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Marode Gleise nerven LVB-Fahrgäste - Fahrplan ist durch Baustellen aus dem Takt

Marode Gleise nerven LVB-Fahrgäste - Fahrplan ist durch Baustellen aus dem Takt

Es knirscht im Getriebe der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB): An Haltestellen zeigen viele elektronische Anzeigetafeln keine Bahnen an, weil der Fahrplan an zahlreichen Baustellen nicht eingehalten wird.

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Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Und die Aushänge kündigen Fahrzeiten an, die nicht mit den aktuellen Plänen übereinstimmen - die LVB sind aus dem Takt.

Roswitha Herzberg ist wütend. Die Seniorin aus Großzschocher fährt regelmäßig mit der Linie 3 bis zum Felsenkeller, um dort mit der 14 weiterzufahren. Doch seit dort gebaut wird, klappt der Anschluss nicht mehr. "Dann stehe ich volle 20 Minuten bei Wind und Wetter, denn es gibt nichts zum Unterstellen", ist die 70-Jährige sauer. "Warum kommt bei den LVB niemand auf die Idee, die Linie 14 mal alle zehn Minuten fahren zu lassen? Ich finde das richtig unverschämt."

Wie der Rentnerin ergeht es auch anderen. Auf vielen Haltestellen wird geschimpft. Manche sagen: An so vielen wie noch nie. Schuld an der Misere ist der schlechte Zustand der Gleise. Weil die Infrastruktur unter den Bahnen zerbröselt, bauen die LVB an sehr vielen Stellen zeitgleich. Folge: Die Anschlüsse klappen nicht, die Fahrgäste sind sauer.

Es gibt auch Gerüchte, das Gleisnetz sei mittlerweile so marode, dass an immer mehr Stellen langsam gefahren werden muss. Weil sich ein Reparaturstau aufgebaut habe, wachse die Zahl der Langsamfahrstrecken. Auch dadurch würden Anschlüsse nicht klappen, das ganze Straßenbahnsystem leide.

Auf Anfrage in der LVB-Zentrale herrscht dort mehrere Tage Funkstille. Erst nach intensivem Drängen gibt es Antworten. Doch eine Liste aller Langsamfahrstrecken wird nicht herausgegeben, obwohl es sie gibt. "Ja, wir haben in diesem Jahr einen Zuwachs an Langsamfahrstrecken", räumt Technik-Chef Roland Juhrs ein. Und dieser Anstieg sei auf den schlechten Zustand der Straßenbahngleise zurückzuführen. Die Länge der Langsamfahrstrecken betrage inzwischen 16,9 Kilometer. "Das sind 5,3 Prozent", betont Juhrs. "Das sieht bei anderen Verkehrsbetrieben auch so aus." In diesem Jahr seien Bummelstrecken mit einer Länge von 3,9 Kilometer neu hinzugekommen; 1,3 Kilometer seien wieder leistungsfähig gemacht worden.

Und im nächsten Jahr - wird da die Anzahl der Langsamfahrstrecken deutlich sinken? "Nein, das wird uns nicht gelingen", so Juhrs. "Sie wird aber auch nicht weiter wachsen."

Schuld an der prekären Situation ist nach Darstellung des Technik-Chefs die Witterung. "Wir hatten in den letzten drei bis vier Jahren richtig harte Winter", sagt er und meint speziell häufige Frost-Tauwetter-Wechsel, die die Oberflächenschäden in Gleisbereichen rapide vergrößert haben. "Solche Schäden müssen wir komplett aus eigener Tasche bezahlen. Dafür reicht unser Geld nicht."

Deshalb will die LVB-Chefetage nächstes Jahr die Mittel umschichten - weg von Neuinvestitionen hin zu vorbeugender Instandhaltung. "Die 24 Millionen Euro, die wir 2014 ins Gleisnetz investieren, sind ein richtig hoher Betrag", betont Juhrs. "Er entspricht über 30 Prozent unseres Investitionsvolumens." Der Preis dafür ist aber hoch: Weil das Geld nicht reicht, haben die LVB die dringend benötigte zweite Ausbaustufe ihres neuen technischen Zentrums Heiterblick in die Mittelfristplanung verschoben. Das Projekt wird also um Jahre gestreckt.

Auf der Linie 14, über die sich LVZ-Leserin Roswitha Herzberg und andere ärgern, wird es aber trotzdem zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember eine Verbesserung geben. Nach intensiven internen Diskussionen setzen die LVB dort eine zusätzliche Bahn ein und reduzieren so den Fahrtakt von 20 auf 15 Minuten. "Der Handlungsdruck ist groß, aber wir sind in keiner hoffnungslosen Situation", sagt Juhrs. Andreas Tappert

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.10.2013

Andreas Tappert

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