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Lokales Leipziger Experten sind Geckos in Australien auf der Spur
Leipzig Lokales Leipziger Experten sind Geckos in Australien auf der Spur
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00:25 06.06.2018
Einer der mit einem Identifizierungschip auf dem Rücken bestückten Wüstengeckos in Australien. Quelle: Annegret Grimm-Seyfarth
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LEIPZIG

Die Fotos zeigen eine mit einem Sender bestückte Schuppenechse sowie Annegret Grimm-Seyfarth mit einer Peilantenne im australischen Kinchega-Nationalpark: Die Biologin vom Leipziger Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ) sondiert dort gerade mit ihrer Ortungstechnik Eukalyptusbäume, in denen sich die nachtaktiven Wüstengeckos tagsüber gerne verstecken. Einige der Reptilien wurden im Zuge des UFZ-Wissenschaftsprojektes fernab der Heimat mit Identifizierungschips versehen, um ihre Aufenthaltsorte verfolgen zu können. Sie tragen die Mini-Geräte auf dem Rücken, denn für eine Implantation sind die nur fünf Zentimeter langen Tiere viel zu klein.

Der betriebene Aufwand hat einen guten Grund: Das Team vom UFZ ist bei dem Vorhaben am anderen Ende der Welt der Frage nachgegangen, wie bestimmte Spezies den Klimawandel verkraften. Oft ist das schwer vorauszusagen. Manche Arten verschieben ihre Verbreitungsgebiete, manche gehen ein, andere passen sich den neuen Gegebenheiten an. Schon vor rund 30 Jahren hatte Professor Klaus Henle, der heute das UFZ-Department für Naturschutzforschung leitet, mit den Gecko-Untersuchungen begonnen.

Seitdem wurden regelmäßig Exemplare gefangen, vermessen, fotografiert, markiert und wieder in die Freiheit entlassen. Nun nutzten die Wissenschaftler diesen Fundus an Informationen, um den Lebenswandel der Geckos mit den Witterungsverhältnissen vor Ort und globalen Klimaphänomenen in Verbindung zu setzen. Im Journal Ecological Monographs haben Erstautorin Grimm-Seyfarth und ihre an der Studie beteiligten Kollegen jetzt die Ergebnisse publiziert. Überraschendes Ergebnis: Getreu dem Motto „Manche mögen`s heiß“ sind die Wüstengeckos offenbar bestens auf mögliche weitere Temperaturzunahmen eingestellt. Gerade in besonders hitzigen Jahren laufen sie zu Höchstform auf – der Bestand wächst dann, während sich kühlere Jahre eher negativ auf die Populationen auswirken.

Beobachtungen und Fernmessungen der Körpertemperatur per Infrarot-Thermometer lieferten eine mögliche Erklärung dafür. Ab 30 Gad Celsius aufwärts kommt das Verdauungssystem der kleinen Echsen, die nachts auf Insektenjagd gehen, tagsüber erst richtig auf Touren. Für ausgiebige Sonnenbäder verlassen sie ihre Schlupflöcher in den Eukalyptusbäumen und krabbeln auf Äste, um ordentlich Wärmeenergie zu tanken. Auch bei Dürren zeigen sich die bis zu 28 Jahre alt werdenden Reptilien als Überlebenskünstler. Bis zu einem gewissen Grad können sie Trockenperioden, in denen es an der notwendigen Feuchtigkeit für die Entwicklung des Nachwuchses und an Insektennahrung fehlt, kompensieren. Bei solchen Durststrecken magern sie zwar ab und fahren die Vermehrung zurück, aber die Bestände schrumpfen nicht. „Die Geckos können sich die eine oder andere verlorene Fortpflanzungssaison problemlos leisten“, erklärte Grimm-Seyfarth. „Wenn die Zeiten besser sind, holen sie das Versäumte nach.“

Trotz ihrer starken Widerstandfähigkeit könnte es für die hartgesottenen Echsen aber doch bedrohlich werden, wenn im Zuge des Klimawandels mehrere trockene Jahre aufeinander folgen. „Das könnten sie dann nicht mehr abpuffern“, so die UFZ-Expertin.

Von Mario Beck

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