden auch in den nächsten Jahren immer weiter klettern – zumindest, wenn es nach dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) geht, der die Tarife festlegt. „Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Jahren auf Preisanpassungen verzichten können“, erklärte MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann, dessen Vertrag vor wenigen Tagen erst um fünf weitere Jahre verlängert wurde. „Der Nahverkehr braucht ausreichend Mittel, um das bestehende Angebot zu erhalten und weiter auszubauen. Geringere Preissteigerungen hängen davon ab, inwieweit es gelingt, den Bund, das Land und die Kommen zu einer weiterführenden Mitfinanzierung zu bewegen.“ Lehmann sieht deshalb in dem Einwerben dieser Mittel einen Schwerpunkt seiner Arbeit der nächsten fünf Jahre.

Wie berichtet, sehen viele im Leipziger Stadtrat inzwischen weitere Preisanhebungen im Nahverkehr ganz anders als der MDV-Geschäftsführer. Lange Zeit forderte dort „nur“ die Linksfraktion ein „Tarifmoratorium“, also das Einfrieren der Fahrpreise. Inzwischen ist auch die grüne Ratsfraktion dieser Ansicht. „Wir wollen keine Fahrpreiserhöhung im nächsten Jahr“, bringt dort Fraktionschefin Katharina Krefft die Position der beiden starken Ratsfraktionen auf den Punkt, die dafür einen gemeinsamen Antrag im Stadtrat gestellt haben. Im Gegenzug wollen Grüne und Linke den Zuschuss erhöhen, den die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) jährlich von der Stadt erhalten: Statt 45 Millionen Euro sollen schon 2019 und 2020 jeweils 50 Millionen Euro als Zuschuss an das stadteigene Unternehmen fließen. Abgestimmt werden soll über die Forderung der beiden Fraktionen im nächsten Stadtrat am 19. September.

Die Stimmen der Grünen und Linken reichen zwar nicht für die erforderliche Ratsmehrheit aus, doch auch in anderen Fraktionen sind viele Abgeordnete über die ständigen Preissprünge nach oben verärgert. Die LVB hätten inzwischen „enorme Preise“, heißt es dort. Deshalb müsse dringend etwas geschehen, um den weiteren Anstieg zu stoppen. Vor allem Abgeordnete der SPD- und der Freibeuter-Fraktion könnten deshalb den Antrag von Grünen und Linken unterstützen und ihm so die erforderliche Ratsmehrheit verschaffen.

Ob dies geschieht, dürfte vom Schicksal des gemeinsamen Antrages von SPD und Freibeutern abhängen. Sie wollen den LVB zusätzliche Investitionszuschüsse von jährlich sechs Millionen Euro zukommen lassen sowie jährlich aus weiteren zehn Millionen Euro einen „ÖPNV-Mobilitätsfonds“ bilden, damit die LVB im Jahr 2023 daraus rund 50 Millionen Euro Eigenmittel erhalten können, um dann Großprojekte für bis zu 200 Millionen Euro in Angriff zu nehmen (die LVZ berichtete). Die SPD will so erreichen, dass die Fahrpreissteigerungen der LVB in den Jahren 2019 und 2020 auf maximal zwei Prozent begrenzt werden, was einer Halbierung entspräche.

Obwohl der MDV in seinen Preisentscheidungen souverän ist, kann er den Willen der Stadt Leipzig nicht einfach ignorieren. Denn die stadteigenen LVB sind sein größtes Mitgliedsunternehmen – bis auf die Verkehrsbetriebe der Stadt Halle sind alle anderen Verbundunternehmen deutlich kleiner. Die Folge: Würde Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) die Vertreter seiner Stadt in den MDV-Gremien anweisen, gegen weitere Fahrpreissteigerungen zu stimmen, würde sich der Verbund wohl vor einer Kraftprobe mit Leipzig scheuen.

MDV-Geschäftsführer Lehmann wird deshalb nicht müde, die Vorteile weiterer Preisanhebungen zu betonen. Gestützt auf diese Mittel will er in den nächsten Jahren die Vernetzung der beiden Oberzentren Leipzig und Halle mit den Landkreisen weiter vorantreiben. „Wir wollen die Busangebote in den Landkreisen so umbauen, dass die Mobilität dort zukünftig noch besser ohne eigenes Auto möglich wird“, sagt der 50-Jährige. „Dazu müssen wir die Bussysteme besser mit den Eisenbahnen vernetzen, damit die Leute leichter in die beiden großen Städte kommen und umgekehrt.“

Sein 43 Mitarbeiter starkes MDV-Team plant auch eine Digital-Offensive. „Es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis der Papierfahrschein in großen Sprüngen durch digitale Medien abgelöst wird“, erläuterte Lehmann. „Zum Beispiel durch Chipkarte, Handy, Armbanduhr und Personalausweis.“ Darüber hinaus will der MDV weiter wachsen – also für noch mehr Fahrgäste in einem größten Verbundgebiet abgestimmte Fahrpläne und -preise anbieten. So ist im Dezember 2019 ist eine große Verbunderweiterung im Schienenpersonennahverkehr geplant, die die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und die Stadt Dessau-Roßlau in den MDV integrieren soll.

Von Andreas Tappert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Polizeikräfte haben am Donnerstag in Leipzig-Connewitz das Linxxnet-Büro durchsucht. Es besteht ein Zusammenhang zum G20-Gipfel.

30.08.2018

Das Ferienende sorgt für Belebung auf dem sächsischen Arbeitsmarkt. Auch in Leipzig ist die Zahl der Arbeitslosen erneut auf einen historischen Tiefstand gesunken. Vor allem bestimmte Branchen suchen Fachkräfte.

30.08.2018

Seit dieser Saison wird in Belantis unter spanischer Flagge Spaß gemacht. „Parques Reunidos“, börsennotierter Besitzer vieler Parks in Europa, hatte den Freizeitpark Anfang des Jahres übernommen. Überwiegend hinter den Kulissen hat sich seitdem viel geändert. Ein neues Fahrgeschäft ist für 2019 geplant.

30.08.2018