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Lokales Marode Übungsplätze: Radfahrausbildung für Leipzigs Grundschüler steht auf der Kippe
Leipzig Lokales Marode Übungsplätze: Radfahrausbildung für Leipzigs Grundschüler steht auf der Kippe
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00:27 08.03.2018
Nicht nutzbar: Der Platz an der Kurt-Masur-Grundschule.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Schlechte Zeiten für die Fahrradausbildung der Leipziger Grundschüler: Die meisten Übungsplätze sind nach Informationen der Polizei in einem derart desolaten Zustand, dass sie gar nicht genutzt werden können. Und das, obwohl die Ordnungshüter schon seit Jahren bei der Stadt auf die Missstände hinweisen. „Die bisherigen Gespräche und Briefwechsel waren konstruktiv, allerdings bleibt auch festzuhalten, dass es noch an realen Maßnahmen mangelt und sich die Gesamtsituation eher verschärft“, so Polizeisprecher Andreas Loepki. „Das treibt uns Sorgenfalten auf die Stirn.“

Stadt ist allein für Plätze zuständig

Vier Areale gibt es für die Radfahrausbildung der 3. und 4. Klassen. Sie sind eine feste Größe in der Verkehrserziehung an den Schulen, Grundlage ist eine Gemeinsame Verwaltungsvorschrift von sächsischem Kultus- und Innenministerium. Die Messestadt-Verkehrswacht stellt Fahrzeuge und Fahrräder, sorgt zudem für deren Reparatur und Instandsetzung. Beamte der Polizeidirektion kümmern sich um die praktische Ausbildung. „Hinsichtlich der Übungsplätze ist die Stadt Leipzig allein zuständig“, erklärt Loepki. „Dies betrifft das quantitativ ausreichende Angebot, die qualitative Gestaltung, die Pflege und Wartung. In all diesen Punkten ist der gegenwärtige Stand absolut nicht zufriedenstellend.“

Laub nicht geräumt - Ausbildung storniert

Wegen der steigenden Schülerzahlen – mehr als 5000 Viertklässler im Schuljahr 2018/19 – sei das Angebot ohnehin schon knapp. Doch von den vier Plätzen sei lediglich der Übungsplatz an der Franz-Mehring-Grundschule in der Gletschersteinstraße nutzbar. Allerdings auch nur eingeschränkt, weil mangels eines Schuppens die Ausrüstung unter einer Treppe gelagert werden müsse. Zudem habe man Ausbildungseinheiten aus versicherungsrechtlichen Gründen stornieren müssen, weil der Platz nicht von Laub beräumt gewesen sei.

Kreisverkehr und Fallobst

Bei den anderen Arealen ist die Lage nach Einschätzung der Polizei noch prekärer: Am Platz an der 120. Grundschule in der Martin-Herrmann-Straße ist demnach der Bodenbelag baufällig, es gibt Schlaglöcher, Markierungen fehlen. Der Platz an der Kurt-Masur-Grundschule in der Bernhard-Göring-Straße hat entgegen der städtischen Planungs- und Abnahmeunterlagen und entgegen des Straßenplans einer Jugendverkehrsschule nur einen Kreisverkehr anstatt einer Kreuzung, so Loepki. „Dadurch kann dort das besonders gefahrenbehaftete Linksabbiegen nicht geprobt werden.“ Es fehle zudem an Verkehrszeichen sowie an Unterbringungsmöglichkeiten für Klassen anderer Schulen. Aktuell kann ein Teil des Platzes im Zuge der Baumaßnahmen am ehemaligen Schulgebäude ohnehin nicht betreten werden. Regelrecht abenteuerlich mutet die Situation auf dem Platz an der Wilhelm-Hauff-Schule in der Diderotstraße an. „Hier mussten unsere Kollegen bereits selbst zu Besen und Heckenschere greifen, um Fallobst und wuchernde Brombeerhecken zu beseitigen“, schildert der Polizeisprecher. Weder die womöglich asbestgefährdete Baracke noch die sanitären Anlagen „entsprechen baulich und hygienisch den erforderlichen Mindestbedingungen“, moniert Loepki. „Hier wurde durch die Polizeidirektion bereits die Fachkraft für Arbeitssicherheit hinzugezogen.“ Zudem sei ein Aufenthaltsraum über längere Zeit nicht beheizbar gewesen, wogegen die Stadt einen Heizstrahler für Wickeltische eingesetzt habe. „Untauglich“, befindet Loepki.

Sanierung bestehender Plätze reicht nicht

Immer wieder habe die Polizei die Zustände angemahnt. Im April 2017 trafen sich Polizeipräsident Bernd Merbitz und Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) zu einem Vor-Ort-Termin in der Diderotstraße. „Die seinerzeit beidseitig erzielte Übereinkunft einer Containerlösung harrt bis heute auf Umsetzung“, stellt Loepki fest. Vor wenigen Tagen habe Merbitz deshalb erneut via Brief bei Fabian darum gebeten, sich der Lage anzunehmen.

Auch die Messestadt-Verkehrswacht hofft auf baldige Besserung. „Durch die steigenden Schülerzahlen stoßen wir an unsere Grenzen“, berichtet Vorsitzender Andreas Retsch. Die Verantwortlichen seien hinreichend sensibilisiert, glaubt er. „Es fehlt noch an spürbaren Reaktionen. Mit der Sanierung der bestehenden Plätze ist es auch nicht getan, es müssen auch neue geschaffen werden.“

65 000 Euro stehen bereit

Doch davon ist vorläufig nicht die Rede. 65 000 Euro stehen in diesem Jahr bereit, um die Funktionsweise der Verkehrsübungsplätze sicherzustellen, teilt Rathaussprecher Matthias Hasberg mit. Der Standort der 120. Schule werde zurzeit entwickelt. Eine Flächenstudie soll die optimale Nutzung des zur Verfügung stehenden Grundstücks unter Berücksichtigung des Verkehrsübungsplatzes ergeben. Das Areal an der Kurt-Masur-Schule soll nach Abschluss der Sanierung der ehemaligen 3. Schule zum Beginn des Schuljahres 2018/2019 instandgesetzt werden. An der Franz-Mehring-Schule, wo der Verkehrsübungsplatz laut Stadt voriges Jahr generalüberholt wurde, sei eine geräumige Containerlösung vorgesehen, die Vorbereitungen laufen. Und an der Diderotstraße seien 2017 im Rahmen einer baulichen Ertüchtigung des Gebäudes zumindest die Sanitäranlagen berücksichtigt worden. Zudem soll der Übungsplatz am Mühlholz, wo die Verkehrswacht wieder ihre Geschäftsstelle beziehen kann, im zweiten Quartal 2018 erneut in Betrieb genommen werden.

Übungshalle ist das große Ziel

Entspannen würde sich die Situation aus Sicht von Polizei und Verkehrswacht durch eine Halle, weil die Fahrradausbildung dadurch ganzjährig stattfinden könnte. „Das wäre unser großer Wunsch“, so Retsch. Zwei Standorte wurden der Polizei in Aussicht gestellt – an der 8. Grundschule und an der Ernst-Zinna-Schule. Dies allerdings mit der eher vagen Terminvorgabe „mittelfristig“.

Von Frank Döring

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