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Lokales Mehr Studenten, Absolventen und Forscher wagen Sprung in die Selbstständigkeit
Leipzig Lokales Mehr Studenten, Absolventen und Forscher wagen Sprung in die Selbstständigkeit
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08:00 22.04.2017
Die Anwälte Kilian Springer (links) und Tim Schneidewind arbeiten in einer „Galerie“ – im Hintergrund sind Bilder der Künstlerin Gabriele Stötzer aus Erfurt zu sehen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Deutschlandweit sinkt die Zahl der Menschen, die sich selbstständig machen. In Leipzig ist das anders: Die Stadt ist eine Hochburg für studentische Start-up-Unternehmer geworden. Ein Grund dafür ist das Gründernetzwerk Smile. Die Initiative hat vor Kurzem einen Gründeratlas veröffentlicht: Eine Leipziger Stadtkarte, auf der mehrere Dutzend Firmen verzeichnet sind, die Smile mit Hilfe zur Selbsthilfe in die Spur gebracht hat.

Auf der Karte vertreten ist unter anderem die Rechtsanwaltskanzlei KTR in der Tschaikowskistraße 21. Die Gründer Tim Schneidewind und Kilian Springer haben sich auf Kunst-, Arbeits-, Handels- und Gesellschaftsrecht spezialisiert und ihre Kanzleiräume mit einer Galerie kombiniert, die auch für Nicht-Mandanten zugänglich ist. Sie wollen so alte Kanzlei-Strukturen aufbrechen – zurzeit ist dort die Foto-Schau „Das Brennen der Worte in meinem Mund“ der Künstlerin Gabriele Stötzer zu sehen. „Wir öffnen uns auch mit Vernissagen für die Künstler- und Kreativszene“, so Anwalt Schneidewind.

Die Juristen sind auf Smile gestoßen, als sie den „Gründer-Grill“ besuchten, zu dem Smile die Szene ungezwungen in Leipziger Parks einlädt, um die Vernetzung von Gründungsinteressenten zu fördern. Beide haben dort ihre Idee vorgestellt, auf die neue Wirtschaftswelt mit einem neuen Kanzleityp zu reagieren. „Smile hat uns bei der Erstellung unseres Businessplanes geholfen“, erzählt Springer. „Am Ende hatten wir ein Konzept, das unser Alleinstellungsmerkmal – die offene Struktur – optimal unterstützt.“

Die Gewinnprognosen waren vorsichtig kalkuliert und sind in den knapp zwei Jahren am Markt von der Realität übertroffen worden. Die Kanzlei mit ihren vier Mitarbeitern trägt sich inzwischen selbst. In zehn Jahren soll sie statt zwei dann sechs bis sieben Rechtsanwälte haben und sich vorrangig mit allen Fragen rund um das geistige Eigentum beschäftigen. „Dieser Markt entwickelt sich enorm, weil durch die sozialen Netzwerke ständig neue Fragestellungen auftauchen“, sagt Springer.

Noch nicht so weit sind die Gründer Martin Rehberger und Thomy Dämmrich, die sich mit ihrer Firma MNKY Lab dem Online-Geschäft verschrieben haben. Sie wollen Firmen mitwachsende Internet-Auftritte verkaufen. Über Cloud-Lösungen stellen sie ihnen besonders hohe Server-Kapa¬zitäten zur Verfügung, die sukzessive für beliebig viele zusätzliche Inhalte genutzt werden können. „Gleichzeitig organisieren und betreuen wir Werbeauftritte im Netz“, erzählt Rehberger.

Dies geschehe nicht nur über den Kauf von Werbe¬bannern auf Internetseiten, sondern über eine  zielgenaue Ansprache in den sozialen Medien, vor allem über die neuen Online-Kanäle Whats App, Instagram und Facebook. Stil und Kundenkontakt werden dabei stark individualisiert – ein neues Geschäftsmodell aus Amerika, das gerade in Deutschland Fuß fasst.

MNKY Lab ist erst seit März 2016 am Markt und beide Gründer sind nach wie vor Studenten, um ihr Angebot mit neuestem Know how zu optimieren und ihre Anlaufkosten zu minimieren. „Aber spätestens ab 2018 werden wir uns nur noch auf Social Media und Cloud-Lösungen konzentrieren“, sagt Dämmrich.

Smile hat beiden in der Startphase bei den praktischen Schritten zur Firmengründung geholfen. „Dinge wie Gewerbeamt, Notar und Bank waren für uns enorme bürokratische Hürden, die wir gemeinsam genommen haben“, so Rehberger. Beide strotzen vor Tatendrang. „In zehn Jahren wollen wir eine feste Größe in der deutschen IT-Landschaft sein“, sagt Dämmrich. „Dann sollten wir mindestens ein Dax-Unternehmen als Kunden haben.“

Auch Smile entwickelt sich weiter. „Die Digitalisierung spielt in den Geschäftsmodellen eine immer stärkere Rolle“, erzählt Professor Helge Löbler, einer der beiden führenden Köpfe. Wo Smile in zehn Jahren stehen wird, ist für Professor Utz Dornberger, der zweiten Führungsspitze, absehbar: Leipzigs Gründer gehen immer größere Sektoren-übergreifende Kooperationen ein. „Es wird künftig auch mehr Teams geben, in denen junge Kreative mit älteren Experten zusammenarbeiten“, ist er überzeugt.

Für Smile wird es auch darum gehen, das Wissen und die Forschungskapazitäten der Leipziger Hochschulen für Unternehmensgründer zu öffnen, die ihre Ideen außerhalb der Bildungseinrichtungen entwickeln. „Sie werden unsere Forschungslabore nutzen und mit unseren Studenten zusammenarbeiten“, glaubt Löbler. „Sich so zu öffnen ist für Hochschulen eine große Herausforderung. Wir werden jetzt die dafür notwendigen Strukturen ausbauen.“

Von Andreas Tappert

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