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Mehr Unfälle und Verkehrstote in Leipzig – Stadt will gefährliche Kreuzungen entschärfen

Mehr Unfälle und Verkehrstote in Leipzig – Stadt will gefährliche Kreuzungen entschärfen

Erstmals seit Jahren steigt die Zahl der Verkehrstoten in der Messestadt wieder an. Elf Menschen sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres bei Unfällen bereits ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Freitag auf Anfrage von LVZ-Online mit.

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Die Polizei verzeichnet mehr Unfälle und Verkehrstote auf Leipzigs Straßen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Das sind so viele Tote auf Leipzigs Straßen wie seit 2007 nicht mehr. Damals starben im gesamten Jahr 14 Personen bei Verkehrsunfällen. Dazwischen schwankte die Zahl zwischen fünf (2010) und neun (2009) Toten.

Der negative Trend schlägt sich auch in der Menge der Unfälle nieder: „Die Tendenz zeigt leicht nach oben“, berichtete Polizeisprecher Uwe Voigt. Im Detail lägen die Statistiken für das erste Halbjahr 2012 zwar noch nicht vor. Fest steht jedoch: Im Schnitt ereignen sich etwa zwei Unfälle pro Stunde in Leipzig. An einigen Stellen kracht es dabei besonders häufig.

Bei der Auswertung aller 14.461 Kollisionen im vergangenen Jahr hat die Polizei über die ganze Stadt verteilt 73 Unfallschwerpunkte ausgemacht. Diese wurden wie in jedem Jahr an die Verkehrsunfallkommission (VUK) der Stadt weitergegeben. Ob missachtete Vorfahrt, überhöhte Geschwindigkeit oder falsch fahrende Radfahrer: Kommt es an einer bestimmten Kreuzung oder Kurve oft zu ähnlichen Unfällen, sind die Experten der VUK gefragt.

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„In 99 Prozent der Fälle ist eine Kreuzung baulich und technisch nicht zu beanstanden“, sagt Michael Jana zu den Unfallschwerpunkten auf Leipzigs Straßen.

Quelle: Regina Katzer

„Es ist nicht einfach herauszufinden, warum es gerade an ein und derselben Stelle einen Schwerpunkt gibt“, sagte Michael Jana, Abteilungsleiter für Verkehrsmanagement im Leipziger Rathaus und Leiter der Unfallkommission. Er sucht zusammen mit seinen Expertenkollegen von der Stadtverwaltung, der Polizei und den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) nach den möglichen Ursachen für Gefahrenstellen – und legt fest, was verändert werden kann, um das Unfallpotenzial zu verringern.

„In 99 Prozent der Fälle ist eine Kreuzung baulich und technisch nicht zu beanstanden“, erklärte Jana. „Aber trotzdem gibt es Defizite. Diese müssen wir finden und beheben.“ LVZ-Online wollte es genauer wissen und zeigt einige von Leipzigs gefährlichsten Kreuzungen und Straßenabschnitten – und wie die Unfallkommission diese künftig entschärfen will.

Knoten vor dem Neuen Rathaus:

Eine von Leipzigs meistbefahrenen Kreuzungen ist auch einer der Unfallschwerpunkte in der Stadt. Häufig kollidieren laut Polizei Autos beim Linksabbiegen von der Friedrich-Ebert-Straße mit dem geradeaus fahrenden Gegenverkehr aus Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz – und das schon seit Jahren. Sechs solcher Fälle gab es 2009 ebenso wie 2012. Insgesamt krachte es 38 Mal allein im Jahr 2009. „Wir prüfen deshalb, ob für jede Fahrtrichtung eine einzelne Ampelphase eingerichtet wird“, erklärte Verkehrsexperte Michael Jana. Das könnte künftig zusätzliche Wartezeit für die Autofahrer bedeuten. „Sicherheit hat aber oberste Priorität“, betont der Chef der Unfallkommission.

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Am Bundesverwaltungsgericht: Eine gefährliche Stelle für Radfahrer, die Straße zu überqueren.

Quelle: Regina Katzer

Harkort-/Beethovenstraße:

Nur wenige Meter vom Neuen Rathaus entfernt, kommen sich Autofahrer und Radfahrer oft in die Quere. Viele Pedalritter wollen die vierspurige Trasse an der Beethovenstraße auf ihrem Weg vom Münzplatz in Richtung Musikviertel überqueren – mehr als fünf Radler wurden dabei im vergangenen Jahr von Autos erfasst. Die Stadtverwaltung plant deshalb 2013 an der Gefahrenstelle eine neue Ampelanlage zu errichten. Es wäre bereits die dritte auf den rund 200 Metern zwischen Neuem Rathaus und Riemannstraße. Das Geld dafür – rund 300.000 Euro – ist laut Jana bereits im Haushalt eingeplant.

Maximilianallee/Essener Straße:

Nahe der Überführung der Bundesstraße 2 im Leipziger Norden kommt es stadteinwärts immer wieder zu Auffahrunfällen. Allein 14 Mal krachte es im Jahr 2009 beim Einfädeln auf der Rampe von der Maximilianallee zur Essener Straße. Die Stadt will daher möglichst noch in diesem Jahr die vorhandene Ampel um eine Signalanlage für die Abbiegespur erweitern. Kostenpunkt: 25.000 Euro.

Zweinaundorfer/Breite Straße:

Die Kreuzung im Leipziger Osten entwickelte sich erst 2011 zu einem Unfallschwerpunkt. Fünfmal gab es hier Auffahrunfälle zwischen Fahrzeugen, die von der Zweinanundorfer in Richtung Breite Straße abbiegen wollten. „Grund war ein Grünpfeil für Autofahrer, der für Konflikte sorgte. Dieser wurde am Dienstag entfernt“, so Michael Jana. Weitere Maßnahmen werden noch geprüft.

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Unfallschwerpunkt: kurvenreiche Strecken.

Quelle: Dirk Knofe

Adenauerallee:

In der S-Kurve nahe der Volksgartenstraße in Schönefeld verlieren Autofahrer häufig die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sieben Pkw seien 2011 von der Fahrbahn abgekommen und mit Bäumen, der Lärmschutzwand oder dem Gegenverkehr kollidiert, berichtet Michael Jana. Häufig wird die Kurve mit zu hoher Geschwindigkeit als den erlaubten 50 Stundenkilometer befahren. Zudem unterschätzen Autofahrer den Kurvenverlauf. Als Warnsignale ließ die Verkehrsbehörde deshalb Kurventafeln und leuchtende Markierungsknöpfe auf den Fahrbahnrändern anbringen.

Tröndlinring/Löhrstraße:

Fahrradfahrer, die auf dem Innenstadtring unterwegs sind, werden von rechtsabbiegenden Autofahrern aus der Löhrstraße häufig übersehen, da die Pedalritter auf dem Radweg in beide Richtungen fahren dürfen. Achtmal kam es im vergangenen Jahr deshalb zu Kollisionen. „Die dort stehenden Büsche wurden bereits zurückgeschnitten, um die Sicht zu verbessern“, berichtete Jana. Weitere Maßnahmen, um auf die Vorfahrt der Radler an dieser Stelle hinzuweisen, werden derzeit noch beraten.

Jahnallee/Cottaweg:

Auch hier kommt es häufig zu Unfällen zwischen Radfahrern und Autos, die aus dem Cottaweg kommend rechts abbiegen wollen. „Hier ist das Fahren auf dem Radweg nur in eine Richtung gestattet, viele halten sich aber nicht daran“, so Jana. Schon lange zählt die Kreuzung zu den Unfallschwerpunkten in der Stadt. Daher wurde bereits ein Stoppschild für Autofahrer angebracht – was aber wenig Wirkung zeigte. Immerhin sechs solcher Unfälle ereigneten sich 2011. „Demnächst wird es hier noch einmal eine Ortsbesichtigung geben, um zu schauen, was wir verbessern können“, kündigte Jana an.

Robert Nößler

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