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Matthäikirchhof: CDU und Linke für Verfahren wie am Eutritzscher Bahnhof

Vor Leipziger Stadtratsentscheidung Matthäikirchhof: CDU und Linke für Verfahren wie am Eutritzscher Bahnhof

Am 18. Oktober soll der Leipziger Stadtrat über die Perspektiven für den Matthäikirchhof entscheiden. Nach Beschwerden von engagierten Bürgern und aus der CDU-Fraktion hat die Verwaltung aus einer Beschlussvorlage zu dem Thema inzwischen zwei gemacht.

Mehr als die Hälfte der DDR-Bauten im Leipziger Matthäikirchhof wurde von der Staatssicherheit genutzt, der Rest diente der Volkspolizei als Bezirksverwaltung. Unter den Flachbauten im Hof entstanden riesige Keller, die wie Bunker ausgestattet wurden.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Am 18. Oktober soll der Leipziger Stadtrat eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft des Matthäikirchhofs treffen. Nach Beschwerden engagierter Bürger und vor allem aus der CDU-Fraktion hat die Verwaltung mittlerweile aus einer Beschlussvorlage zu diesem Thema zwei Vorlagen gemacht. Beide stehen auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung.

Unter der Dokumentennummer 04759 schlägt nun das Kulturdezernat vor, die hiesige Stiftung Friedliche Revolution solle beauftragt werden, ein Konzept zur Verwirklichung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals zu erarbeiten. Die Stadt will der Stiftung dabei für Personal- und Sachkosten 40 000 Euro zur Verfügung stellen. „Der Standort für ein künftiges Denkmal ist dabei völlig frei“, wird in dieser Vorlage betont. Weiter heißt es dort: „Der Vorschlag, ihn mit der Entwicklung des Matthäikirchhofs zu verbinden, ist lediglich eine Idee, die im weiteren Verfahren mit betrachtet werden kann.“

Bei der anderen Vorlage mit der Nummer 04384 geht es hingegen um die Zukunft des Matthäikirchhofs. In der nun vorliegenden Neufassung dieses Papiers haben das Bau- sowie Kulturdezernat nicht die Chance genutzt, einige Unklarheiten aus der Erstfassung zu beseitigen. So heißt es im Beschlusstext weiterhin: „Der Stadtrat bestätigt für das Areal Matthäikirchhof die Option zur Entwicklung zu einem Forum für Freiheit und Bürgerrechte (Arbeitstitel)“. Außerdem solle der Oberbürgermeister dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen „den Matthäikirchhof“ als Standort für einen Archivneubau anbieten, in dem die sächsischen Stasi-Unterlagen dauerhaft gelagert und ausgewertet werden könnten.

Wie berichtet, hatten sich in den letzten Monaten auch an solch schwammigen Formulierungen Proteste entzündet. Zum Beispiel beantragten die Grünen schon Ende August, in beiden Beschlusspunkten müsse klargestellt werden, dass sie nur für etwa ein Drittel des Matthäikirchhofs gelten sollen. Und zwar am besten im südlichen Teil des 16 000 Quadratmeter großen Areals – dort gehört dem Bund selbst ein Teil der Grundstücke (nahe der „Runden Ecke“). Alle anderen Flächen gehören der Stadt Leipzig. Doch die Verwaltung ging in ihrer jetzigen Neufassung nicht auf die Wünsche der Grünen ein. Lediglich in der Begründung ihrer aktualisierten Vorlage steht wieder, was auch schon in der alten Vorlage stand: Laut einem Gutachten von Professor Rainer Eckert (früher Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig) würden für die verschiedenen Nutzungen des Freiheitsforums zwischen 2000 und 4700 Quadratmeter der Fläche benötigt.

Linke, Grüne und CDU fordern, zumindest gleichzeitig mit den Planungen für das Freiheitsforum und Stasi-Aktenarchiv eine breite Bürgerbeteiligung zu den Perspektiven für das gesamte Areal in Gang zu setzen. Die CDU hat kürzlich einen Änderungsantrag gestellt, der in dieser Richtung am konkretesten wird. Demnach soll es zwei parallele Projektstrukturen geben, die vor der Auslobung eines internationalen Architektenwettbewerbs wieder zusammengeführt werden. In der einen Struktur könnten nach dem Vorbild der Planungen für den Eutritzscher Freiladebahnhof etliche interessierte Bürger, Anwohner, Vereine und Planer die Grundzüge der künftigen Nutzungen und städtebaulichen Struktur für den ganzen Matthäikirchhof bestimmen. Zuvor hatten sich auch schon die Linken das Verfahren vom Eutritzscher Freiladebahnhof für die letzte große Brache in der City gewünscht: Beide Parteien zusammen hätten eine deutliche Stimmenmehrheit im Rat.

In der zweiten Struktur solle zugleich das Konzept für ein Freiheitsforum „in einem Teilbereich des Areals“ erarbeitet werden, so der CDU-Vorschlag weiter.

Von Jens Rometsch

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