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Magen-Darm-Erkrankung: Mehr als 1000 Kinder in der Region Leipzig und Dresden betroffen

Magen-Darm-Erkrankung: Mehr als 1000 Kinder in der Region Leipzig und Dresden betroffen

Die Zahl der Magen-Darm-Erkrankungen steigt in Sachsen an. Wie die Stadt Leipzig am Freitag mitteilte, meldeten 13 Schulen und eine Kita insgesamt 319 erkrankte Kinder und Jugendliche.

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Wolfgang Mauch von einem Reinigungsunternehmen putzt Klinken und Sanitäreinrichtungen des Döbelner Lessing-Gymnasiums mit spezieller Desinfektionslösung gegen Noro-Viren.

Quelle: Sens dpa

Leipzig. Dazu kommen mehr als 200 Fälle im benachbarten Markkleeberg. Dresden und die Sächsische Schweiz verzeichnen rund 650 Erkrankte. Sachsenweit sind nunmehr rund 2000 Kinder betroffen. Fälle werden auch aus Thüringen und Sachsen-Anhalt gemeldet. Es besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Erreger um das Norovirus handelt.

Bestätigte Stuhlproben lägen dem Gesundheitsamt bisher nicht vor. Erst am Montag sei mit Ergebnissen zu rechnen. Das Gesundheitsamt habe außerdem festgestellt, dass nicht alle Einrichtungen, in denen Kinder erkrankt sind, von demselben Essensanbieter beliefert werden. Das Veterinär- und Lebensaufsichtsmittelamt habe die Küchen zweier große Speisenhersteller überprüft.

Das Aufsichtsamt nahm nach Informationen der Stadt dabei die Hygiene im Betrieb unter die Lupe. Der Umgang mit den Lebensmitteln, die Hygieneeinhaltung beim Personal und im Betrieb allgemein wurden überprüft. Auch ob Mitarbeiter oder Menschen in deren engem Umkreis erkrankt sind, wollte die Stadt wissen. Einen weiteren Komplex bildeten die Speisenproben, die Untersuchung der Küchenutensilien und Tupferproben von den Einrichtungen.

"Im Ergebnis konnte ein Verdacht, wonach ein Lebensmittel ursächlich für die Erkrankungen ist, bislang nicht bestätigt werden", sagte Frank Stephan, Abteilungsleiter Lebensmittelüberwachung im Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt. Bei der Begehung seien auch keine Sorgfaltspflichtverletzungen in Sachen Hygiene ermittelt worden. Eine abschließende Bewertung sei aber erst möglich, wenn die Analyse der Proben vorliege.

Im Zusammenhang mit den Erkrankungen in Schulen und Kitas, von denen in den Ländern Berlin, Brandenburg, Thüringen und Sachsen mehr als 4000 Kinder und Jugendliche betroffen sind, wurde zunächst die Firma Sodexo genannt. Sie soll verschiedene Einrichtungen beliefert haben, in denen die Krankheitsbilder auftraten.

Sodexo: Keine Hinweise auf Essenslieferung als Ursache

Sodexo teilte am Freitag mit, dass es keine Hinweise gebe, die auf die Essenslieferungen als Ursache deuteten. Der Caterer verweist auf vergleichende Untersuchungen, die zwei Großküchen des Unternehmens betreffen. So sei aus einer Küche Essen an rund 80 Schulen und Kitas geliefert worden. Lediglich in vier Einrichtungen seien Erkrankungen festgestellt worden. Sodexo nennt auch eine zweite Küche mit 140 Anlieferstellen. Aus 18 von diesen seien später Erkrankungsfälle bekannt geworden.

Dessen ungeachtet teilte Sodexo bereits am Donnerstag mit, dass grundlegende Untersuchungen von Lieferscheinen, Temperaturkontrollen und Speiseplänen vorgenommen würden. Die Hygienmaßnahmen in den Küchen seien verstärkt worden. Mitarbeiter würden auf eine eventuelle Erkrankung untersucht. Einige Küchen haben die Belieferung auf Bitte der Behörden eingestellt.

Gesundheitsamt setzt auf Hilfe der Kinderärzte

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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren

Quelle: dpa

Das Gesundheitsamt Leipzig habe alle Kinderärzte angemailt und um Mithilfe gebeten, sagte Hygiene-Expertin Ingrid Möller gegenüber LVZ-Online. Klassen oder Schulen sind nach Angaben von Möller bisher nicht geschlossen worden. Allerdings sagte sie: „Jedes Kind, was erkrankt ist, darf nicht zur Schule gehen. Erst wenn zwei Tage keine Symptome auftreten, ist ein Schulbesuch wieder erlaubt. Zudem sollte auf die Händehygiene geachtet werden.“ Möller schloss nicht aus, dass am Freitag weitere Schulen und Schüler Erkrankungen melden.

Auch Nordsachsen und Landkreis Leipzig betroffen

Nach Angaben von Ralf Berger, Leiter der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur, sind neben den Schulen in Leipzig auch Einrichtungen in Nordsachsen und Landkreis Leipzig betroffen. "Treten Fälle an Schulen auf, melden diese sich sofort bei den Eltern. Die Kinder sollten anschließend zum Arzt geschickt werden", sagte Berger. Schulschließungen habe es der Region Leipzig bisher keine gegeben. Der Unterricht finde wie geplant statt.

Uni-Kinderklinik stellt nur leichten Anstieg der Infektionen fest

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Roland Pfäffle, stellvertretender Direktor der Uni-Kinderklinik.

Quelle: Zeyen Kempner

Die Leipziger Uni-Kinderklinik stellten nur eine leichte Häufung der Norovirus-Infektionen fest, so Roland Pfäffle, stellvertretender Klinik-Direktor. Nur wenige Fälle würden stationär behandelt. Noroviren gelten als sehr leicht übertragbar. Sie gehören zu den weltweit häufigsten Erregern für plötzlich auftretenden Brechdurchfall. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin kommen die Noroviren oft in Alten-, Pflege- und Kinderheimen vor. Der Nachweis der Viren im Stuhl ist meldepflichtig.

Die Erreger werden über den Stuhl des Menschen oder über Erbrochenes ausgeschieden. Sie verursachen Übelkeit, Durchfälle und Erbrechen, oft gepaart mit Bauchschmerzen und Mattigkeit. Vor allem bei Säuglingen und alten Menschen muss auf viel Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Todesfälle allein durch das Virus sind selten. Eine vorbeugende Impfung gibt es nicht.

Robert Berlin / Evelyn ter Vehn / Matthias Roth / Stephan Lohse / Jörg ter Vehn

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