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Mehr Investitionen, weniger Schulden: Leipzigs Stadtkonzern schlägt sich wacker

Bilanz-Pressekonferenz Mehr Investitionen, weniger Schulden: Leipzigs Stadtkonzern schlägt sich wacker

Im ersten Jahr unter dem neuen, gemeinsamen Markenauftritt als Leipziger Gruppe hat sich der Stadtkonzern sehr gut entwickelt. Das erklärten Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die Geschäftsleitung zur Bilanz-Pressekonferenz für 2016. Dort gab es viele aktuelle Zahlen. Die entsprechenden Geschäftsberichte wurden aber noch nicht veröffentlicht.

Tragen die Verantwortung für 4700 Mitarbeiter im Stadtkonzern Leipziger Gruppe: Finanzchef Volkmar Müller (links) sowie Norbert Menke, der Sprecher der Geschäftsleitung.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Es waren vor allem zwei Botschaften, die Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zur Bilanzpressekonferenz des Stadtkonzerns Leipziger Gruppe am 7. Juni 2017 an die Einwohner schicken wollte. Erstens: Die Messestadt wird auch den Berufungsprozess gegen die internationale Großbank UBS in London gewinnen. Und zweitens: Wenn Leipzig demzufolge nicht rund 500 Millionen Euro für Finanzwetten des früheren Wasserwerke-Chefs Klaus Heininger berappen muss, bewältige die Stadt auch ihr rasantes Wachstum zum Vorteil aller. „Die 700 000 werden kommen“, sagte Jung zum Thema Bevölkerungsentwicklung. Schon heute gelte es für den Kommunalkonzern, die Voraussetzungen dafür bei der Infrastruktur zu schaffen.

2016 sei auf diesem Weg ein „ganz hervorragendes Jahr“ gewesen, fuhr das Stadtoberhaupt fort. Zwar habe der Konzerngewinn mit 6,3 Millionen Euro deutlich gegenüber 2015 (23 Millionen Euro) nachgelassen. Doch das beruhte auf Sondereffekten wie Steuernachzahlungen für frühere Jahre – vor allem für die Heininger-Zockereien. Die Summen könne man sich später aber vielleicht vom Finanzamt zurückholen. Zur erst vor wenigen Tagen beendeten Verhandlung am Londoner Court of Appeal betonte Jung, es folge „nicht aus berufsmäßiger Zuversicht, sondern aus gutem Grund“, wenn er fest an einen erneuten Erfolg für Leipzig glaube. Konkretes zum Ablauf oder Ergebnis der mündlichen Verhandlung sagte er nicht. Stattdessen ließ er eine Folie an die Wand projizieren, wie der Stadtkonzern in den letzten Jahren seine „außerordentlichen Risiken“ abgebaut hatte (die LVZ berichtete). Als Letztes bleibe noch der Streit mit UBS. Er hoffe, die ganze Angelegenheit sei bis zum Jahresende 2017 erledigt.

Im vergangenen Jahr habe sich der Konzern „bei allen wesentlichen Kennziffern verbessert“, so Geschäftsführer Norbert Menke. Zum Beispiel stieg die Zahl der Fahrgäste bei den Verkehrsbetrieben um 7,3 Prozent auf 148 Millionen, der Fernwärmeabsatz der Stadtwerke um 6,4 Prozent auf 1367 Gigawattstunden. Die Wasserwerke verkauften mit 31 Millionen Kubikmetern um 3,4 Prozent mehr Trinkwasser als im Jahr zuvor. Zugleich wurden die Investitionen um 4,6 Millionen auf 176 Millionen Euro erhöht und die Nettoverschuldung um 23,6 Millionen auf 588,5 Millionen Euro verringert. Erneut erwirtschafteten die 4700 Mitarbeiter auch jene 45 Millionen Euro, welche die Verkehrsbetriebe als Zuschuss für den Betrieb eines besonders großen Netzes mit Straßenbahnen und Bussen erhalten.

Die wichtigste Kennziffer für den Konzern ist laut Finanzgeschäftsführer Volkmar Müller jedoch das operative Ergebnis Ebitda (bedeutet Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Investitionen). Es wuchs um fünf Millionen auf 216 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2020 solle die Ertragskraft sogar auf 230 Millionen Euro steigen. „Das ist für uns kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für notwendige Investitionen“, sagte Müller. So müssten die Wasserwerke perspektivisch zum größten Schuldner in dem Verbund werden, um die Kapazität des Klärwerks im Rosental an das starke Einwohnerwachstum anzupassen. Die Wassersparte hätte 2016 eigentlich das beste Ergebnis aller Zeiten ausweisen können – durch die Steuernachzahlungen zu den Heininger-Deals wurden es dann aber nur mittelprächtige 24 Millionen Euro.

Überraschend gut schnitten die Stadtwerke ab. Sie erhöhten ihren Gewinn von 54 auf 64 Millionen Euro, kauften zudem für vier Millionen Euro vier Windräder (mit je zwei Megawatt) in Tüngeda bei Gotha, sodass sich die Gesamtkapazität der Windenergie-Erzeugung auf über 30 Megawatt erhöhte. Das Kraftwerk an der Eutritzscher Straße war 2016 an insgesamt 162 Tagen voll in Betrieb: Das waren infolge kälterer Temperaturen und gestiegener Energiehandelspreise 77 Tage mehr als im Vorjahr. Im Oktober startete das Energieunternehmen obendrein eine neue Organisationsstruktur im Rahmen des Programms Fit. Dies soll unter anderem ermöglichen, dass bis 2020 etwa jede zehnte Stelle (sozialverträglich) wegfällt.

Von Jens Rometsch

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