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Medienrechtler: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtiger denn je

Medientage in Leipzig Medienrechtler: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtiger denn je

Welche Wege sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Zukunft gehen? Wie wichtig sind soziale Netzwerke? Gibt es eine Glaubwürdigkeitskrise der Medien? Viele Themen werden aktuell bei den Medientagen in Leipzig diskutiert.

Medienrechtler Dieter Dörr: Öffentlich-rechtliche Medien „müssen der Tendenz der Boulevardisierung, Trivialisierung und Kommerzialisierung entgegenwirken.“ (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig.  Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nach Ansicht des Medienrechtlers Dieter Dörr in Zeiten der Digitalisierung notwendiger denn je. Angesichts der vielfältigen Informationsmöglichkeiten seien Sender, die umfassende und vor allem verlässliche Informationen bieten, noch wichtiger geworden, sage Dörr am Dienstag zum Auftakt der Medientage Mitteldeutschland in Leipzig. Von Dienstag bis Donnerstag diskutieren Experten unter dem Motto „Alles neu? Europas Kultur und seine Medien" in der Leipziger „media city“.

„Wir brauchen einen Public-Service-Bereich, der staatsfern organisiert ist und sich der Mittel der neuen Medienwelt bedienen kann“, sagte Dörr. Angesichts der Neigung vieler Nutzer, sich in abgeschotteten Informationswelten, sogenannten Filterblasen, zu bewegen, sei es wichtig, diese auf möglichst vielen Plattformen zu erreichen.

Öffentlich-rechtliche müssen in den sozialen Netzwerken aktiver werden

Der Medienrechtler forderte daher, die Begrenzungen des Telemedienauftrags für ARD und ZDF zu überprüfen und den Auftrag „sachgemäß“ zu gestalten. Dabei seien aber auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten in der Pflicht: „Sie müssen der Tendenz der Boulevardisierung, Trivialisierung und Kommerzialisierung entgegenwirken.“

Der Intendant von Radio Bremen, Jan Metzger, sagte, die öffentlich-rechtlichen Sender müssten stärker in den Dialog mit den Nutzern treten. Die Versuche der Sender, sich in sozialen Netzwerken wie Facebook zu bewegen, seien „noch relativ unbeholfen“. Die Nutzung dieser Plattformen müsse strategisch weiterentwickelt werden. Metzger sagte, die ARD müsse ihre Inhalte noch besser auf einer großen gemeinsamen Plattform organisieren, um möglichst viele Nutzer zu erreichen.

614 Krimis im Jahr? Nicht nötig.

Der thüringische Staatssekretär für Medien, Malte Krückels (Linke), kritisierte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in ihren Programmen zu stark für private Plattformen wie Facebook werben: „Wir sollten die Leute da nicht hintreiben“, mahnte er. Andererseits finde er es aber auch richtig, dass ARD und ZDF diese Plattformen nutzten, um ihre Informationen zu verbreiten.

Der Medienpolitiker forderte die Sender auf, stärker umzuschichten, um neue Angebote zu finanzieren: „Wir brauchen nicht 614 Krimis im Jahr bei ARD und ZDF.“ Auch werde in den ARD-Anstalten immer noch zu viel parallel gearbeitet und produziert. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten mit den Beiträgen wirtschaftlich umgehen. Sollten sie mehr Geld benötigen, sei eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags in den Landtagen kaum durchzusetzen.

Aussicht auf den kommenden Tag

Die Glaubwürdigkeit von Medien ist einer der Schwerpunkte am zweiten Tag der Medientage Mitteldeutschland, die am Mittwoch in Leipzig fortgesetzt werden. Um 14.30 Uhr diskutieren Experten dabei unter anderem darüber, wer derzeit Debatten anstößt und Themen setzt und welche Medien auf welche Weise darüber berichten.

In anderen Runden geht es um die Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder oder auch darum, wie Kindern Nachrichten in einer altersgerechten Form vermittelt werden können. Noch bis Donnerstag beschäftigen sich Vertreter aus Medien, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mit Entwicklungen in der Presselandschaft. Die Veranstaltung steht unter der Überschrift „Alles neu? Europas Kultur und seine Medien“.

Von LVZ, the

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