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Lokales Mächtig gewaltig! Drei Leipziger haben einen Plan zur Olsenbande
Leipzig Lokales Mächtig gewaltig! Drei Leipziger haben einen Plan zur Olsenbande
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00:18 31.10.2016
Morten Grunwald, Ove Sprogøe und Poul Bundgaard (von links) spielten die Helden der dänischen Gaunerkömodie: Benny, Egon und Kjeld. Quelle: MDR
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Leipzig

Mächtig gewaltig wird es ganz sicher, was Benjamin Ondruschka (32), Denis von Ngoc (39) und Steffen Bratanow (45) am 11. und 12. November vorhaben. Im Herrenhaus Möckern stellen die drei Leipziger dann ihre Untersuchungen zu den dänischen Kultfilmen der Olsenbande vor. Und zwar aus Sicht ihrer jeweiligen Profession – als Gerichtsmediziner, Jurist sowie forensischer Psychiater.

Am Anfang standen Pausengespräche zwischen Freunden über die Streiche der Kleinganoven Egon Olsen, Benny Frandsen und Kjeld Jensen. „Aus Spaß hatten wir mit der Analyse der insgesamt 14 Filme angefangen“, berichtet Ondruschka, der am Rechtsmedizinischen Institut der Universität arbeitet. „Bald stellte sich heraus, das kostet richtig Zeit, wenn man es wissenschaftlich bearbeiten will.“ Die Ergebnisse der Forschungen fielen letztlich so ergiebig aus, dass sie soeben im „Archiv für Kriminologie“ veröffentlicht wurden, der ältesten kriminologischen Zeitschrift der Welt. Die Redaktion dieser hoch angesehenen, 1898 begründeten Publikation sitzt in Freiburg im Breisgau, weshalb der dortige Chef die Olsenbande bislang noch nicht mal kannte. „Er hat aber gesagt, er wolle sich jetzt die Filme unbedingt mal anschauen“, so Rechtsanwalt von Ngoc. In Ostdeutschland, Polen, Ungarn und natürlich in Dänemark seien die zwischen 1968 und 1998 entstandenen Filme Allgemeingut. Fast jeder erkenne schon nach den ersten fünf Tönen die Titelmelodie. In den alten Bundesländern blieb der Erfolg recht überschaubar. Grund dafür war vor allem, dass die Filme dort oft stark gekürzt oder mit einer lieblosen Synchronisation versehen wurden, glaubt Psychiater Bratanow vom Städtischen Klinikum St. Georg. Hingegen ließ die Defa-Synchronisation Oststars wie Helga Hahnemann (als Sprecherin von Kjelds Ehefrau Yvonne) ran. Die Themen, welche bei den Gaunerkomödien neben den „genialen Coups“ verhandelt werden, seien durchaus universell: „Die Bandenmitglieder treibt der Wunsch nach einem sorgenfreien Leben in Luxus und Überfluss an – also normalpsychologische Motive.“ Benny und Kjeld seien gelangweilt von ihrem Leben in öder Normalität und familiärer Enge. Auch deshalb würden sie Egon nach jeder seiner (insgesamt 25!) Haftentlassungen begeistert begrüßen. Obwohl dann gern ein Tuborg-Bier gezischt wird, lasse sich „keine Diagnose im Spektrum der Suchterkrankungen“ festmachen. Selbst bei Bandenchef Egon, dem der Fachmann eine nachhaltige kriminelle Prägung und narzisstische Züge bescheinigen muss, erkenne er keine Persönlichkeitsstörung in jener Art, dass dies eine Schuldunfähigkeit begründen könnte.

Hart für die beliebten Helden fällt das Urteil des Juristen aus. Nach deutschem Strafrecht hätte die Bande („der Bundesgerichtshof bestätigt den Bandenbegriff für einen Zusammenschluss von mindestens drei Personen“) schon nach den ersten Folgen Freiheitsstrafen von jeweils zwischen fünf und zehn Jahren kassieren müssen. Egon würde nach dem vierten Einrücken zudem die Sicherungsverwahrung drohen. Schon durch den stets wiederkehrenden Ausspruch „Ich habe einen Plan“ sei von einer kriminellen Vereinigung gemäß Paragraf 129 Strafgesetzbuch auszugehen. Bei allen Fällen des besonders schweren Diebstahls und anderer Delikte lande im Film aber stets nur der namensgebende Bandenchef hinter Gittern. Und das fast immer wegen Lappalien wie einer zerstörten Scheibe.

Gerichtsmediziner Ondruschka findet unter anderem sympathisch, dass in 22 Kinofilmstunden kein einziger Blutstropfen zu sehen ist. Und auch noch so schlimme Blessuren mit Hausmitteln wie Pflaster und Wadenwickeln behoben werden.

Zu den Vorträgen wird ein Festmenü aus dem zehnten Olsenbanden-Film sowie dänischer Wein serviert; www.herrenhaus-leipzig.de

Von Jens Rometsch

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