Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Mach's gut, liebe Jutta
Leipzig Lokales Mach's gut, liebe Jutta
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jutta Rosch - war bei allen Problemen und Nöten herzlich, fröhlich, dem Leben zugewandt. Quelle: Andre Kempner
Anzeige

Das Herz und die Seele des Leipziger Aids-Hilfe-Vereins. Wie jetzt bekannt wurde, verstarb sie völlig unerwartet bereits in der Nacht vom 24. zum 25. Juni mit 71 Jahren.

Sozialarbeiterin war sie im Verein. Seit 1994. Über 16 Jahre lang. "Sie war für die Zu-kurz-Gekommenen da, mit einem unvergleichlichen Gerechtigkeitssinn", sagt über die Weggefährtin Hans Probst, der von Beginn an bis 2008 im Verein tätig war und ihn jahrelang geleitet hatte. Eifrig sei Jutta gewesen. "Nie sah sie auf die Uhr. Wenn ihr etwas wichtig und richtig erschien, war sie diesbezüglich nahezu ,gnadenlos' - sowohl sich selbst als auch ihren Mitstreitern gegenüber", so Probst.

 "Jutta prägte das Profil der Leipziger Aids-Hilfe sehr entscheidend mit", bekräftigt mit Peter Thürer ein weiterer langjähriger Kollege. "Sie nutzte stets die Gunst der Stunde, Kontakte zu knüpfen, der Aids-Hilfe Leipzig in der Öffentlichkeit ein Gesicht - fernab der ,Schmuddel-ecke' - zu geben. Für viele Menschen mit HIV und Aids war sie nicht nur professionelle Beraterin, sondern auch Freundin und manchmal gar ,Mutti'."

 Ganz viele Leute jeden Alters haben Jutta Rosch all die Jahre über "voll in ihrem Element" erleben dürfen: Was war sie in Schulen der Stadt und in den Landkreisen auf Achse, um junge Leute über die Immunschwächekrankheit aufzuklären! Herzlich-resolut, stets dem Leben zugewandt und ausgestattet mit einer unschlagbar praktischen Ader, fand sie auf Anhieb Zugang zu Heranwachsenden. "Sie war der scheinbar nie ermüdende Motor, der viele mitzog", sagt Sozialarbeiter Thürer. Große Bühnen hat sie dabei auch nicht gescheut. 1996 etwa, während der Bundespositivenversammlung, die - damals erstmals in den neuen Bundesländern - in Leipzig stattfand, mischte sie kräftig mit. So, dass sie auch in den Folgejahren unverzichtbarer Bestandteil jener Kongresse für Menschen mit HIV und Aids blieb.

 Sachsens Sozialministerium verlieh ihr die Ehrenmedaille "Für herausragende Leistungen im Kampf gegen HIV und Aids". Die Anerkennung freute sie. Vor sich her trug sie sie nie.

 2010 ging Jutta Rosch in Rente. Und war nicht wirklich "weg". Sondern eher ehrenamtlich für "ihren" Verein unterwegs. "Sie kümmerte sich bei uns unter anderem um den Einkauf und hielt noch Kontakt zu einigen Klienten", so Thürer. "Für diese war sie sogar noch am 24. Juni Lebensmittel von der Leipziger Tafel abholen und für unser Begegnungscafé einkaufen gefahren."

 Gemeinsam mit ihrem Ehemann, den zwei Kindern und Enkeln ist nun nicht nur Leipzigs Aids-Hilfe traurig über Jutta Roschs plötzlichen Tod. Die Trauerfeier für die gebürtige Wurznerin soll am 31. Juli auf dem Friedhof in Deuben stattfinden, anschließend wird ihre Urne im Friedwald Bennewitz beigesetzt werden. Es war ihr Wunsch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
Raulien, Angelika

Anzeige