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Lokales Medica-Klinik Leipzig: Dr. Ulrich gibt den Schlüssel ab
Leipzig Lokales Medica-Klinik Leipzig: Dr. Ulrich gibt den Schlüssel ab
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10:16 12.10.2016
Jürgen Ulrich.  Quelle: André Kempner
Leipzig

Jürgen Ulrich (76) ist Arzt von Beruf und aus Berufung. Heute ist für ihn wieder mal ein besonderer Tag. Er verlässt seine ehemalige Klinik, die unter dem Namen Medica bekannt war. Seit einigen Monaten betreibt der Median-Gesundheitskonzern die ambulante Klinik in der Käthe-Kollwitz-Straße und hat mit heutigem Datum Ulrich den Vertrag zur privaten Nutzung von Praxisräumen gekündigt. Nicht dieser Fakt an sich schmerzt den Arzt, sondern die Art und Weise, wie es ihm geschah.

Leipzig mit der Sporthochschule namens DHfK und der dazu gehörigen Wissenschaft samt FKS (Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport) war zu DDR-Zeiten Ulrichs Lebensmittelpunkt geworden. Hier qualifizierte er sich zum versierten Sportmediziner. Ulrich war selbst aktiv, DDR-Juniorenmeister und schaffte es im Hochsprung auf 2,06 Meter. Man wälzte sich damals noch über die Latte. Der sowjetische Weltrekordler Waleri Brumel sprang 21 Zentimeter höher. Als Leistungssportler schaffte es Ulrich nicht ganz nach oben, als betreuender Sportarzt schon. 1972 errangen einige seiner Sportler bei den Olympischen Spielen in München Medaillen, allen voran Wolfgang Nordwig Gold im Stabhochsprung, Silber gewannen Stefan Junge (Hochsprung) und Jörg Drehmel (Dreisprung). Die Erfolge durfte Ulrich nicht live erleben, er war zwar der Verbandsarzt für Sprung und Mehrkampf, aber kein Reisekader. Später wurde er wegen versuchter Republikflucht inhaftiert, die Stasi versuchte, ihn zu vereinnahmen.

Zu späten DDR-Zeiten wirkte er im Bezirk Leipzig im sportmedizinischen Dienst. Die neue Zeit inspirierte ihn. Er wurde selbstständig, betrieb ab 1991 im ehemaligen Stadion des Friedens eine private Reha-Einrichtung, die er schon bald in das Gesundheitsunternehmen der Bavaria-Klinik einbrachte. 1997 gründete Ulrich die Medica-Rehabilitationsklinik, die er bis 2007 leitete und dann an neue private Investoren verkaufte. Der Chefarzt, der die Klinik zu einer angesehenen Gesundheitseinrichtung entwickelt hatte, blieb als Berater an Bord, auf sein Wissen und sein Netzwerk wollte man nicht verzichten. Er hatte sich mit dem Verkauf die dauerhafte Nutzung einer Privatpraxis festschreiben lassen. Als Arzt ist Ulrich noch heute tätig, seine Beraterverträge für Medica und Nachfolgebetreiber liefen zum Ende des Jahres 2015 aus. Seit kurzem ist die ambulante Reha-Klinik in der Hand des in Berlin ansässigen Median-Unternehmens. Statt „Medica“ steht „Median“ am Haus in der Käthe-Kollwitz-Straße. Der in ganz Deutschland tätige Gesundheitskonzern ist ein Global-Player, er betreibt zurzeit 111 Reha-Kliniken, Akut-Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Zum 30. September wurde Ulrich seitens Median der Nutzungsvertrag für Räume, Geräte und Einrichtungen gekündigt, und er wurde aufgefordert, die Schlüssel abzugeben. Ulrichs Entgegnung, dass er das Gesundheitszentrum als sein Lebenswerk ansieht und dass ihm vor allem die ausschließlich per Post ausgesprochene Beendigung des Vertrages betroffen macht, fand seitens der neuen Eigner keinerlei Resonanz. Eine Mitteilung aus juristischer Hand, dass die Kündigung ordnungsgemäß ist, hat Ulrich akzeptiert.

Bei Median sieht man die Angelegenheit unternehmerisch-emotionslos. Holger Herrmann, Kaufmännischer Leiter der Klinik, betont zwar das „vertrauensvolle Miteinander mit Herrn Dr. Ulrich“, man habe ihn stets über die Absichten von Median informiert, eine Bevorteilung seiner Person auf Grund vergangener Meriten sei aber ausgeschlossen. Herrmann: „Nachdem Herr Ulrich 2007 die Klinik zu sehr guten Konditionen verkauft hatte, ist der Median-Gesundheitskonzern der vierte Betreiber der Einrichtung. Für Median gibt es heute knallharte Rahmenbedingungen. Mit übernommene Verträge wurden auf Wirtschaftlichkeit geprüft. Zur Unternehmensphilosphie gehört es, nicht im Sponsoringbereich tätig zu sein. Das trifft auf die von Dr. Ulrich initiierten Aktivitäten in Vietnam zu. Und es gibt auch keinen Grund, ihm weiterhin kostenneutral private Diensträume, die wir zudem selbst benötigen, zur Verfügung zu stellen. Herr Dr. Ulrich hatte seine Zeit.“ Laut Herrmann werde die Klinik zum Nutzen von Leipzig weiter entwickelt. Demnächst wird ein neue Lobby eröffnet. Investitonskosten dafür fast 200 000 Euro. Es folgt eine neue medizinische Trainingstherapie für eine halbe Million Euro.

Jürgen Ulrich gibt heute die Schlüssel ab. Ein Ende seiner Ära als Arzt und als umtriebiger Leipziger ist das aber keinesfalls.

Von Thomas Mayer

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