Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Mehr Geburten, mehr Hochzeiten: Leipziger Standesamt am Limit
Leipzig Lokales Mehr Geburten, mehr Hochzeiten: Leipziger Standesamt am Limit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 23.07.2017
Leitet seit 2014 des Leipziger Standesamt: Uwe Bernhardt. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Nicht mal nach drei Anläufen sei es ihm gelungen, eine Geburtsurkunde für seinen Sohn zu bekommen, beklagt Peter Jungbluth. „Die Wartezeiten für Personen ohne Termin liegen bei über anderthalb Stunden. Online-Termine sind nie verfügbar, telefonisch ist zu keiner Zeit jemand zu erreichen.“ Mit diesen Worten macht der frischgebackene Vater seinem Ärger über das Standesamt Luft.

Er ist kein Einzelfall, wie Standesamtsleiter Uwe Bernhardt einräumen muss. Krankheitsbedingt sei es zuletzt zu erheblichen Einschränkungen gekommen. Sogar die Sprechzeiten wurden auf 15 Stunden pro Woche reduziert. „Von neun Standesbeamten, die Geburten und Sterbefälle beurkunden, waren im Mai und Juni teilweise nur zwei im Dienst“, erklärt er das Dilemma. Standesbeamte kurzfristig durch andere Mitarbeiter zu ersetzen, sei aufgrund der Ernennungsvoraussetzung praktisch unmöglich. „Mittlerweile sind wir aber wieder im Fristlauf“, so der Amtsleiter. Das heißt: Spätestens anderthalb Wochen nach der Geburt würde die Geburtsurkunde an die Eltern verschickt, sofern die Unterlagen vollständig sind. Noch in diesem Jahr will das Standesamt sein Anmeldesystem für Besucher ausbauen, die ohne Termin kommen. Die Nummer, die man im Wartezimmer zieht, lässt sich dann schon zu Hause per Internet aktivieren, so dass der Besuch vor Ort besser geplant werden kann.

„Wir arbeiten weiter an der Modernisierung des Standesamtes“, sagt Bernhardt. Im Elisabeth-Krankenhaus bietet die Behörde testweise bereits die Ausstellung der Geburtsurkunden am Wochenbett an. Dazu kommt ein Standesbeamter direkt in die Klinik. Bernhardt will diesen Service beibehalten, auch das Klinikum St. Georg zeige Interesse daran. „Für die Eltern ist das sehr bequem, für die Kliniken attraktiv“, sagt er, „für uns bedeutet es aber eine halbe Stelle pro Klinik mehr.“

Steigenden Personalaufwand zieht die Dezentralisierung auch bei Trauungen nach sich. Paare wollen längst nicht mehr nur auf dem Standesamt heiraten. Inzwischen sind in Leipzig Trauungen an sieben Orten möglich. Als nächstes soll im Zentrum die Alte Börse am Naschmarkt dazu kommen – ideal für alle, die in einer Kutsche vorfahren wollen, und für Hochzeitsfotos ist die breite Treppe zur Börse prädestiniert. Wenn die Wachstumsprognose eintrifft und Leipzig bis zum Jahr 2030 auf über 700.000 Einwohner wächst, „brauchen wir jedes Jahr zwei Standesbeamte mehr“, prognostiziert Bernhardt. Derzeit beschäftigt Leipzig 24 Standesbeamte, Dresden hat nach eigenen Angaben 26.

Doch nicht nur die wachsende Zahl an Geburten und Eheschließungen führt die Behörde an personelle Grenzen, sondern auch der Zustrom an Migranten. Der Aufwand bei Beurkundungen ist dann extrem hoch. Während die Anmeldung zur Ehe bei einem deutschen Paar eine Stunde in Anspruch nehme, dauere es bei einem Paar mit Ausländerbeteiligung dreimal so lange. Bernhardt: „Jeder fünfte Kunde bei uns ist mittlerweile Migrant.“

Und dann kommt da nun noch die „Ehe für alle“: Gemessen an der Zahl der Eheschließungen fallen die 136 Anmeldungen zur Lebenspartnerschaft im vorigen Jahr zwar kaum ins Gewicht. „Aber die Steigerungsraten sind enorm“, sagt Bernhardt. „Man merkt, dass sich die Gesellschaft grundlegend verändert.“ Zum Vergleich: 2010 waren es noch 54. Ende 2016 lebten in Leipzig 1338 Schwule und Lesben in einer Lebenspartnerschaft. Bernhardt: „Wir haben rund 30 Anfragen – sowohl von Leuten, die bereits eine Lebenspartnerschaft begründet haben, als auch von solchen, die sich nicht diskriminieren lassen wollten und auf die Ehe gewartet haben.“

Von Klaus Staeubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist kein klassisches Buch der Regionalliteratur. Und doch geht es um Leipziger Stadtgeschichte. Es richtet sich auch nicht an Jung oder Alt. In „Franzi und die Wahl-Oma“ hat Christel Schimmele Geschichten in und um Leipzig geschickt verwoben, so dass es Schulklassen als Projekt fortsetzen könnten.

22.07.2017

In der Debatte um die linksalternative Szene in Leipzig meldet sich auch der FDP-Politiker und Vorsitzende der Fraktion Freibeuter im Leipziger Stadtrat, René Hobusch, zu Wort. Für ihn sollten Gerichte entscheiden, nicht Politiker.

19.07.2017

Sushi gegen Humor: Noch bis Freitag können Gäste in der Alten Schlosserei speisen - und mit Witzen bezahlen. Ein südkoreanischer Koch macht's möglich.

19.07.2017
Anzeige