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Martin Schulz verspricht wieder Gerechtigkeit

Bundestagswahlkampf in Leipzig Martin Schulz verspricht wieder Gerechtigkeit

Der Wahlkampf kommt langsam auf Touren: Am Dienstag sprach SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor 1000 Anhängern in Leipzig. Er versprach ihnen Gerechtigkeit, wirkte kämpferisch, aber nach den schlechten Umfragewerten auch fahrig.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Dienstag vor rund 1000 Anhängern auf dem Nikolaikirchhof: „Deutschland geht es gut, wenn die SPD regiert.“
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Martin Schulz (61) in Leipzig. Im Februar kam er als frisch gekürter SPD-Hoffnungsträger ins rappelvolle Kunstkraftwerk. Nun, ein halbes Jahr später, ist er wieder da, Dienstagnachmittag bei 27 Grad Sommertemperatur auf dem Nikolaikirchhof. Dazwischen liegen drei verlorene Landtagswahlen. Wofür Schulz genau steht, blieb lange im Vagen. Und wer als Bettvorleger springt, hat schlechte Chancen, als Tiger zu landen. „Zeit für Martin Schulz“ – die fehlt jetzt. Das merkt man ihm an. Er wirkt kämpferischer, auch fahriger.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war im Zuge des Bundestagswahlkampfes in Leipzig zu Gast.

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Dennoch empfangen ihn 16.30 Uhr freundliche „Martin, Martin“-Rufe von den rund 1000 Zuhörern, darunter viele Studenten. Vereinzelt ertönen auch „Volksverräter“-Parolen. Doch im Gegensatz zum Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor knapp 14 Tagen in Annaberg-Buchholz bleiben die wütenden Pfiffe aus. „Leipzig hat sich zu einer der attraktivsten Städte der Bundesrepublik Deutschland entwickelt“, lobt Schulz und bekommt dafür Applaus. Noch mehr gibt es für den erkrankten Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der sich entschuldigen lässt.

„Deutschland geht es gut, wenn die SPD regiert. Aber Deutschland geht es besser, wenn ein Sozialdemokrat Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wird“, ruft Schulz und touchiert damit gleichzeitig die Probleme, die er und seine Partei im Osten haben. Schulz kommt aus dem tiefsten Westen, er muss den Deutschen klarmachen, dass sich ihr Leben unter der Kanzlerschaft Merkels verschlechtert hat, und er muss erklären, warum die SPD als Bestandteil der Großen Koalition daran in der vergangenen Legislaturperiode nichts verändert hat.

 In Deutschland gehe es nicht gerecht zu, kritisiert er. Selbst Menschen mit zwei Einkommen könnten in die Armut fallen. Arbeiter, die nach Tarif entlohnt werden, und Leiharbeiter trennten finanziell Welten. „Wenn ich Bundeskanzler werde, dann wird diese Schande beseitigt“, verspricht der Kanzler-Kandidat – und: „Gute Arbeit verdient gerechte Bezahlung.“ Der Bund müsse die Länder in Bildungsfragen mehr an die Hand nehmen als bisher. „Wir wollen den bildungspolitischen Flickenteppich in Deutschland beseitigen“, sagt Schulz und muss sein Jackett ausziehen.

Dann wettert er gegen Merkel und jagt im Parforceritt durch ein Spektrum von Themen – den Arbeitsmarkt, die Investitionen, den Breitbandausbau, die E-Autos, den Diesel, die Europapolitik, die schnellere Rentenangleichung. Damit überholt der gehetzte Kandidat sogar seine Partei, die mit der Union ein Gesetz verabschiedet hatte, das eine Anhebung auf Westniveau bis 2025 vorsieht.

Als er sich Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke zur Brust nimmt und dessen Satz, das Berliner Holocaust-Mahnmal sei ein „Mahnmal der Schande“, wird er aus dem Publikum korrigiert. „Denkmal hat er gesagt.“ Für kurze Zeit gerät Schulz aus dem Tritt. Dann macht er weiter und schließt: „Die AfD ist eine Schande für die Nation.“

Flankiert wird er von SPD-Chef Martin Dulig, Integrationsministerin Petra Köpping, der sächsischen Spitzenkandidatin Daniela Kolbe, den Bundestagskandidaten Jens Katzek und Rüdiger Kleinke sowie der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. Immerhin, so räumt Kolbe auf der Bühne ein, sagten Leute, bei denen sie an der Wohnungstür klingele, ihnen fiele auf Anhieb gar nichts ein, was zu beklagen sei. Sie müssten erst überlegen.

Und Schulz? Eilt nach Erfurt. Wird weiter kämpfen. „Bis zum 24. September, 18 Uhr.“ Dann werden die Wahllokale geschlossen.

Von Roland Herold

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