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"Mann der Versöhnung" fordert den Erhalt des Polnischen Instituts

"Mann der Versöhnung" fordert den Erhalt des Polnischen Instituts

"Ich bin gespannt, ob der fahrende Zug noch aufzuhalten ist", sagt Friedrich Magirius (83), Ex-Stadtpräsident von Leipzig, Superintendent i.R. und seit Jahrzehnten ein großer Freund Polens.

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Will die Schließung des Polnischen Instituts in Leipzig nicht schweigend hinnehmen: Friedrich Magirius

Quelle: Andreas Döring

Der noch immer hellwache Geist versteht die Welt nicht mehr. Zum 31. Juli soll das Polnische Institut in Leipzig geschlossen werden.

Wie Magirius erfahren hat, sind an die beiden Mitarbeiter Bernd Karwen und Rainer Mende die Kündigungsschreiben bereits versandt worden. Der bisherige Arbeitgeber, also schlicht und ergreifend der polnische Staat, wolle sich um deren neue berufliche Perspektive kümmern. Grund für die Schließung dürfte das Geld sein, allein die Miet- und Unterhaltskosten für die Räume am Markt belaufen sich pro Monat auf fast 3000 Euro.

Mit der Schließung des Instituts, das für die Länder Sachsen und Thüringen zuständig ist, würde ein vieljährige Erfolgsgeschichte zu Ende gehen. Seit 1969 gibt es in Leipzig so eine Bildungs- und Kultureinrichtung. Einst am Brühl gelegen, war sie zu DDR-Zeiten ein Fenster in eine offenere Welt. Es gab hier zum Beispiel Rock- und Jazz-Platten, die hier zu Lande sonst eher nicht im Angebot waren. Das Polen-Institut überlebte vor 25 Jahren den Wandel, zog bald in die neuen Räume am Markt, stand 2008 freilich schon mal zur Disposition. Damals wurde aber nur das Leipziger Generalkonsulat des östlichen Nachbarn abgewickelt.

Dass nun auch das Kultur- und Bildungsinstitut verschwinden soll, will Magirius nicht schweigend hinnehmen. Zu viel verbindet ihn ja auch ganz persönlich mit Polen. Dort war er schon seit 1968 und zunächst mit guten Freunden im Untergrund für die Aktion Sühnezeichen tätig. Er ist Ehrenbürger von Krakau und wurde im vergangenen Jahr vom Polnischen Rat für Juden und Christen mit dem Titel "Mann der Versöhnung" geehrt. "Durch die Polen wurden wir doch erst in Gang gebracht", verweist Magirius auf deren Verdienste für die Friedliche Revolution.

Genau das ist Thema einer zweitägigen deutsch-polnischen Konferenz, die am kommenden Montag und Dienstag am Zeitgeschichtlichen Forum stattfindet. Magirius: "Was können wir für Gegenwart und Zukunft lernen? So lautet die zentrale Frage des Treffens. Europa wächst zusammen, und der Blick nach Osten wird dabei immer wichtiger. In Leipzig soll aber eine so wichtige Bildungs- und Begegnungsstätte verschwinden? Für mich undenkbar."

Der alte Herr will nichts unversucht lassen, den fahrenden Zug doch noch aufhalten zu können. Dabei dreht Magirius bewusst "am großen Rad", etwas Anderes habe zum jetzigen Zeitpunkt keine Chance auf Erfolg. Am Rande der Beratungen des Weimarer Dreiecks führte Magirius in dieser Woche Gespräche mit Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Magirius wandte sich an die polnische Polit-Ikone Wladyslaw Bartoszewski und will auch auf der Leipziger Konferenz nicht schweigen. Schließlich werden Magirius und mit ihm seine Leipziger Pfarrer-Kollegen Stephan Bickhardt und Christoph Wonneberger mit der Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Solidarnosc-Zentrums geehrt. Die Auszeichnungsveranstaltung am Montagabend könnte somit ungewollt brisant werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2014

Thomas Mayer

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