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Medientreffpunkt: Experten diskutieren Wirtschaftsförderung in der Kreativbranche

Medientreffpunkt: Experten diskutieren Wirtschaftsförderung in der Kreativbranche

Wer oder was ist die Kultur- und Kreativbranche und lohnt es sich wirklich, sie gesondert zu fördern? Dieser Frage versuchten beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am Dienstag Wirtschaftsförderer und Kreative nachzugehen.

Leipzig. Seit einiger Zeit bündeln Städte und Regionen die Akteure von elf Branchen unter dem Begriff Kreativwirtschaft und stellen spezielle Förderprogramme und Maßnahmen auf. Ob dies auch von langfristigem Erfolg gekrönt ist und allen Teilbereichen hilft, kann noch niemand vorhersagen.

Zum Wissensaustausch auf dem Podium hatten sich Brigitte Brück von der Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig, Katja Großer vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, Till Hafner, Wirtschaftsreferent der Stadt Weimar, Petra Sachse von der Wirtschaftsförderung der Stadt Halle sowie Ivo Zibulla von der Leipziger Agentur „Die Ungestalt“ getroffen. Eindeutig Klarheit herrschte bei allen: Die Kreativen müssen gefördert werden und die Unterstützung lohnt sich für beide Seiten. „Kreativwirtschaft sagt sich immer so leicht daher, dabei ist es eigentlich ein Ungetüm, das schwer erklärt ist. Im Grunde wenden wir hier einen Trick an – wir fassen elf Branchen zu einer zusammen. Das ist absurd, aber wir versuchen so, der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen“, sagte etwa Till Hafner aus Weimar. Dabei sei auch vielen in diesen Branchen tätigen Kreativen gar nicht klar, dass sie zur Kultur- und Kreativwirtschaft gehören. „Einem Architekten ist es sicher schwer klar zu machen, dass er in die gleiche Kategorie einzuordnen ist wie ein Musiker oder ein Softwareentwickler“, meinte er.

Dennoch seien die Probleme, mit denen sich Akteure der Kreativwirtschaft plagen, branchen- und länderübergreifend gleich. „Es fehlt an Räumen, es fehlt an Wissen, wie man an Kunden kommt oder an Praxis beim Umgang mit Jobcentern“, zählte etwa Petra Sachse aus Halle auf. Katja Großer vom Kompetenzzentrum des Bundes konkretisierte: „Gerade Künstler sind exzellent ausgebildet in ihrer Kunst. Sie werden aber von den Hochschulen nicht darauf vorbereitet, was sie mit dieser Kunst anfangen sollen. Kundenakquise ist ein großes Problem“, berichtete sie aus Erfahrungen ihrer täglichen Arbeit. Um Geld gehe es dabei gar nicht so oft, sondern mehr um betriebswirtschaftliche Belange. Petra Sachse erwähnte ein für Halle spezifisches Problem: „Hier ist die Vernetzung noch unterentwickelt.“ Das müsse sich ändern, eine Gesamtstrategie zur Unterstützung der Kreativbranchen gebe es aber nicht.

Grafiker und Programmierer Ivo Zibulla, der nebenbei auch noch Schlagzeuger der Leipziger Band Dantes Dream ist, bestätigte die Probleme, warnte aber zugleich davor, vorschnell nach Konzepten zu suchen. „Strategien zu entwickeln funktioniert nur unter Einbeziehung der Kreativen. Insofern wünsche ich mir, dass die Kommunikation mit den Branchenteilnehmern fortgeführt wird, so wie das Leipzig bereits tut“, sagte er.

Dass die Stadt auf die Kreativen hört, bestätigte Wirtschaftsförderin Brigitte Brück: „Wir haben von Anfang an die Kreativwirtschaft eingebunden. So richtig massiv aber erst seit einigen Jahren. Im Vordergrund stand am Anfang die Medienwirtschaft, jetzt wollen wir deutlich machen, dass von den Kreativenin ihren Teilbereichen eine große Wirtschaftskraft ausgeht“, so Brück. Entsprechend werde die Medienstudie in diesem Jahr auch erstmals Medien- und Kreativitätsstudie heißen.

In Leipzig greife bei der Unterstützung der Branchenteilnehmer ein Stufenmodell, das zielgerichtet Talente und Ideengeber fördere. Kreative Räume wie das Tapetenwerk oder die Spinnerei. Auch Veranstaltungen wie die Designers Open würden finanziell bezuschusst. Zusätzlich seien konkrete Modellprojekte entwickelt worden, gemeinsam mit der Kreativwirtschaft.

Till Hafner von der Stadt Weimar setzt auf Imageaufbau und das Bereitstellen von Räumlichkeiten. „Kürzlich wurde die Kreativ-Etage eingeweiht. Ein Haus, in dem sich Illustratorinnen niedergelassen haben“, sagte er. Das Gebäude werde zu einem günstigen Mietzins vermietet. „Diese Art der kommunalen Wirtschaftsförderung ist sinnvoll, weil so die Eigendynamik der Künstler befördert wird, ohne zu sehr einzugreifen.“

Das Problem der fehlenden Räume für die Kreativbranche könnte sich, zumindest in den Ballungsgebieten Leipzig-Halle aber auch in Thüringen als Chance herausstellen – immerhin gibt es hier genügend leer stehende und ungenutzte Gebäude, auch in städtischer Hand, gab Moderatorin Katja Manz von der Technischen Universität Chemnitz zu bedenken.

Bei der Frage, ob eine Vernetzung der Kreativwirtschaft über die drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sinnvoll ist, waren sich die Podiumsteilnehmer nicht einig. Katja Großer wollte dies nicht ganz ausschließen. „Die öffentliche Verwaltung kann von den Kreativen vor allem Abenteuerlustigkeit und Spontanität lernen. Warum also nicht eine Verzahnung der Branche über Mitteldeutschland hinweg wagen?“, meinte sie. Ivo Zibulla dagegen war der Ansicht, dass ein gemeinsames Label Mitteldeutschland sehr gekünstelt wirken würde. Auch den von Katja Großer gewünschten Runden Tisch zum Thema sieht er eher kritisch: „Inwieweit können solche Events denn wirklich förderlich sein? Foren, in denen man sich austauschte, gab es schon immer. Und letztlich ist an den Kreativen auch nichts wirklich Besonderes. Man könnte uns vielleicht eher vergleichen mit den Handwerkern im Mittelalter, als sich die Zünfte gebildet haben“, urteilte er.

In die Vergangenheit blickte auch Till Hafner aus Weimar, der Goethe und Schiller als Vorläufer der Kreativwirtschaft bezeichnete. „Das waren umtriebige Autoren aber auch Verleger, die ihre Werke an den Mann zu bringen wussten“, sagte er.

Ein ganz aktuelles Problem, bei dem Wirtschaftsförderung helfen könne, sei das Thema der Vermeidung der Selbstausbeutung. „Wir müssen Angebote in dieser Richtung machen. Das passiert derzeit schon im Bereich der Existenzgründung“, so Brigitte Brück. Und Petra Sachse aus Halle ergänzte: „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, den Kreativen klarzumachen, wie Preise gebildet werden und wie diese Preise schließlich auch durchgesetzt werden.“ Als vielleicht wichtigste Aufgabe der Branche sah dies auch Katja Großer an: „Es geht darum, dass Kreative anfangen müssen, sich nicht den Markt kaputt zu machen.“ Dazu gehöre, auch freundlich aber bestimmt „Nein“ zu sagen, wenn Auftraggeber den Preis zu sehr drücken wollen – eine Erinnerung an das diesjährige Thema des Medientreffpunktes Mitteldeutschland: „Preis schlägt Gratis – Die Renaissance der Vernunft“.

Daniel Große

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