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Mehr Hochbetagte: Leipzig setzt auf ein Plus an häuslicher Hilfe

Leipzig wächst – und nun? Mehr Hochbetagte: Leipzig setzt auf ein Plus an häuslicher Hilfe

Leipzig platzt aus allen Nähten. Jedes Jahr lassen sich über 10 000 Menschen neu nieder; im Jahr 2030 könnten hier rund 720 000 Leipziger leben. Es braucht neue Wohnungen, Kitas, Schulen, Wasser- und Stromleitungen. Die LVZ zeigt in einer Serie, wie Deutschlands größte Boomtown die Weichen für ihre Zukunft stellt. Heute: Wie sich die Stadtverwaltung auf mehr Senioren einstellt.

Wer für sich allein daheim nicht mehr Kochen mag oder kann – greift gern auf hilfreiche Angebote wie hier im öffentlich zugänglichen Café-Bistro der ASB-Einrichtung Am Sonnenpark zurück. So mancher, der im Alter allein lebt, freut sich auch über einen Plausch am Tisch.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzig platzt aus allen Nähten. Jedes Jahr lassen sich über 10 000 Menschen neu nieder; im Jahr 2030 könnten hier rund 720 000 Leipziger leben. Es braucht neue Wohnungen, Kitas, Schulen, Wasser- und Stromleitungen. Die LVZ zeigt in einer Serie, wie Deutschlands größte Boomtown die Weichen für ihre Zukunft stellt. Heute: Wie sich die Stadtverwaltung auf einen Zuwachs von Senioren einstellt.

Laut dem aktuellen Sozialreport Leipzig (2015) sind von 551 900 Einwohnern gegenwärtig 153 800 über 60 Jahre alt. „Schätzungsweise steigt diese Zahl bereits 2025 auf 170 000 an. Eine Gruppe – nämlich die der über 80-Jährigen – zählte bisher rund 37 600 Bürger. Ihre Zahl wird laut Prognose für 2025 auf rund 49 100 anwachsen“, listen Leipzigs Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer und die hiesige Sozialamtschefin Martina Kador-Probst auf. „Das wird für die Stadtverwaltung erfahrungsgemäß die bedeutsamere Gruppe sein, weil es die ist, die am meisten auf Unterstützung angewiesen ist.“ In vielerlei Hinsicht sind also zukunftsweisende Überlegungen erforderlich.

„Der Anspruch wächst, dass Menschen auch noch im zunehmenden Alter selbstbestimmt leben und sich je nach Bedarf Hilfe in ihrer Häuslichkeit holen wollen. Auch in Leipzig wünschen sich das 95 Prozent der Leute. Wir als Stadt müssen uns also darauf konzentrieren, wie so etwas in Zukunft weiter ermöglicht werden kann“, so Motzer. Das fange selbst bei scheinbar banalen Dingen an. „Wenn man weiß, dass soziale Kontakte für ältere Menschen ganz wichtig sind, bedarf es da sicher helfender Verwandter und Bekannter und einer gut funktionierenden Nachbarschaft. Ein Aspekt für uns als Stadt ist dabei aber, die Vereinsstrukturen in den Stadtteilen zu stärken. Die geschaffenen Seniorenbüros sind schon mal ein guter Schritt, sie müssen aber noch mehr auf ältere Mitbürger zugehen.“ Kador-Probst setzt auf die Info-und Aufklärungsangebote dieser Büros. „Viele wissen leider nicht, dass man für die 1000 kleinen Dinge im Alltag dort Hilfe nach Hause organisiert bekommt – die Fußpflege, den Friseur, Essen auf Rädern, Hauswirtschaftshilfe und so weiter“, sagt sie. Das müsse stärker kommuniziert werden. Für „voll auf Zukunft ausgerichtet“ hält Motzer zwei Modellangebote des Freistaates, die künftig häuslichen Beistand verstärkt unterstützen sollen und von denen die Leipziger mehr und mehr profitieren können. Das eine heißt „Nachbarschaftshelfer“, richtet sich an Menschen mit einer Pflegestufe und ist ein niedrigschwelliges Angebot – zu beantragen bei der Pflegekasse. Dabei betreut ein – zuvor geschulter – Nachbarschaftshelfer einen Pflegebedürftigen stundenweise, so dass dessen Verbleib in der eigenen Wohnung verlängert und Angehörige entlastet werden können. Das zweite Modellprojekt – der „Alltagsbegleiter“ – ist für Leute ohne Pflegestufe gedacht. Also für betagte Senioren, die einfach nur mal gern jemanden hätten, bei dem man sich unterhaken kann, wenn man außer Haus in ein Café oder ans Angehörigengrab auf den Friedhof will. Wenn man mal Rommee spielen oder etwas vorgelesen haben möchte. Durch solch eine regelmäßige Begleitung und Unterstützung im täglichen Leben soll der sozialen Isolierung vorgebeugt werden. „In Leipzig gibt es schon jetzt gut eine Handvoll von Vereinen, die Träger dieses Angebots sind“, sagt Motzer.

„Zu 55 Prozent sind unsere Haltestellenbereiche in der City barrierefrei ausgebaut. Nachholbedarf gibt es aber noch an der Peripherie der Stadt. Woran gearbeitet wird“, so die Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer. Sozialamtschefin Kador-Probst hingegen lenkt den Blick aufs Sozialticket. Nach Möglichkeit sollte die Stadt es auch künftig anbieten, um einkommenssschwachen Senioren ein gewisses Maß an Mobilität zu ermöglichen. „Auch Hilfen wie die Servicebegleiter der LVB, die betagte oder behinderte Menschen sogar von Daheim abholen und zur Bahn begleiten, gilt es zu erhalten“, formuliert Kador-Probst das Ziel.

Die Mehrheit der hochbetagten Leipziger lebt in den eigenen vier Wänden, nur ein Drittel ist stationär untergebracht. So viel werde sich daran künftig nicht ändern. Also richtet die Stadt in ihrem wohnungspolitischen Konzept eher den Fokus auf Wohnraum für Einkommensschwache sowie barrierefreies Wohnen. „Speziell vom Seniorenbeirat wurde ein Positionspapier zum altenfreundlichen Wohnen angestoßen. Wir als Stadt haben uns mit Beteiligten und Wohnungsgenossenschaften dahingehend verständigt, dass Wohnbau fortan grundsätzlich altersgerecht erfolgen soll“, sagt Motzer. Überdies habe der Beirat inzwischen einen Antrag gestellt, dass Mieter mit Mobilitätseinschränkungen für Wohnraumanpassungen ein Zuschuss vom Freistaat gewährt wird. „Das ist in Dresden positiv aufgenommen worden und zumindest in Arbeit“, sagt Motzer. Kador-Probst schreibt in dem Zusammenhang der städtischen Wohnberatungsstelle im Technischen Rathaus eine wachsende Rolle zu und plädiert dafür, diese zu erhalten.

Im Vorjahr waren in Leipzig 119 ambulante Pflegedienste inklusive Sozialstationen registriert. Geht man davon aus, dass die Bevölkerung wächst, könnte man meinen, dass davon rein rechnerisch künftig auch mehr vonnöten sind. Ganz pragmatisch meint Motzer hingegen: „Gebt jedem Pflegedienst einfach zwei Fachkräfte mehr, das bringt es dann auch. Es gilt einfach, die Pflegeberufe mehr zu stärken.“ Überdies würden Einrichtungen wie das Pflegenetzwerk Leipzig zu immer wichtigeren Bestandteilen der Stadtgesellschaft – also Akteure, die sich selbst einbringen. Kador-Probst denkt zudem: „Mit der Einrichtung eines sozial-pflegerischen Fachdienstes hat sich die Stadt durchaus schon mit Zukunftsblick aufgestellt. Was noch fehlt, ist in der Verwaltung ein Pflegekoordinator.“

wenig frequentierte Plätze zu durchlaufen. Motzer meint: Einiges, was zumindest seitens der Stadt dagegen machbar ist, sei schon am Laufen. Sicherheitstrainingskurse für Senioren etwa. Bei den kommunalen, kulturellen Angeboten werde geschaut, sie möglichst nicht in die Abendstunden zu verlegen. Auch der Kriminalpräventive Rat der Polizei biete Info-Veranstaltungen an. Dies alles gelte es fortzusetzen. Ein paar Reserven gibt es da für Motzer noch: „Beispielsweise müsste die Beleuchtung auf Wegen und Straßen hier und da noch komplettiert werden, so dass Ältere sich in der Dunkelheit etwas sicherer fühlen, wenn sie von der Straßenbahnhaltestelle nach Hause gehen.“

„Gerade in der Messestadt ist das Bestreben der Seniorenschaft an einer geistig-kulturellen Teilhabe wirklich rege“, weiß Motzer. „Wir haben diesbezüglich passable Grundlagen: Der Leipzig-Pass für Ältere, deren Rente nicht so üppig ist, gewährt in zig Kulturbetrieben rabattierte Eintritte. Die städtischen Museen haben einmal monatlich Mittwoch freien Eintritt. Anliegen künftiger Stadtväter sollte es sein, so etwas beizubehalten“, sagen die beiden Rathaus-Frauen.

Von Angelika Raulien

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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