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Lokales Max-Planck-Institut: Sprachwissenschaft abgewickelt, neue Abteilung gegründet
Leipzig Lokales Max-Planck-Institut: Sprachwissenschaft abgewickelt, neue Abteilung gegründet
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00:36 14.08.2015
Seit 2004 hat das Leipziger Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie mit seinen 350 Mitarbeitern am Deutschen Platz seinen Sitz. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Nachdem Ende Mai die seit der Gründung des Institutes 1997 bestehende Abteilung für Linguistik im Zuge der Emeritierung von Departmentleiter Professor Bernard Comrie aufgelöst worden war, kommt es nun zu einem ersten Generationswechsel beim Leitungspersonal und der Gründung einer neuen Abteilung, von der sich die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) starken Erkenntnisgewinn verspricht.

 Nur gut zwei Monate nach dem Aus für die Sprachwissenschaft am Eva, das am Deutschen Platz seinen Sitz hat, ist nun der US-Amerikaner Richard McElreath berufen worden, um ein Department zu formieren, das sich mit dem Verhalten, der Ökologie und Kultur des Menschen befasst. Der 42-jährige Professor wirkte vor seinem Wechsel nach Leipzig an der University of California und übernimmt nicht nur den Aufbau und die Leitung des neuen Bereiches, sondern zieht auch ins Direktoren-Kollegium des Elite-Institutes ein.

 In dem Führungszirkel hatte es seit 2004 keine Veränderungen mehr gegeben. Damals war das Eva mit einem Department für Human-Evolution unter der Ägide von Professor Jean-Jacques Hublin aufgestockt worden. Hublin (61) bekam mit Amtsantritt auch einen Direktorenposten. Damit stieg deren Zahl auf fünf. Ins Leben gerufen wurde das Institut einst von vier Gründungsprofessoren: Svante Pääbo (60), dem Chef der Paläogenetik, Christophe Boesch (64), dem Leiter der Primatologie, Michael Tomasello (65), der für die vergleichende Entwicklungspsychologie zuständig ist und Bernard Comrie (68), der sich nun in den Ruhestand verabschiedete. Die anderen vier fungieren nach wie vor als Direktoren.

 Rein vom Alter her ist absehbar, dass in den nächsten Jahren beim Eva-Führungspersonal weitere Veränderungen anstehen. Da die MPG Emeritierungen oft auch nutzt, um an den Instituten mit Neuberufungen das Forschungsspektrum weiterzuentwickeln, bleibt abzuwarten, welcher Kurs am Eva, das auch das Primatenzentrum im Zoo betreibt, künftig eingeschlagen wird. "Das wird eine sehr spannende Zeit", sagte Eva-Sprecherin Sandra Jacob.

 McElreath und sein Aufgabenfeld, das auf die Rolle der Kultur bei der Evolution des Menschen und seine Anpassung an diverse Lebensräume abhebt, sind aus Sicht der Fachwelt für das Institut eine Stärkung, die den Verlust der Sprachwissenschaft mehr als kompensiert. Dass diese am Eva abgewickelt wurde, ist nicht in mangelnder Forschungsqualität begründet, sondern hängt mit der Etablierung eines Planck-Institutes in Jena zusammen, das sich fortan auch mit der linguistischen Forschung aus evolutionärer Perspektive befasst. Auch mit der Berufung von McElreath bleibt die Eva-Führungmannschaft international. Pääbo stammt aus Schweden, Hublin aus Frankreich, Tomasello wie McElreath aus den USA und Boesch aus der Schweiz.

Drei Max-Planck-Institute sind in Leipzig ansässig. Neben dem für evolutionäre Anthropologie, das am Deutschen Platz seinen Sitz hat, gibt es das für Kognitions- und Neurowissenschaften in der Seeburgstraße und das für Mathematik in den Naturwissenschaften, dessen Domizil sich in der Inselstraße befindet. Die Direktoren der hochkarätigen Wissenschaftseinrichtungen sind zugleich Honorarprofessoren an der Leipziger Universität. Insgesamt betreibt die Planck-Gesellschaft deutschlandweit 83 Institute, davon sechs in Sachsen, wo neben denen in Leipzig drei in Dresden angesiedelt sind. Während sich das Institut für evolutionäre Anthropologie in fünf Departments mit rund 450 Beschäftigen gliedert, wirken am Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften etwa 300 Experten in den Abteilungen für Neurologie, Neuropsychologie, soziale Neurowissenschaft und Neurophysik. Zum Direktorenkollegium gehören die Professoren Tania Singer, Arno Villringer, Angela Friederici und Nikolaus Weiskopf.

 Das Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften vereint unter dem Direktorat der Professoren Felix Otto und Jürgen Jost rund 100 Fachleute.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Mario Beck

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