Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Mahnmarsch für Kamal K. – 800 Teilnehmer demonstrieren friedlich durch Leipzig
Leipzig Lokales Mahnmarsch für Kamal K. – 800 Teilnehmer demonstrieren friedlich durch Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:54 26.10.2013
Rund 800 Teilnehmer nahmen an der Demonstration zum Gedenken an den vor drei Jahren von einem Rechtsextremen ermordeten Kamal K. teil, darunter auch Freunde und Familie des Mordopfers. Quelle: Dirk Knofe
Anzeige
Leipzig

Stadträtin Juliane Nagel (Linke), die die Demonstration angemeldet hatte, zeigte sich besonders berührt davon, dass die Familie des Ermordeten an dem Umzug teilnahm. Die beiden Brüder und die Mutter von Kamal hätten den Teilnehmern ihren Dank dafür ausgesprochen, dass die Demonstranten die Erinnerung an die Gewalttat wach hielten.

Allerdings habe Kamals älterer Bruder Ali auch Kritik geübt. In einem Redebeitrag am Gedenkort nahe des Hauptbahnhofs habe K. die Behandlung von Migranten durch die Behörden und die Polizei kritisiert. So würden Flüchtlinge wie die Familie K. oftmals kriminalisiert, obwohl sie keinerlei Straftaten begangen hätten.

Maximilian Schmidt von der Initiative „Rassismus tötet!“ hatte vor der Demonstration betont, dass der Protestmarsch nicht nur an Kamal K. erinnern sollte. „Zugleich kritisieren wir die fehlende politische und gesellschaftliche Sensibilität im Umgang mit rechter Gewalt. Weiterhin werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres sozialen Status oder ihrer Sexualität diskriminiert und in ihrer Unversehrtheit bedroht“, so Schmidt.

Bereits am Donnerstag war am Tatort der Ermordung vor dem Leipziger Hauptbahnhof ein Denkmal eingeweiht worden. Zusammen mit der Familie des Opfers hatten Vertreter von Stadt und Beratungsstelle für rechtsradikale Gewalt (RAA) eine Tafel entwerfen lassen. Laut der AG Erinnerungskultur der Stadt Leipzig solle das Mahnmal nur der erste Gedenkort für rechts motivierte Gewalt in der Messestadt sein. Der Tod des damals 19-jährigen Kamal K. gehört zu drei Mordfällen in Leipzig, die laut Bundesinnenministerium rechtsradikalen Hintergrund haben. Nichtstaatliche Stellen gehen allerdings noch von drei weiteren Todesfällen in Leipzig aus, die ebenfalls rechtsmotiviert waren.

Der gebürtige Iraker war in der Nacht zum 25. Oktober 2010 vor dem Hauptbahnhof von zwei Neonazis angesprochen und niedergestochen worden. Er starb wenig später an seinen schweren Stichverletzungen. Die beiden Täter wurden 2011 zu Gefängnisstrafen verurteilt, das Gericht sah es auch als erwiesen an, dass die Männer aus fremdenfeindlichen Motiven handelten. Der Haupttäter erhielt 13 Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung, sein Kumpan drei Jahre Freiheitsentzug.

mpu/chg

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Etwa 300 Menschen wollen am Samstagnachmittag in Leipzig mit einer Demonstration an die rassistische Ermordung von Kamal K. vor drei Jahren erinnern. Unter dem Motto „Remembering means fighting“ führt der Marsch ab 14.30 Uhr von der Südvorstadt in die City und vor dort in den Osten Leipzigs und wieder zurück bis zum Augustusplatz.

26.10.2013

Schlimmer Verdacht auf Leipzigs Friedhöfen: Werfen die Verwalter der Ruhestätten Urnen nach Ablauf der Liegezeit einfach in den Abfall? Lisa Ney aus Böhlitz-Ehrenberg befürchtet dies, nachdem sie beobachtete, wie an der Grabstelle ihrer Mutter die ausgebuddelten Urnen in Mülltüten gestopft wurden.

26.10.2013

Leipzig - die Stadt der Straßenmusiker. Wer durch die Innenstadt spaziert, stößt auf eine enorme Vielfalt. Es sind nicht nur Panflöten- und Akkordeon-Spieler, Geiger und Trompeter.

26.10.2013
Anzeige