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Lokales Mäusezirkus, Klinikclowns, Geburtstag und ein Klo-Einsturz
Leipzig Lokales Mäusezirkus, Klinikclowns, Geburtstag und ein Klo-Einsturz
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00:23 02.12.2015
Spaßmacher Gerald Ruppert mit Partygast.  Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

 Zu DDR-Zeiten war sein Mäusezirkus ein Publikumsmagnet, bis zu 40 Vorstellungen im Monat absolvierte Gerald Ruppert mit seinen vierbeinigen Kollegen. Und das, obwohl er bei den Behörden des Landes immer wieder aneckte. Weil seine zwei Brüder ausgebürgert worden waren, erhielt er lange Zeit nicht den erforderlichen Berufsausweis.

„In der DDR musste man ein Arbeitsverhältnis haben, sonst galt man als asozial“, erinnert sich Ruppert. Deshalb begann sein Tag morgens um vier mit seinem Job als Heizer. Danach kamen Vorführungen in Kindergärten, bei Brigade-, Weihnachts-, Kindertags- und Frauentagsfeiern. Quer durch die ganze Republik. Seine Mäuse liefen durch Feuerreifen oder ließen sich auf den Kopf der Katze namens „Teufelsbraten“ setzen. Mehrmals war seine Show auch im DDR-Fernsehen zu sehen, unter anderem bei „Ein Kessel Buntes“. „Der Erfolg war da. Aber bei den Prüfungen für meinen Abschluss als Unterhaltungskünstler bin ich immer wieder durchgefallen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Prüfungskommission jedes Mal schon vorher abgesprochen hat, dass ich es nicht schaffen soll“, berichtet Ruppert. Auch seine Anträge auf Tourneen im Westen wurden von der Parteiführung abgelehnt, zum Beispiel mit Antworten wie dieser: „Mit einem Mäusezirkus kann man die sozialistische DDR nicht im nichtsozialistischen Ausland repräsentieren.“

Als der Unterhaltungskünstler seinen Berufsausweis endlich hatte, kam die Wende. Und mit ihr ungezählte Auftritte in den alten Bundesländern und im Ausland. Auch im Fernsehen war er häufig zu Gast, bei Karl Dall, Rudi Carrell, Harald Schmidt. Zum Mäusezirkus gesellte sich im Laufe der Zeit ein umfangreiches Kinderanimationsprogramm. „Zaubernder Weihnachtsmann oder Clown – ich mache die ganze Palette der Kinderunterhaltung“ sagt der 1950 in Weißenfels Geborene.

Im Jahr 2000 gründete er gemeinsam mit Freunden den Verein „Lachen hilft heilen“, der damals als erster in Sachsen Clowns in Kinderkliniken schickte. Vor fünf Jahren gab sich der Verein den Namen „Leipziger Sonntagsclowns“, weil die Mitglieder eben auch sonntags unterwegs sind, um die kleinen Patienten aufzuheitern.

Am Sonnabend nun stieg die große Jubiläumsparty anlässlich von 40 Jahren Mäusezirkus, 15 Jahren Klinikclowns, 65 Jahren Ruppert und 25 Jahren Klo-Einsturz. Letzterer ereignete sich, als Ruppert gerade mit den Mäusen den Feuertrick geübt hatte. Eigentlich wollte er zur Toilette, aber Maus „Erich“ entwischte, die Katze sprang hinterher. In dem Moment gab es einen riesigen Knall im Treppenhaus, die Nachbarin rief laut um Hilfe. Sie war durch den Boden in ihrer Toilette auf halber Etage gebrochen. „Wenn ich zu der Zeit auf meiner Toilette darunter gesessen hätte, dann wäre ich nicht mehr am Leben“, ist Ruppert überzeugt. „Erich hat mir mit seinem Ungehorsam das Leben gerettet.“

70 Gäste, darunter die DDR-Schlagerstars Regina Thoss und Hans-Jürgen Beyer, feierten im Hotel Windorf in Großzschocher – Familie, Freunde, Weggefährten. Den höchsten Stellenwert nahm für den Vereinsvorsitzenden eindeutig das Jubiläum der Klinikclowns ein. Die waren auch zahlreich vertreten, sowohl aktuell tätige als auch ehemalige Vereinsmitglieder.

„Die Ostalgie-Party ist für mich eine Art späte Rache an den DDR-Behörden“, sagt Ruppert. Er las aus Briefen vor, die er damals vom Staatsrat, vom Rat des Bezirkes und der Volkspolizei auf seine Eingaben bekommen hatte. Seine Gäste kugelten sich vor Lachen. Auch eine Tombola, bei der jedes Los ein Ostprodukt wie Spreewaldgurken, Burger Knäckebrot oder Mona-Kaffee gewinnt, kam bei den Gästen super an. In Zukunft will Ruppert kürzer treten. „Ich freue mich auf ein ruhiges Künstlerleben im Alter mit viel Rückschau auf meine Erlebnisse“, sagt der Mäusezirkusdirektor.

Von Katrin Kleinod

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